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TU Berlin

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Internationales

Rein wirtschaftliche Interessen

Montag, 14. Juli 2008

Zwölfjähriges Abitur und ein dreijähriger Bachelor - im Ausland anerkannt?

Karl-Josef Maxeiner
Karl-Josef Maxeiner, Referent im Sekretariat der Kultusminister- konferenz
Lupe

In Deutschland geht das Gerücht um, dass deutsche Studierende mit einem zwölfjährigen Abitur und einem dreijährigen Bachelor in den USA ein Problem bekommen, wenn sie dort den Master absolvieren möchten. Zwölf Jahre Abitur und drei Jahre Bachelor seien als Qualifikation für einen Master nicht ausreichend, so das Argument. TU intern sprach mit Karl-Josef Maxeiner, Referent der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen im Sekretariat der Kultusministerkonferenz und dort zuständig für Nordamerika und Frankreich.

Herr Maxeiner, was ist dran an dem Gerücht?

Das ist kein Gerücht. Das ist eine Nachricht. Letztlich ist es nur ein weiterer Versuch, es dem dreijährigen Bachelor schwer zu machen. In den USA erwirbt man den Bachelor nach vier Jahren. Ohne genau hinzuschauen, was sich inhaltlich hinter dem dreijährigen Bachelor verbirgt, argumentiert manche US-Hochschule rein formal: Mit der Verkürzung der Schulzeit werde der Bachelor in Deutschland nicht mehr nach 16 Jahren wie in den USA, sondern nur noch nach 15 Jahren erworben. Das genügt der einen oder anderen Hochschule nicht. Man muss aber wissen, dass sich hinter dieser Haltung ausschließlich wirtschaftliche Interessen verbergen.

Welche denn?

Die Hochschulen in den USA sind entweder privatwirtschaftlich organisiert oder sie werden durch den Staat mit Krediten gefördert. Sie müssen also profitabel agieren und Geldquellen am Sprudeln halten. Dazu gehören auch Studiengebühren. Ein Beispiel: Würden die Hochschulen in den USA den deutschen oder europäischen Bachelor ohne Wenn und Aber anerkennen, bestünde die Gefahr, dass potenzielle Studenten aus den Ländern Südamerikas oder Asiens ihren Bachelor künftig in Europa ablegen, wo sie nichts bezahlen müssen. Damit brächten sich die Hochschulen in eine nachteilige Position. Dass sie das nicht tun werden, liegt auf der Hand.

Um welche Größenordnung handelt es sich eigentlich? Sind es zehn Studierende, sind es hundert, die diese negative Erfahrung machen? Der Direktor des New Yorker Büros des Deutschen Akademischen Austauschdienstes spricht davon, dass es "gelegentlich Probleme" bei der Anerkennung gebe. Das klingt nicht danach, dass Gefahr im Verzug sei. Außerdem ergab eine Befragung des "Council of Graduate Studies" unter US-Universitäten, dass 2005 noch 29 Prozent der Hochschulen den dreijährigen Bachelor ablehnten. 2006 waren es nur noch 18 Prozent.

Was soll einen an diesen 18 Prozent freudig stimmen, wenn das Ziel der Bologna-Reform war, weltweit anerkannte Abschlüsse zu kreieren? Das Problem ist, dass man zu keiner verlässlichen Aussage hinsichtlich der Situation in den USA kommen wird, weil die Anerkennung eine Frage der Konjunktur ist. Sind die Masterstudiengänge überlaufen, gibt man sich streng, wenn nicht, wird man es sich überlegen, Studierende aus formalen Gründen abzulehnen. Hinzu kommt, dass keinerlei rechtliche Verpflichtung besteht, den dreijährigen Bachelor anzuerkennen. Niemand kann die US-amerikanischen Hochschulen zwingen. Sie sind in ihren Entscheidungen absolut autonom.

Und was bedeutet diese diffuse Situation für einen Studierenden?

… dass es nicht stimmt, mit einem Bachelor automatisch einen international anerkannten Hochschulabschluss in der Tasche zu haben. Wer sich in den USA bewirbt, muss unter Umständen auf ein langwieriges bürokratisches Verfahren gefasst sein, oder er achtet darauf, dass er sich an einer Hochschule bewirbt, die mit einer deutschen ein Austauschprogramm abgeschlossen hat. Da ist die Anerkennung der Abschlüsse gewährleistet.

Dennoch ist mit der Einführung des Bachelor eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse geschaffen worden.

Ein Irrglaube: Indem auf alles Bachelor geschrieben wurde, ist die Trennschärfe mehr und mehr verloren gegangen. Das ist ja die Crux: Da niemand mehr weiß, was sich hinter den Tausenden von Bachelorgraden verbirgt, flüchtet sich eben manche Hochschule in eine formale Herangehensweise und zählt lediglich zwölf Jahre plus drei Jahre zusammen. Das ergibt dann nicht die erforderlichen 16 Jahre und der Absolvent hat Pech gehabt.

Das Gespräch führte Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 7/2008

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