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TU Berlin

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Genderforschung für die Lehre

Frauen lernen anders als Männer

Freitag, 15. Februar 2008

An der TU Berlin hat sich ein großer Fundus an Wissen zu Gender-Fragen entwickelt, der auf die Lehre angewendet werden soll

Eule, Logo der "Offensive Wissen durch Lernen"
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Mit dem Programm "Offensive Wissen durch Lehre" (OWL) soll an der TU Berlin die Lehre verbessert werden. Um das zu erreichen, waren die bewilligten Projekte vom Vizepräsidenten der TU Berlin, Prof. Dr. Jörg Steinbach, beauftragt worden, sich in Gender-Fragen beraten zu lassen. Dies beinhaltet, sowohl die Studentinnen als auch die Studenten in ihrer ganzen Individualität wahrzunehmen und die gesamte Vielfalt von unterschiedlichen Interessen und Erwartungen in die Lehre einfließen zu lassen. Die Zentrale Frauenbeauftragte der TU Berlin, Heidi Degethoff de Campos, empfahl 36 der bewilligten OWL-Projekte für eine solche Beratung, die von Dr. Bettina Jansen-Schulz durchgeführt wurde.

Studentin und Studenten bei der Einführungsveranstaltung des Masterstudiengangs "Geodesy und Geoinformation"
Der weibliche Blick, der männliche Blick auf die Dinge: Die Unterschiedlichkeit schließt ein gemeinsames Studieren keineswegs aus. Studentin und Studenten bei der Einführungsveranstaltung des Masterstudiengangs "Geodesy und Geoinformation"
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Frau Degethoff de Campos, Frau Dr. Jansen-Schulz, warum ist es notwendig, die Lehre unter Gender-Aspekten zu betrachten, um sie verbessern zu können?

Bettina Jansen-Schulz lehrt und berät zu Gender-Aspekte
Bettina Jansen-Schulz lehrt und berät zu Gender-Aspekte in Wissenschaft, Verwaltung und Bildung
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Jansen-Schulz: Frauen lernen anders als Männer, und Männer lernen anders als Frauen. Das ist durch Forschungen belegt. Und wenn dem so ist, dann muss ich als Lehrende und Lehrender in meinen Lehrveranstaltungen diesen Unterschieden Rechnung tragen - sowohl in der Sprache als auch in den Inhalten und Methoden. Lehre ist nur so gut, so gut sie in der Lage ist, die Studierenden individuell zu fördern. Das macht gute Lehre aus.

Heidi Degethoff de Campos, Zentrale Frauenbeauftragte der TU Berlin
Heidi Degethoff de Campos, Zentrale Frauenbeauftragte der TU Berlin
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Degethoff de Campos: Die Erkenntnis, dass Männer und Frauen unterschiedlich lernen und unterschiedliche Fragen an die Lerninhalte und -formen haben, ist, wie gesagt, ja gar nicht neu. Neu ist, diesem "anderen", diesen anderen Interessen, Bedürfnissen und Fragen Beachtung zu schenken. Denn das könnte ja doch eine Bereicherung sein …

Gibt es in jedem OWL-Projekt Beratungsbedarf unter Gender-Aspekten?

Degethoff de Campos: Infrage kamen zunächst nur jene, deren Ziel es war, das Curriculum inhaltlich neu auszurichten. Bei Projekten, denen es um die Anschaffung neuer Geräte ging, wäre eine Gender-Beratung überflüssig gewesen.

War bei den 36 Projekten der Gender-Aspekt in Ansätzen zu erkennen?

Jansen-Schulz: Lediglich bei drei, vier Projekten, ansonsten nicht.

Was heißt individuelle Förderung in der Lehre?

Jansen-Schulz: Das bedeutet, die Lehrinhalte an den Interessen, Erfahrungen und Lebenswelten beider Geschlechter auszurichten, bei der Wahl von Ort, Zeit, Raum, Materialien und Medien die Vorlieben beider Geschlechter zu berücksichtigen. Daran wird deutlich, dass es sich bei “Gender“ nicht um Frauenförderung handelt.

Nun ist aber in den vergangenen Jahren der Anteil von Studentinnen in den Ingenieurwissenschaften besorgniserregend zurückgegangen. Wie sollte ein Studium der Ingenieurwissenschaften aussehen, damit es für Frauen attraktiv ist?

Jansen-Schulz: Frauen legen Wert auf Anwendungs- sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeitsbezüge und auf Interdisziplinarität. Sie möchten wissen, welche beruflichen Chancen sich mit einem Studium verbinden, sind an vielfältigen Lehr- und Lernmethoden interessiert. Sie finden nicht nur die Frage spannend, wie etwas funktioniert, sondern auch, wem neue Technologien nützen. Wenn das in der Lehre berücksichtigt wird, ist ein großer Schritt in Richtung gute Lehre getan. Vorlesungen, in denen nur mit Formeln herumjongliert wird, sind abschreckend für Studentinnen.

Degethoff de Campos: … und für Studenten auch. Auch sie kommen doch mit den kaum bis gar nicht didaktisch aufbereitete Lehrveranstaltungen immer weniger zurecht.

Welches Ziel verfolgt die TU Berlin mit ihrem Vorhaben, die Lehre zu verbessern?

Degethoff de Campos: Sie will die Abbrecherinnen- und Abbrecherquote senken und insbesondere mehr Frauen für ein Technikstudium interessieren. Angesichts des Mangels an Fachkräften bleibt in der Region Berlin-Brandenburg zu viel Potenzial brach liegen.

Was ist nach dieser ersten Beratung, die zwischen Juni und Oktober 2007 stattfand, erreicht worden?

Jansen-Schulz: Inzwischen wurden in alle 36 Projekte Gender-Aspekte eingearbeitet. Die entwickelten Gender-Konzepte werden demnächst auf einer Homepage zusammengestellt, damit dieser enorme Fundus an Gender-Wissen, der in den OWL-Projekten nun zu finden ist, allen zugänglich und durch Vernetzung weitergetragen wird. Die Ernsthaftigkeit und die Kreativität, mit denen die Projektverantwortlichen die Anregungen und Ideen aus den Beratungen umsetzten, haben uns sehr beeindruckt.

Das Gespräch führte Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 2-3/2008

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