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TU Berlin

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Studium & Lehre

Dürfen Wissenschaftler nur noch Englisch sprechen?

Montag, 19. Mai 2008

Arbeitskreis wirbt für Pflege und Weiterentwicklung auch der deutschen Sprache

"Der Gebrauch einer Einheitssprache, gerade in der Wissenschaft, bedeutet geistige Verarmung", sagt Privatdozent Dr. Hermann H. Dieter. Der Biochemiker und Trinkwassertoxikologe am Umweltbundesamt gibt an der TU Berlin als Gastdozent die Lehrveranstaltung "Toxikologie für Chemiker". Neben seiner Berufs- und Lehrtätigkeit streitet er aber auch für Deutsch als Wissenschaftssprache. Er glaubt nicht an die These der "Anglisierer", dass man nur wahrgenommen werde, wenn man auf Englisch publiziere. "Im Gegenteil", sagt er, "ich halte diese Ansicht für riskant." Deutschland als "Land der Ideen" werde jedenfalls besser wahrgenommen, wenn "seine Ideen an erster Stelle landessprachliche Namen bekämen. Nur dann bleiben wir mit unseren Leistungen in einer globalisierten Welt identifizierbar."

Zunehmend lasse man, so beobachtet Dieter besorgt, selbst im inländischen Wissenschaftsalltag und auf nationalen Tagungen nur noch Englisch zu, selbst bei geringer oder nicht vorgesehener internationaler Präsenz. "Jeder Wissenschaftler muss natürlich seine Ergebnisse auch in internationalen englischsprachigen Zeitschriften präsentieren, doch die Möglichkeit, stilistisch zu nuancieren, bietet nur die Muttersprache. Wer über sie verfügt, bestimmt zum Beispiel über Verlauf und Ergebnis von Diskussionen."

Mit einigen Mitstreitern gründete er daher im Januar 2007 den "Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache" mit bereits vielen Befürwortern. Bei den großen Wissenschaftsorganisationen wie Deutsche Forschungsgemeinschaft, Hochschulrektorenkonferenz, Deutscher Akademischer Austauschdienst und in den Kultusministerien stößt er erst teilweise auf offene Ohren. Zu stark scheinen die Ängste, im Chor der Englischsprachigen nicht gehört zu werden, als provinziell zu gelten oder die Autonomie der Wissenschaft zu beschneiden. Mitunter wird sogar behauptet, auch in Forschung und Lehre entwickle sich die Sprache quasi natürlich. "Wir dürfen nicht auf die eigene Sprache verzichten. Wir benötigen den Alltagsmenschen und sein gesellschaftliches Umfeld als Ressource - nicht nur für Geld, sondern auch für neue Fragen, Antworten und Blickwinkel", sagt Dieter. Die Preisgabe der Landessprachen führe dagegen - wie früher das Wissenschaftslatein - zu scholastischer Erstarrung. In sieben Thesen fordert er ein Umdenken, in Lehre, Forschung und in der Schule.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 5/2008

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