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TU Berlin

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Internationales

25 Informatiker für Afghanistan

Montag, 19. April 2010

Wie die TU Berlin die dringend notwendige IT-Ausbildung für das Land am Hindukusch fördert

Mit gut ausgebildeten Informatikern soll Afghanistan den Anschluss an die moderne Welt finden
Lupe

25 afghanische Masterstudierende von sechs Universitäten Afghanistans (Kabul, Polytechnikum Kabul, Herat, Balkh, Kandahar, Nangarhar) haben Mitte März ihre Masterarbeiten an der TU Berlin vorgestellt. Die Arbeiten entstanden im Rahmen eines Sonderprogramms der Fakultät IV Elektrotechnik und Informatik und wurden vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und von der Weltbank finanziert. TU intern sprach mit dem Leiter des Zentrums für internationale und interkulturelle Kommunikation (ZiiK) der Fakultät, Dr.-Ing. Nazir Peroz. Er stammt aus Afghanistan und hat das Programm grundlegend mitgestaltet.

Herr Peroz, warum engagiert sich die TU Berlin für die Entwicklung der Informationstechnologie in Afghanistan?

Nazir Peroz
Lupe

Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Informatik und Entwicklungsländer" beschäftigen wir uns seit 20 Jahren mit der Frage des Informatik-Einsatzes in der Entwicklungszusammenarbeit bezüglich interkultureller Kompetenz. Nach dem 11. September 2001 richteten wir unseren Fokus auch auf Afghanistan. 2002 besuchte der Präsident der Universität Kabul die TU Berlin. Er machte auf die Notwendigkeit des Einsatzes von Informationstechnologien in Afghanistan aufmerksam.

Wie sah es damals, kurz nach dem Krieg, in Afghanistan an den Hochschulen aus?

Die afghanischen Universitäten wurden während der kriegerischen Auseinandersetzungen stark beschädigt. So war zum Beispiel die Infrastruktur der Universität Kabul komplett zerstört: Die Gebäude auf dem Campus hatten weder Strom noch Wasser. Ein Lehrbetrieb war fast unmöglich.

Was sind nach wie vor die größten Probleme, die dem Aufbau eines IT-Netzwerkes im Wege stehen?

An den afghanischen Hochschulen fehlt Grundlegendes: Es mangelt an einer stabilen Stromversorgung, funktionaler Gebäudetechnik für den IT-Einsatz, soliden Netzwerkstrukturen der einzelnen Hochschulen und bedarfsorientierten PC-Pools an den Fakultäten.

Für die neue Technik sind auch Spezialisten vor Ort gefragt …

Unser Ziel ist es, dass die Hochschulen mit kurz- und langfristigen Programmen unterstützt werden. Schwerpunkte sind eine anwendungsorientierte Ausbildung des Personals, eine reguläre Masterausbildung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ganz wichtig ist auch die Ausbildung von Experten für Führungsaufgaben zunächst im Bereich Computer Science. Für die Universität Herat, wo auf Initiative der TU Berlin eine Fakultät für Computer Science eingerichtet wurde, haben wir ein IT-Curriculum entworfen. Noch werden 300 Bachelorstudierende dort von deutschen Dozenten unterrichtet. Aber bald werden die 25 Masterstudierenden an ihren Heimatuniversitäten für die Lehre verantwortlich sein.

Nach welchen Kriterien wurden die Masterarbeiten ausgewählt?

Wir haben gemeinsam mit dem Ministerium für Höhere Bildung und den sechs afghanischen Universitäten die aktuellen Bedürfnisse im Bereich IT analysiert und 25 konkrete Projekte vertraglich festgelegt. So erarbeitete einer der Studierenden zum Beispiel eine nationale IT-Richtlinie, die zeigt, dass der Informationstechnologie künftig eine Priorität in der höheren Bildung eingeräumt werden muss und dass das afghanische Ministerium für Höhere Bildung die Maßnahmen koordinieren sollte. Ein anderes Projekt macht deutlich, wie wichtig ein einheitlicher, eigener Lehrplan für die Studierenden ist. Andere haben Datenbanken und Informationssysteme für die verschiedenen Bereiche der Verwaltungen und Behörden entwickelt.

Wie schätzen Sie den Erfolg des Programms ein?

Die 25 Masterabsolventen, acht von ihnen Frauen, sehen wir als Motoren für die Entwicklung der Informationstechnologie in Afghanistan. Voraussetzung ist, dass die afghanische Regierung sie als wichtigstes Instrument der akademischen Strukturen versteht. Die Geberländer sollten weiterhin solche Programme unterstützen, damit der Mangel an Fachkräften wie Informatikern und Wirtschaftsinformatikern in Afghanistan bekämpft wird. Denn allein bis zum Jahr 2020 werden mindestens weitere 500 Master- und etwa 50 PhD-Absolventen benötigt.

Das Gespräch führte Andrea Puppe. / Quelle: "TU intern", 4/2010

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