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Gemeinsame Projekte anstoßen, tiefe Freundschaften knüpfen

Montag, 17. November 2008

Was sich der chinesische Forschungsminister WAN Gang von der TU Berlin und von den chinesischen Studierenden wünscht

WAN Gang hat langjährige Erfahrungen in der deutschen Industrie
WAN Gang hat langjährige Erfahrungen in der deutschen Industrie
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Am 13. Oktober verlieh die TU Berlin an den chinesischen Wissenschaftsminister und Ingenieur WAN Gang die Ehrendoktorwürde (siehe auch Artikel "Ehrendoktor für Minister aus China"). TU intern fragte den Deutschlandkenner, welche Wünsche und Erwartungen er für die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern hegt.

Herr Minister, Sie haben 15 Jahre lang in Deutschland gelebt, gearbeitet und Karriere gemacht. Was war Ihr Hauptanliegen für Ihr Land, als Sie im Jahr 2000 nach China zurückkehrten?

Ich habe von 1985 bis Ende 2000 in Deutschland gelebt. Zunächst war ich fünf Jahre lang an der TU Clausthal, um zu promovieren, und anschließend mehr als zehn Jahre bei dem Fahrzeughersteller AUDI als Ingenieur. Es war für mich eine sehr wertvolle Zeit, in der ich nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse sowie das Können eines Ingenieurs erworben habe, sondern auch die deutsche Gesellschaft und Kultur kennenlernen konnte. Ich bin nach China zurückgekehrt, um einerseits dort Professor zu werden und mein Wissen und Können dort weiterzugeben. Andererseits bot mir das chinesische Forschungsministerium die Möglichkeit, als Leiter des größten landesweiten Projekts für die Entwicklung von Elektro- beziehungsweise Brennstoffzellenfahrzeugen zu arbeiten. Die Jobs als Präsident der Tongji-Universität und später als Forschungsminister waren zunächst nicht geplant.

Sie waren dann maßgeblich an der Entwicklung eines umweltfreundlichen Brennstoffzellenautos beteiligt, das die Welt von der industriellen Leistungsfähigkeit Chinas überzeugt und sie gleichermaßen in Erstaunen versetzt hat. Es laufen weitere Projekte zu elektrischen, Hybrid- und Erdgasfahrzeugen. Wird die Automobilindustrie Chinas Zukunft sein?

Während der Olympischen Spiele in Peking haben wir mit 500 verschiedenen elektrischen Fahrzeugen den zentralen Olympiapark mit einer Fläche von 3,8 Quadratkilometern zu einer “Null-Emissions-Zone“ gemacht. Hierbei kamen auch 20 Brennstoffzellenautos von der Tongji-Universität und von Volkswagen Schanghai zum Einsatz. Die Olympische Kommission hatte entsprechende Dienstfahrzeuge, mit denen sie sehr zufrieden war, besonders mit der "Null-Emission". Zu den elektrischen Fahrzeugen gehören solche mit Batteriebetrieb wie auch Hybrid- und Brennstoffzellenautos, deren Einsatzmöglichkeiten unterschiedlich sind. Nach der Olympiade werden wir nun in zehn Städten mit jeweils 1000 elektrischen Bussen oder Taxis die Möglichkeiten für den öffentlichen Verkehr demonstrieren. Hierbei werden hauptsächlich Hybrid-fahrzeuge eingesetzt. Dies ist auch eine wichtige Maßnahme, um den inneren Verkehr zu stimulieren. Ich denke, die Entwicklung energiesparender und abgasminimierender Fahrzeuge ist die wichtigste Aufgabe der weltweiten Automobilindustrien. Damit ist sie auch die Zukunft der Autmobilindustrien der Welt.

Welche Rolle spielt der Wissenstransfer aus Europa und speziell aus Deutschland für die Ausbildung der Ingenieure der Zukunft?

Wir sind jetzt im dreißigsten Jahr der Öffnung und Reform. In diesen 30 Jahren haben viele chinesische Studierende und Wissenschaftler in Europa studiert und geforscht, ein großer Teil davon in Deutschland. Sie haben nicht nur wissenschaftliche und technische Kenntnisse mit nach Hause genommen, sondern auch die Kultur und Arbeitsphilosophie. Ich bin Deutschland dafür sehr dankbar und wünsche mir, dass in Zukunft noch viel mehr Austausch zwischen Europa und China stattfindet und viel mehr europäische, speziell deutsche Wissenschaftler und Studierende nach China kommen, um viele gemeinsame Forschungsprojekte durchführen zu können.

Wo sehen Sie denn den konkreten Qualifizierungsbedarf des wissenschaftlichen Nachwuchses?

Auf beiden Seiten sind Kreativität und Innovation für den wissenschaftlichen Nachwuchs von besonderer Bedeutung. Die chinesischen Studierenden sollen die Möglichkeit nutzen, die praktischen Kenntnisse mit Ihrer Theorie zu verbinden. Und auch für die deutschen Studierenden ist es sehr wichtig, die Kultur und Praxis anderer Länder kennenzulernen.

Was verbinden Sie dabei mit deutscher Expertise?

Ich möchte gern, dass die Studierenden lernen, wie man Probleme erkennen und analysieren kann, wie man dann Lösungen findet und diese umsetzt. Dafür sind die Denkweise, die Methodik und die Erfahrungen aus der industriellen Praxis sehr wichtig.

Die TU Berlin ist eine sehr internationale Universität mit dem höchsten Ausländeranteil bei den Berliner Universitäten. Studierende aus China bilden dabei inzwischen den zweithöchsten Anteil. Was wünschen Sie sich für diese Landsleute und was wünschen Sie sich von ihnen?

Ich wünsche mir, dass unsere jungen Studierenden nicht nur fleißig lernen, sondern auch die Chance nutzen, die Geschichte, Kultur und auch das soziale, bürgerliche Leben in Berlin kennenzulernen. Die TU Berlin ist eine weltweit berühmte Universität. Hier finden viele hochklassige wissenschaftliche Konferenzen, Seminare und Vorträge statt, hier kann man auch viele Studierende und Professoren aus aller Welt treffen. Ich wünsche mir, dass meine Studierenden nicht nur mit einer Urkunde und mit den besten Zeugnissen nach Hause kommen, sondern auch noch mit kulturellen, sozialen Kenntnissen und mit vielen tiefen Freundschaften.

In Ihrer Amtszeit als Präsident der Tongji-Universität in Schanghai entwickelten sich zahlreiche Kooperationen mit der TU Berlin: unter anderem das Doppel-Masterprogramm Urban Design in der Architektur, die Eröffnung des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs zur Ausbildung des Managementnachwuchses in den Wirtschaftswissenschaften und der Verkehrsplanung oder Projekte für die Planung der EXPO 2010 in Schanghai. Welche Wünsche für die Zukunft verknüpfen Sie mit der Kooperation mit der TU Berlin?

Ich würde gern noch eine engere, langjährige Zusammenarbeit im Bereich Maschinenbau und in der Verkehrstechnologie hinzufügen. Ich habe mich ständig informiert und festgestellt, dass die Projekte, die ich während meiner Präsidentschaft an der Tongji-Universität gestartet habe, hervorragend laufen. Nach der Olympiade werden wir uns auch noch mehr um das EXPO-Projekt Schanghai kümmern und dafür besondere Schwerpunkte in den Themen Energie und Umwelt, Gesundheit und Biotechnologie, IT und Kommunikation sowie Verkehr und Fahrzeugtechnologien setzen und gemeinsame Projekte unterstützen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle: "TU intern", 11/2008

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