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Nicht mehr "Wir" und "Ihr", sondern nur noch "Wir"

Dienstag, 07. April 2009

Fakultät VII Wirtschaft und Management schafft im April ihre Institutsstruktur ab

Herr Busse, Sie waren drei Jahre Dekan der Fakultät VII Wirtschaft und Management. Was waren die Meilensteine und wichtigsten Entscheidungen für die Fakultät?

Prof. Dr. med Reinhard Busse leitete von 2006 bis 2009 die Fakultät VII Wirtschaft und Management
Lupe

Zunächst haben wir einen neuen Fakultätsentwicklungsplan erstellt. Dabei standen nicht nur Zahlen und Eckwerte im Mittelpunkt, sondern wir sind in einen Reflexionsprozess eingestiegen. Wir haben uns gefragt: Wo wollen wir hin und wo sind wir wirklich gut? Wir hielten uns den Spiegel vors Gesicht und stellten eine fundierte Stärken-Schwächen-Analyse auf. Das war nicht einfach. Verbunden damit nahmen wir eine wohldurchdachte Schwerpunktsetzung in Angriff. Diese Diskussion fand in einer Zeit statt, in der viele neue Professoren an die Fakultät kamen. Wir hatten einen intensiven Veränderungsprozess in den Köpfen und durch die neuen Köpfe. Seit 2002 wurden von den 16 besetzten Strukturprofessuren allein elf neu berufen. Gleichzeitig fielen überdurchschnittlich viele Professuren und vor allem WiMi-Stellen weg, verbunden mit der Einstellung der drei Studiengänge Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Public Health.

Welche konkreten Ergebnisse gab es?

Markant ist, dass wir im April 2009 unsere Institute für Technologie und Management, für Betriebswirtschaftslehre sowie für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht als Verwaltungseinheiten auflösen. Es wird dann administrativ "nur" noch die Ebene der Fachgebiete geben.

Was waren die Beweggründe und welche Vorteile versprechen Sie sich davon?

Wir wollten künstliche Grenzen einreißen, um die Fakultät als Ganzes zu stärken. Es soll nicht mehr "Wir" und "Ihr" heißen, sondern nur noch "Wir". Außerdem hatten sich bestimmte Themen aus unseren Disziplinen quer zu den Instituten entwickelt. Das betrifft beispielsweise das Thema Innovationen, das unter anderem in den Fachgebieten Technikrecht, Innovationsmanagement oder Marketing aufgegriffen wird. Hinzu kommt die administrative und finanzielle Überlegung. Die leistungsorientierte Geld- und die Stellenzuweisung in der Fakultät geschehen direkt an die Fachgebiete und nicht mehr über den Umweg "Institut".

Wie wird dieser Vorgang in der Fakultät wahrgenommen?

Er hat sich schon fest in den Gedanken verankert. Wir als "Randfakultät" an der TU Berlin müssen uns als Einheit stark positionieren und Profil zeigen. Natürlich haben wir bei der Institutsauflösung auch die Kehrseite bedacht. Nach wie vor gibt es ein gewisses Standesdenken unter den Wissenschaftsdisziplinen. Auch sind die Institute thematisch näher an den Hochschullehrern, die sich deswegen natürlich weiterhin im Kreis "der Betriebswirte" oder "der Volkswirte" treffen und absprechen können. Auf Fakultätsebene haben wir eine Fachgebietsleiter-Runde etabliert. Sie versammelt regelmäßig alle, die aktiv in der Verantwortung stehen. Damit gibt es ein Gremium, in dem unsere Entwicklung von allen angegangen wird. Wir erweitern unser Blickfeld und lernen uns näher kennen. Das hat auch eine soziale Funktion.

Mit wem will sich die Fakultät für eine Standortbestimmung oder den Wettbewerb um die besten Studierenden vergleichen?

Das haben wir lange überlegt. Wir sind eine Fakultät, die Wirtschaft und Management vertritt, aber eindeutig an einer technischen Universität angesiedelt ist. Wir möchten uns daher mit den Schwesterfakultäten der anderen großen technischen Universitäten, die zur Gruppe der TU9 gehören, messen. Wir schauen nicht primär auf die FU oder HU in Berlin, sondern nach Aachen, Karlsruhe oder München. Wir wollen innerhalb dieser Gruppe mit unseren Schwerpunkten führend werden.

Wie sieht die Forschungsbilanz der Fakultät aus?

Nimmt man die Drittmitteleinwerbung, so können wir als Wirtschaftswissenschaftler, die in der Regel nicht so viel Geld wie die Mediziner oder Ingenieurwissenschaftler einwerben, eine sehr gute Bilanz vorweisen. Im Jahr 2007 warben wir vier Millionen Euro ein. Das sind rund 235000 Euro pro Strukturprofessur und entspricht dem TU-Durchschnitt. Die Zahlen gewinnen an Gewicht, da die TU Berlin seit Jahren zu den zehn besten deutschen Universitäten bei der Drittmitteleinwerbung gehört. Legt man die Messlatte der Wirtschaftswissenschaften an, so liegt der bundesweite Durchschnitt bei rund 60000 Euro pro Professur. Ich denke, da können wir zu Recht stolz sein.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wurden definiert?

In dem Entwicklungsplan von 2002 gab es sage und schreibe 28 Schwerpunkte für die Fakultät - das waren weit mehr als die vorhandenen Professuren. Nun konzentrieren wir uns auf vier Themen, bei denen wir sehr gut sind und die auch zum Profil der TU Berlin passen, beispielsweise zu den Zukunftsfeldern.

Welche sind das und welche Resonanz gibt es?

Ohne bestimmte Reihenfolge: Logistik, Gesundheitstechnik und -wirtschaft, Innovationen sowie Infrastruktur und Netzwerke. Um diese Themen herum haben wir unsere Forschungsaktivitäten gruppiert. Und hier entwickeln wir auch unsere neuen Lehr- und Weiterbildungsangebote. Wir senden damit eine klare Botschaft: Auf diesen Feldern sind wir gut bis sehr gut und besser als andere. Mit der Profilschärfung konnten wir Partner finden, die uns unterstützen. Unternehmen wie Siemens, die Deutsche Telekom, die Bahn oder HELIOS stifteten uns so in den vergangenen drei Jahren immerhin sieben zusätzliche Professuren. Das sind 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, der Sie fragt: Warum soll ich bei Ihnen studieren?

Er oder sie bekommt bei uns die exzellente Möglichkeit, nicht nur die Grundlagen für das Wirtschaftsingenieurwesen zu erlernen, sondern auch eine bundesweit einmalige Vertiefung zu wählen. Im Master Wirtschaftsingenieurwesen gibt es nun neben den klassischen Vertiefungsrichtungen aus den Ingenieurwissenschaften auch die neuen Bereiche Gesundheitstechnik, Logistik sowie Energie- und Ressourcenmanagement. Außerdem haben wir die Umstellung auf Bachelor und Master dazu genutzt, eine engere Verzahnung zwischen Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften im Studienangebot zu organisieren. Wir tauschten also nicht nur das Etikett aus, sondern definierten neue Inhalte.

Wo sehen Sie für die Zukunft Handlungsfelder?

Beispielsweise bei den Drittmitteln. Wir haben in der Fakultät Anreize geschaffen, damit mehr Geld von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder der EU eingeworben wird. Dazu dient uns die leistungsbezogene interne Mittelvergabe, aber auch die Zielvereinbarung mit dem Präsidenten. Uns ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Drittmitteln von der öffentlichen Hand und aus der Wirtschaft wichtig. Außerdem sehe ich die erfolgte Besetzung der Gastprofessur "Gender in den Wirtschaftswissenschaften" als wichtigen Schritt an. Eine weitere Herausforderung ist eine verbesserte Betreuung unserer Studierenden.

Wie sehen hier Ihre Pläne aus?

Wir planen ein Service-Center für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwissenschaften. In dem wichtigen CHE-Ranking schlägt der mangelnde Service negativ zu Buche. Hier setzen wir deshalb aktiv und zeitnah an. Außerdem sehe ich ein großes Betätigungsfeld in der Schaffung einer Corporate Identity für die Fakultät.

Was heißt das?

Das fängt damit an, dass wir nicht nur "Fakultät VII" sagen, sondern unseren Namen nennen oder dass wir eine gut und aktuell gestaltete Internetseite vorweisen können. Außerdem wollen wir unsere Absolventenfeier zu einem Fakultätstag ausweiten, bei dem auch der Fakultätsbeirat die Möglichkeit der Präsentation bekommt.

In jüngster Zeit kam die Diskussion um die Rolle eines Dekans an deutschen Universitäten auf. Wie würden Sie die Rolle definieren und müsste aus Ihrer Sicht etwas geändert werden?

Ich habe in Marburg Medizin studiert. Dort gab es einen hauptamtlichen Dekan. Das fand ich sehr angenehm, da er nicht nur die Professoren vertrat, sondern in der Mittlerrolle war und das Gesamtwohl der Fakultät im Blick hatte. Für unsere relativ kleine Fakultät ist das jedoch nicht nötig. Ein Dekan sollte ein paar Jahre die Verantwortung übernehmen, aber dann plädiere ich auch für einen Wechsel nach dem Motto "Neue Besen kehren gut". Heute wird die Rolle des Dekans nicht mehr nur als "Urkundenunterschreiber" verstanden. Die Dekane haben jetzt weit mehr Verantwortung als noch vor einigen Jahren. Als ich in das Amt gewählt wurde, stand uns ein Budget von 500000 Euro zur Verfügung. Heute sind es fünf Millionen, die wir in der Fakultät verteilen. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Verantwortung und auch der erweiterten Aufgaben sollten sich die deutschen Universitäten der Frage stellen, wie man die Rolle des Dekans mit der Professorenrolle vereinbaren kann. Denn, und das wissen alle Kollegen, das Amt nimmt einem die Zeit für Forschung und Lehre und erfordert Spezialwissen über Verwaltung, Geldzuweisung und so weiter. Deutlichere Entlastungs- oder Belohungsanreize könnten hier hilfreich sein.

Das Gespräch führte Stefanie Terp / Quelle: "TU intern", 4/2009

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