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TU Berlin

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Internationales

Technische Universität Berlin unter Palmen

Montag, 14. Juni 2010

Die TU Berlin richtet deutschen Campus im ägyptischen El Gouna am Roten Meer ein

So wird der El Gouna Campus der TU Berlin eines Tages aussehen (Animation)
Lupe

"Viel wird über die Pflege von Alumni geredet, darüber, wie man sie anregen kann, später Verantwortung für die Universität zu übernehmen – hier kam die Initiative vom Alumnus Samih Sawiris selbst und es ist ein einmaliges Projekt daraus geworden." Mit diesen Worten leitete Prof. Dr. Dr. h. c. Kurt Kutzler, Altpräsident der TU Berlin, Anfang Mai 2010 die öffentliche Präsentation einer einzigartigen Public Private Partnership im Bereich Bildungsexport ein: Die Technische Universität Berlin richtet in Ägypten einen Satellitencampus als wissenschaftliche Außenstelle ein. In einer Non-Profit Public Private Partnership (PPP) sollen deutsche Dienstleistungen der TU Berlin auf dem Campus im ägyptischen El Gouna am Roten Meer angeboten werden. Drei Masterstudiengänge wurden dafür von der TU Berlin eingerichtet. Damit ist sie die erste deutsche Universität, die in Ägypten Studiengänge anbietet, die sowohl inhaltlich als auch strukturell ausschließlich deutscher Hochschulgesetzgebung und damit der besonderen deutschen Qualitätssicherung unterliegen. Es sei der erste Ort, so Kutzler, wo Ingenieure in Afrika nach vollkommen unverfälschtem deutschem Standard ausgebildet würden.

Dank des Engagements von TU-Alumnus Samih Sawiris, der von 1976 bis 1980 an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studierte, wird der neue Campus komplett über Drittmittel finanziert. Derzeit werden dort, auf einem Gelände von 10 000 Quadratmetern, neben einem Audimax eine Bibliothek sowie sieben weitere Seminar-, Büro- und Laborgebäude errichtet. Nach den Kostenrichtwerten für den Hochschulbau von 2008 beträgt der Wert des Gebäudekomplexes samt Ausstattung rund 38 Millionen Euro, so rechnete Kurt Kutzler vor. Er ist einer der Initiatoren des Projektes, der sich jahrelang dafür engagiert hat.

Mit Beharrlichkeit und Einsatz sind in den letzten Jahren manche Hürden überwunden worden. "Ich bin sicher, wenn Präsident Kutzler das Projekt nicht so nachhaltig unterstützt hätte, es nicht über Jahre zur ,Chefsache‘ gemacht hätte, wären wir das eine oder andere Mal sowohl an deutscher als auch an ägyptischer Bürokratie gescheitert", erklärte Alumnus und Financier Samih Sawiris.

Auch der TU-Präsident, Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, hat sich die zukünftige Unterstützung auf die Fahne geschrieben: "Das bislang weltweit einzigartige PPP-Projekt im Bereich ,Bildungsexport‘ bereichert die Internationalisierungsstrategie der TU Berlin mit einem besonderen Leuchtturmprojekt und eröffnet der Universität und dem Land Berlin einen idealen Zugang zu Forschungsaufgaben und -vorhaben in der sogenannten MENA-Region, dem Nahen Osten sowie Nordafrika. Hier kann man mit neuen Projekten direkt vor Ort zeigen, was nachhaltig ist und was nicht."

"Es war immer mein Traum, dass noch mehr meiner Landsleute in den Genuss einer solch fundierten Ausbildung kommen sollten, wie ich sie an der TU Berlin genossen habe", erklärte Samih Sawiris, wie er im Jahr 2006 auf die Idee kam, dem damaligen Präsidenten Kurt Kutzler das Projekt "El Gouna Campus" vorzuschlagen. Am Geld sollte es nicht scheitern. Als Unternehmer – er steht der Orascom Hotels und Development (OHD) vor, die zur Orascom-Gruppe gehört – ist Samih Sawiris heute einer der reichsten Männer Ägyptens. Die Orascom-Gruppe entwickelt aktuell unter anderem etwa 20 Standorte beziehungsweise Tourismusregionen, darunter Andermatt in der Schweiz und das englische Cornwall.

Ägyptens Lebensraum konzentriert sich seit prähistorischen Zeiten auf das Niltal und damit auf nur circa fünf Prozent der gegenwärtigen Staatsfläche. Das schnelle Wachstum der ägyptischen Bevölkerung erfordert die Erschließung neuer Flächen als Lebensräume. Auf die dafür notwendigen Bereiche konzentrieren sich daher auch Forschung und Lehre des neuen Zentralinstituts "El Gouna Campus", zumal es in der gesamten Region des Mittleren Ostens und Nordafrikas ähnliche Probleme gibt.

Grundvoraussetzung für eine weitere Entwicklung ist eine ausreichende Wasserversorgung. Diese wiederum erfordert eine ausreichende Energieverfügbarkeit. Absolventen der drei zunächst eingerichteten Studiengänge (siehe Artikel "Die drei neuen Masterstudiengänge") werden besonders qualifiziert sein, bei der Lösung dieser Grundprobleme mitzuwirken: Gewinnung von Energie aus den unbegrenzt vorhandenen Ressourcen Sonne und Wind sowie Erschließung von Trinkwasser durch Entsalzung und Recycling. Die aktuellen Fragen der Gestaltung von ländlichen und urbanen sowie sozialen und technischen Infrastrukturen, die durch die wachsende Gesellschaft entstehen, müssen von der Stadtentwicklung und -planung gelöst werden.

Und auch die Rechtsform ist abgesichert. Anfang 2010 beschlossen die Gremien der TU Berlin die Eingliederung des "Campus El Gouna" in die Hochschule in der Rechtsform eines Zentralinstitutes. Eine Vereinbarung zwischen dem ägyptischen Ministerium für Hochschulbildung und Forschung, der Berliner Senatswissenschaftsverwaltung und der TU Berlin ermöglicht den Betrieb in Ägypten nach dem Berliner Hochschulgesetz sowie den Privilegien und den Zielen des Deutsch-Ägyptischen Kulturabkommens von 1960. Das Zentralinstitut wird alle Funktionen einer Fakultät und damit die Zuständigkeit für die wichtigsten akademischen Entscheidungen besitzen. Die Studierenden werden nach deutschem Recht an der TU Berlin immatrikuliert und sind damit TU-Studierende. Für die Lehrenden und Forschenden gelten das deutsche Arbeits- und Besoldungsrecht sowie die Tarifverträge der TU Berlin. Zunächst entstehen damit rund 30 neue Arbeitsplätze. Ein entsprechender Kooperationsvertrag zwischen der TU Berlin und dem ägyptischen Unternehmen Orascom garantiert der TU Berlin die akademische und administrative Unabhängigkeit der Universität.

Hocherfreut sind auch Behörden und Verbände in beiden Ländern. Der Berliner Senat hat das gesamte Konstrukt abgesegnet, der Wissenschaftssenator Prof. E. Jürgen Zöllner blickt äußerst zufrieden in die bildungspolitische Zukunft seiner Stadt: "Der TU Berlin ist ein Qualitätssprung gelungen. Nicht nur sie, der gesamte Wissenschaftsstandort Berlin wird von diesem Motor für die Wissenschaft profitieren." Und die ägyptische Regierung ist voll des Lobes, das stellvertretend der Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy äußert: "Dieses Projekt hat eine ganz besondere Bedeutung für die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ägypten in Bildung und Forschung. Vor allem bin ich glücklich, zu wissen, dass die neue Organisation Angebote in lebenswichtigen Entwicklungsbereichen unseres Landes bereithalten wird."

stt/pp / Quelle: "TU intern", 6/2010

Weitere Informationen, Fotogalerien und die Ansprechpartner zum Projekt finden Sie unter

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