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TU Berlin

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Studium & Lehre

Gemeinsam lernen

Montag, 18. Mai 2009

Die TU Berlin bereitet Lehrkräfte auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vor

Behinderte und nicht behinderte Kinder sollen zusammen spielen und lernen
Behinderte und nicht behinderte Kinder sollen zusammen spielen und lernen
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Die Rechte von Menschen mit Behinderung sind  in den Medien so präsent wie nie zuvor. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die Anfang des Jahres von der Bundesregierung ratifiziert worden und Ende März in Kraft getreten ist, verpflichtet die Vertragsstaaten auf ein "inclusive education system": Alle Kinder, ob behindert oder nicht, werden in einer gemeinsamen Schule unterrichtet. Nun fordern insbesondere Behindertenverbände die schnelle Umsetzung durch Bund, Länder und Gemeinden, denn das selektive deutsche Sonderschulsystem steht im Widerspruch zur UN-Konvention. Doch es fehlen qualifizierte und motivierte Lehrkräfte. Als eine der wenigen Universitäten bundesweit bereitet die TU Berlin die angehenden Lehrer auf ihre Arbeit in Integrationsklassen vor.

Bundesweit haben 484000 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf, also 5,8 Prozent aller Schüler. In Deutschland gehen lediglich 16 Prozent aller behinderten Schüler gemeinsam mit Kindern aus der Nachbarschaft in die Regelschule. Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit ein "Entwicklungsland" und geht einen Sonderweg. 84 Prozent aller behinderten Schüler besuchen die Sonderschule, früher Hilfsschule, heute beschönigend Förderschule genannt. Berlin steht im Bundesvergleich deutlich besser da, hier werden doppelt so viele Schüler integrativ beschult.

"Das ist kein Zufall", sagt Dr. Irene Demmer-Dieckmann vom TU-Institut für Erziehungswissenschaft. "Seit Jahrzehnten setzen sich die TU-Erziehungswissenschaftler Jutta Schöler und Ulf Preuss-Lausitz für integrative Pädagogik ein, forschen hierzu und beraten die Politik. Ihre und viele weitere Studien zeigen, dass die Schulleistungen der nicht behinderten Kinder in Integrationsklassen gleich gut sind oder besser."

Sehr viel besser im Vergleich zu Sonderschülern sind aber die Leistungen der als "lernbehindert" bezeichneten Integrationskinder. Auch im sozialen Bereich erweist sich Integration als günstiger denn eine Sonderbeschulung. Das war Anlass für das Institut, bereits 1999 für angehende Lehrerinnen und Lehrer das Pflichtseminar "Gemeinsamer Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern" einzuführen - bundesweit einmalig und mit gutem Erfolg. Seit acht Semestern führt Irene Demmer-Dieckmann eine Studie durch, die die Wirksamkeit dieser Seminare belegt. "Wir befragen die zukünftigen Lehrer zu Beginn und am Ende anonym. Mehr als die Hälfte von ihnen hat sich noch nie mit dem Thema beschäftigt. Am Ende haben fast alle eine positive Haltung zum gemeinsamen Unterricht entwickelt und können sich vorstellen, integrativ zu unterrichten", so die Erziehungswissenschaftlerin. Nach der Bologna-Reform wurde an der TU Berlin als einziger Berliner Universität ein solches Integrationsseminar im Bachelor verankert.

Was die TU Berlin bereits seit zehn Jahren realisiert, wird jetzt in dem Manifest "Inklusive Bildung - Jetzt!" auf Grundlage der UN-Konvention von namhaften Institutionen, Vereinen und Prominenten gefordert: Alle Lehramtsstudiengänge sollen an die Anforderungen der sogenannten "inklusiven" Bildung angepasst werden. Auch Irene Demmer-Dieckmann stellt klar: "Nun sind auch alle Fachdidaktiken dringend aufgefordert, die Konvention umzusetzen und Kompetenzen in Differenzierung und Förderung zu vermitteln."

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 5/2009

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