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TU Berlin

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Studium & Lehre

Positive Gegenbeispiele

Freitag, 15. Februar 2008

Der türkische Verein BTBTM an der TU Berlin führt Kinder von Migranten zum Abitur

In der Uni fürs Abi lernen
In der Uni fürs Abi lernen
Lupe

"How was your weekend? What did you do?", fragt die Lehrerin in die Klasse. "On Sunday my friend came to visit me …" Fadil fällt Layla ins Wort: "Your boyfriend! Layla has a boyfriend. Duyduk duymadik demeyin …" Die Lehrerin weist ihn schlagfertig zurecht - auf Türkisch, dann fährt sie auf Englisch fort.

"Was unsere Lehrkräfte von Schullehrern unterscheidet, ist, dass sie über interkulturelle Kompetenz verfügen. Es sind Lehramts-Studierende und Referendare der TU Berlin verschiedener Herkunft - darunter viele Deutschtürken. Sie sprechen nicht nur mehrere Sprachen, sondern verstehen auch die Mentalität anderer Kulturen", erklärt Funda Gümüsdag, Mitglied des Türkischen Studierenden- und Akademikervereins BTBTM und eine der Organisatorinnen des Projektes "Zweite Generation", in dem 22 Lehramtsstudierende der TU Berlin in 29 Kursen Migrantenkindern - speziell Gymnasiasten - Ergänzungsunterricht in sieben Fächern bieten. Sie selbst wurde als Schülerin hier unterrichtet. Jetzt koordiniert sie das Projekt ehrenamtlich neben ihrem Studium. "Ich muss zugeben, ich stand damals in Mathe immer sehr schlecht. Mit dem Ergänzungsunterricht habe ich mich innerhalb weniger Wochen um ganze zwei Noten verbessert. Bis dahin dachte ich immer, ich sei zu dumm für Mathematik, dabei war es wohl eher ein Sprachproblem. Erst mein Lehrer hier an der TU hat mein mathematisches Talent erkannt. Ich fing an, hier Mathematik zu studieren und selbst für die ‚Zweite Generation‘ zu unterrichten", erinnert sich Funda Gümüsdag. Rund 200 Schüler nehmen derzeit an dem Projekt teil. Migrantenkinder, die abends - anstatt vor dem Fernseher zu sitzen - in einem Seminarraum der TU Berlin büffeln. So auch der 19-jährige Burak Onat: "Es gibt viele Leute in meinem Alter, die keine Orientierung haben. Denen müsste man mal zeigen, dass es noch viel mehr gibt, als draußen rumzurennen. Die sollten jetzt etwas machen aus ihrem Leben und nicht später rumjammern. Ich weiß genau, was ich will: Chemie studieren, damit ich eines Tages das Gekritzel da an der Tafel verstehe." Das Projekt vermittelt nicht einfach nur Nachhilfeunterricht, vielmehr wird der Schulunterricht ergänzt. Die Lehramts-Studierenden unterrichten nach dem Berliner Rahmenplan und stützen sich auf pädagogische Konzepte und Präsentationstechniken. Auch sie profitieren vom Ergänzungsunterricht. An der Universität werde zu wenig Unterrichtspraxis vermittelt, berichten sie, hier könne man sich dagegen ausprobieren. Die "Zweite Generation wurde vor über 15 Jahren ins Leben gerufen und von Klaus Wowereit mit der Berliner Tulpe 2007 geehrt." Im Gegensatz zu den hitzigen Debatten um Jugend- und Ausländerkriminalität fallen positive Gegenbeispiele, Integrationsprojekte wie die ‚Zweite Generation‘, einfach unter den Tisch," erklärt Derya Ovali, Vorstandsvorsitzende bei BTBTM, das mangelnde Interesse der Medien an dem Projekt.

Vanessa Bohórquez-Klinger / Quelle: "TU intern", 2-3/2008
Berliner Tulpe
Der Verein BTBTM wurde kürzlich für sein Engagement mit der "Berliner Tulpe" ausgezeichnet. Ziel des Preises ist die Stärkung des deutsch-türkischen Gemeinsinns. Mit dem Preis werden deutsch-türkische Initiativen ausgezeichnet, die zu einem besseren Zusammenleben von "Einheimischen" und "Eingewanderten" beitragen. Der Preis in Höhe von 10000 Euro wird von der Körber-Stiftung ausgelobt und gemeinsam von dem Radiosender Radyo METROPOL FM, der Senatskanzlei Berlin, dem Beauftragten für Integration und Migration des Senats von Berlin sowie der Werkstatt der Kulturen ausgeschrieben. Schirmherr ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.

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