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TU Berlin

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Lehre & Studium

Lust auf Lehre

Montag, 15. Dezember 2008

Berlin richtet ein Zentrum ein, um die Qualität der Lehre zu verbessern

Frau Dr. Brendel, warum erschien es notwendig, das Berliner Zentrum für Hochschullehre einzurichten?

Erziehungswissenschaftlerin Dr. Sabine Brendel leitet die Geschäftsstelle des neu eingerichteten Berliner Zentrums für Hochschullehre.
Dr. Sabine Brendel
Lupe

Die Idee des Zentrums, kurz BZHL, wurde im Rahmen der Ausbildungsoffensive des Berliner Masterplans "Wissen schafft Berlins Zukunft" entwickelt. Hintergrund ist, dass Berlin die Qualität auch in der Hochschullehre steigern will. Dafür bekommen wir zwei Millionen Euro über vier Jahre, das heißt jährlich 500000 Euro, für Personal, Sachmittel, Miete et cetera. Lehre spielt derzeit für die wissenschaftliche Karriere noch keine so große Rolle wie die Forschung. Bei der Berufung zum Professor oder zur Professorin zählen vor allem die Erfolge in der Forschung. Gute Lehre war bislang eher eine Herzensangelegenheit, sie wurde weder systematisch gefordert noch gefördert. Doch in den letzten Jahren gibt es auf diesem Feld deutliche Bewegungen: Nicht nur der Wissenschaftsrat und andere fordern eine Exzellenzinitiative für gute Lehre, auch immer mehr Länder bauen Weiterbildungszentren zur didaktischen Qualifizierung ihrer Hochschullehrenden auf. Dahinter steht die Prämisse, dass sich gute Lehre lernen lässt.

Erziehungswissenschaftlerin Dr. Sabine Brendel leitet die Geschäftsstelle des neu eingerichteten Berliner Zentrums für Hochschullehre. Sie studierte in Tübingen, promovierte in Bielefeld und hat sich in Weiterbildungen intensiv mit der hochschuldidaktischen Moderation sowie mit der Schreibdidaktik beschäftigt. Sie lehrte und forschte im hochschuldidaktischen Zentrum in Dortmund, leitete den hochschuldidaktischen Verbund in Baden-Württemberg und war zuletzt in der Programmleitung und Koordination eines bundesweiten Programms zum Ausbau von Ganztagsschulen tätig.

Gibt es Vorbilder?

Bereits in den 70er-Jahren forderte die Bundesassistentenkonferenz eine teilnehmerorientierte Didaktik in der Lehre. Einige Vorreiter in Nordrhein-Westfalen, in Hamburg und auch in Berlin begannen dann, eine solche zu entwickeln. Leider wurde dies wenig systematisch und vernetzt vorangetrieben, so dass im Zuge der Effizienzdiskussion, insbesondere der letzten zehn Jahre, einiges gestrichen wurde. In neuerer Zeit entschied sich im Jahr 2001 Baden-Württemberg als erstes Land, die Lehrqualität systematisch zu verbessern, und gründete ein landesübergreifendes Hochschuldidaktisches Zentrum, das ich auch mit zwei Kolleginnen und Kollegen bis zum Jahr 2005 geleitet habe. Heute werden immerhin Nachweise über didaktische Qualifizierung bei immer mehr Berufungen verlangt. Auch einige Habilitationsordnungen fordern bereits den Nachweis von didaktischen Workshops, so zum Beispiel die medizinischen Fakultäten in Baden-Württemberg.

Wie sieht das Berliner Zentrum aus, was werden die Inhalte sein?

Der Geschäftsbetrieb startet zum 1. Januar 2009. Eingebunden sind alle vier Universitäten der Stadt sowie die zehn staatlichen Fachhochschulen. Das BZHL wird hochschulübergreifende Angebote für bestimmte Zielgruppen, zum Beispiel Neuberufene, machen, aber auch Angebote zu bestimmen Themen, die bislang im Berliner Angebot fehlten. Doch zunächst müssen wir uns – hochschulübergreifend – über die Herangehensweise, die Koordinierung und die konkreten Inhalte einigen. Fragen dafür sind: Was genau brauchen Lehrende? Mit welchem Rüstzeug kommen sie an die Uni? Welche unterschiedlichen Angebote und Weiterbildungsformate gibt es bereits in den beteiligten Institutionen? Für die Klärung dieser Fragen ist ein Lenkungsausschuss zuständig, der aus Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulleitungen und mir besteht. Später werden die Kolleginnen und Kollegen von den Arbeitsebenen, zumindest zeitweise, hinzukommen. Vorsitzende ist die TU-Vizepräsidentin für wissenschaftlichen Nachwuchs, Prof. Dr. Gabriele Wendorf. Außerdem wird es einen wissenschaftlichen Beirat geben, der Vorschläge zur Programmgestaltung berät beziehungsweise weiter- entwickelt. Dessen Mitglieder müssen noch festgelegt werden.

Warum wurde das Zentrum an der TU Berlin angesiedelt?

In allen Berliner Hochschulen gibt es bereits Ansätze, die Lehre zu verbessern. Die TU Berlin kann dabei bereits auf umfangreiche Angebote verweisen. Hinzu kommt, dass an der TU entsprechende Infrastrukturen wie Räumlichkeiten etc. vorhanden waren. Die ehemalige Vizepräsidentin Ulrike Strate, Vorgängerin von Gabriele Wendorf, hat das Thema seit Langem vorangetrieben. Mit Programmen wie "Das Lehren lernen", "Teaching for Universities Best", „Online-Lehre lernen“ oder "Train the Tutor" macht die TU Berlin ein systematisches Angebot.

Was wollen Sie am Ende erreicht haben?

Wir möchten die vier Jahre nutzen, um die Erkenntnisse der modernen Lernpsychologie in der Hochschullehre zu etablieren. Das heißt, wir wollen Lehrende zu einem Perspektivwechsel ermutigen, dem sogenannten "shift from teaching to learning": weg vom Lernstoff – hin zum Lernen und den Lernprozessen der Studierenden. Selbstverständlich wird es neben Workshops zu den Grundlagen viele themenspezifische Workshops geben – von der Labordidaktik über die Planung von Lehrveranstaltungen bis zur Projektarbeit in der Lehre oder zum Prüfen und Bewerten. Wir werden für alle Lehrenden in Berlin – also nicht nur für Professoren, sondern auch für wissenschaftliche Mitarbeiter – Angebote machen, die ihnen Lust auf die Lehre vermitteln, Lust, Dinge auszuprobieren und vorhandene Gestaltungsspielräume zu nutzen. Wir möchten den Lehrenden Mut machen, auch kleinere Veränderungen vorzunehmen, um so die Qualität der Lehre selbst zu verbessern. Insgesamt arbeiten wir damit und durch unsere Arbeit in den Ausschüssen natürlich auch darauf hin, den Stellenwert der Lehre im Berufungskontext zu erhöhen.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 12/2008

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