direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Internationales

Solarstrom für Balanka

Mittwoch, 17. Juni 2009

Eine Bibliothek und eine Photovoltaikanlage ermöglichen Kindern in einem westafrikanischen Dorf den Zugang zu Bildung

Koko N’diabi Affo-Tenin ist stolz auf die neue Solaranlage
Koko N’diabi Affo-Tenin ist stolz auf die neue Solaranlage auf dem Dach der Bibliothek im togoischen Balanka, die von deutschen Technikern, Schülern und Studierenden installiert wurde
Lupe

"Bildung ist der erste Schritt, seine Träume zu verwirklichen", steht als Motto über der Website des Vereins "Bildung für Balanka e.V.". Koko N’diabi Affo-Tenin hat das getan. Die heute 50-Jährige hat mit 13 Jahren das Leben in die eigene Hand genommen, ist vor einer drohenden Zwangsheirat aus ihrem Dorf im westafrikanischen Togo in die große Stadt geflohen, konnte mithilfe einer Tante in die Schule gehen und sogar Abitur machen.

Zum Studium der Betriebswirtschaftslehre ist sie nach Deutschland gekommen. Hier betreibt sie heute mit ihrem deutschen Mann ein kleines Unternehmen und unterstützt nun die Kinder in ihrer Heimat.

Koko N’diabi Affo-Tenin
Koko N’diabi Affo-Tenin
Lupe

"Ich war damals das einzige Mädchen aus meinem Dorf, das Abitur gemacht hat. In den folgenden dreißig Jahren hat es nach mir keine mehr geschafft", sagt sie. Jahrelang hat sie einige Kinder in ihrem Heimatdorf Balanka unterstützt, damit diese überhaupt zur Schule gehen können. "Da fehlt es oft nur an so wenigem", sagt die quirlige Afrikanerin. "Die 50 Euro jährlich für Schuluniform, ein paar Hefte und Bücher, die für den Schulbesuch unerlässlich sind, können sich die Familien nicht leisten, schon gar nicht für Mädchen."

1999 gründete sie schließlich einen Verein, um mehr Kinder in die Schule schicken und damit einen Beitrag zur langfristigen ökonomischen und sozialen Entwicklung der Menschen von Balanka und der ganzen Region leisten zu können. Sie warb in Vorträgen, auf Festen und Infoständen. Der Verein kümmert sich nun auch um Aufklärungsarbeit, die Eltern von der Bedeutung von Bildung überzeugen und sie motivieren soll ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Die Vereinsgründung war nun auch der Startschuss für ein ganz großes Projekt, das wichtigste bisher, das sie mit Fördergeldern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und mithilfe ihrer Kontakte zur TU Berlin verwirklichen konnte: den Bau einer kleinen, 350 Quadratmeter großen, zweistöckigen Bibliothek, an dem das ganze Dorf mitwirkte, und schließlich deren Stromversorgung aus einer Solaranlage. So können nicht nur die Kinder - die wenigsten haben zu Hause einen Platz zum Lernen - in den Abendstunden, nach Haus- und Feldarbeit, noch in der Bibliothek arbeiten, es können auch weiterbildende Abendkurse und Aufklärungsarbeit stattfinden. Strom gab es nämlich bisher nicht.

"Die Unterstützung für dieses Projekt war eigentlich das Ergebnis eines wunderbar funktionierenden Netzwerks", sagt Prof. Dr. Frank Behrendt, Sprecher des Innovationszentrums Energie der TU Berlin. Er war von TU-Kunstgeschichte-Professor Adrian von Buttlar aufmerksam gemacht worden und hatte sich dann seinerseits an das IZE-Beiratsmitglied Dr. Clemens Triebel von der TU-Alumnifirma Solon Laboratories AG sowie an Busso von Bismarck, TU-Alumnus, Solon-Projekt-Ingenieur und Kuratoriumsmitglied der Reiner Lemoine-Stiftung, gewandt. Insbesondere die Materialspenden und die Transportkostenübernahme der Solon AG sowie die Förderung durch die Stiftung ermöglichten schließlich den Aufbau in Balanka durch mehrere Ingenieure, Techniker, Schüler und Studierende.

"Mit der Solaranlage, die Ende des vergangenen Jahres auf dem Dach der Bibliothek installiert und in Betrieb genommen wurde, um Beleuchtung, Computer und Handy-Ladestation zu versorgen, ist Balankas Bibliothek auf diesem Gebiet nun völlig autark und erzielt aus der Handy-Ladestation sogar eine kleine Einnahme. Der Elektriker des Dorfes kümmert sich um Instandhaltung und Wartung." Das Projekt erregte in Togo so viel Aufsehen, dass zur Einweihung sogar der Minister für Kommunikation und Kultur sowie weitere Politiker des Kantons Balanka erschienen. Zwei Praktikantinnen kümmern sich ein Jahr lang um den Aufbau eines Informationssystems. "Wir würden uns freuen, wenn uns noch mehr Leute unterstützen würden, um weitere Kleingruppenkonzepte umzusetzen und das Angebot für Schule und Bibliothek weiter zu entwickeln", sagt Koko N’diabi Affo-Tenin und weist darauf hin, dass einige Vereinsmitglieder ebenfalls aus Balanka kommen. Sie sorgen dafür, dass die Spenden in Form von Geld oder Schulmaterial schnell und unbürokratisch den Dorfkindern zugutekommen. "Reisen und die niedrigen Verwaltungskosten zahlen wir aus eigener Tasche. Spenden kommen also zu 100 Prozent bei den Kindern an."

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 6/2009

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.