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TU Berlin

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Studium & Lehre

Forschung in Berlins Unterwelt

Montag, 14. Juli 2008

Studierende untersuchen Schienen im U-Bahn-Tunnel

U-Bahn
Wie gut sind die Schienen gedämpft? Erst nach Betriebsschluss können die Studierenden ihre Messungen vornehmen
Lupe

Der Bahnsteig am U-Bahnhof Zoologischer Garten ist fast leer. Ganz hinten stehen einige junge Menschen in quietschorangefarbenen Warnwesten. Sie lauschen zwei Männern mit ernster Miene. "Wir gehen in den Tunnel, sobald der Betriebsstrom ausgeschaltet ist", sagt der eine gerade. Betriebsstrom. Stromschiene. Tunnel. Da hat sich Prof. Dr.-Ing. Markus Hecht für seine Studierenden des Fachgebiets Schienenfahrzeuge einen Praxisteil mit Spannung ausgedacht.

Die neue Lehrveranstaltung "Messungen an Fahrzeugen und Fahrwegen im Schienenverkehr - Theorie und Praxis" wirft auch Fragen auf, die nicht sehr wissenschaftlich sind: Welche Tiere mögen uns wohl in der Unterwelt begegnen? Mäuse? Größere Tiere? Und wäre es nicht viel gesünder, nachts um 1.30 Uhr im Bett zu liegen?

Lupe

Um 1.31 Uhr gibt der BVG-Mann sein "Okay" und für uns gibt es kein Zurück: Wir klettern vorsichtig zum Gleis hinunter und laufen im Gänsemarsch die Schwellen in Richtung Wittenbergplatz entlang. Nichts berühren, im Fall des Falles in die Mitte retten. Zum Glück ist der Tunnel beleuchtet, und Tiere mit langem, nacktem Schwanz sind nicht zu sehen. Die Studierenden packen ihre Geräte aus und beginnen, in Dreiergruppen aufgeteilt, mit ihren Messungen. Sie wollen unter anderem herausfinden, wie gut die Schienen gedämpft sind. "Wir untersuchen das Abklingverhalten der Schiene, in dem wir in definierten Abständen mit einem Hammer darauf- schlagen und gleichzeitig messen, wie viel Schwingung am Anfangspunkt ankommt", erläutert Dipl.-Ing. Christian Mängel, der Dozent der integrierten Veranstaltung. 66 Schwellen (die jeweils 60 Zentimeter auseinanderliegen) müssen die Studierenden insgesamt ablaufen, um in immer größeren Abständen Punkte mit Kreide an der Schiene zu markieren. An diesen Punkten werden dann jeweils vier Hammerschläge von der Seite und vier Hammerschläge von oben ausgeführt - möglichst mit dem gleichen Kraftaufwand. Der Hammer ist verkabelt, ebenso wie die Schiene. Am Computer werden die Messdaten, beispielsweise die Schlagkraft des Hammers, aufgezeichnet.

Es ist brütend heiß im Tunnel. Immerhin - es dreht sich niemand mehr beim kleinsten Geräusch um. Bei dem Lärm, den wir hier veranstalten, haben sich die pelzigen Mitgeschöpfe längst in ruhigere Tunnelabschnitte zurückgezogen. Ganz bestimmt. Die zweite Gruppe Studierender untersucht auf einem Meter Schienenlänge, wie rau die Schienen sind. Dazu wird das Querprofil der Schiene per Hand mit einem verkabelten Stift abgetastet, auf dem Bildschirm erscheint das Querprofil als feine Linie, zum Teil mit winzigen Unregelmäßigkeiten. "Das sind Abnutzungserscheinungen", erläutert Fachgebietsleiter Prof. Dr.-Ing. Markus Hecht. Schienen müssen regelmäßig geschliffen werden, um unnötige Lärmbelästigung einzudämmen und den Komfort für die Fahrgäste zu verbessern. Eine dritte Gruppe hat inzwischen die Spurweite der Schienen vermessen. Gegen 3 Uhr mahnen die BVG-Mitarbeiter zum Aufbruch. Es dauert einige Zeit, bis das empfindliche Untersuchungsgerät wieder verpackt und sicher aus dem Tunnel geborgen ist. Draußen ist es noch dunkel, die frische Luft vertreibt den Geruch nach Öl und Staub aus der Nase. Ein Königreich für eine Dusche!

Andrea Puppe / Quelle: "TU intern", 7/2008

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