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TU Berlin

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Innenansichten

Historische Chance

Ein aufwendiges Gutachten zum Instandsetzungs­bedarf der Berliner Hochschulen soll bauliche Planungssicherheit für die nächsten 15 Jahre bringen – TU Berlin benötigt mehr als eine Milliarde Euro

Vielfältiger TU-Campus: Ansichten und Aussichten
Lupe

„Das Gutachten hilft uns nun, gemeinsam mit Senat und Abgeordnetenhaus weitere notwendige Investitionen zu sichern. Wir können die unterschiedlichen Bedarfe der Hochschulen besser vergleichen, Prioritäten formulieren und mittelfristig eine gemeinsame Entwicklungsstrategie für den gesamten Hochschulstandort erarbeiten“, freute sich Steffen Krach, Berlins Wissenschafts-Staatssekretär, als die Senatsverwaltung zusammen mit den Rektoren und Präsidenten der Hochschulen Berlins im Juli dieses Jahres ein Gutachten vorstellte, das erstmalig den realistischen Instandsetzungsbedarf von 461 Hochschulgebäuden ausweist. Es wird in den kommenden 15 Jahren als Grundlage für die Bauplanung der Hochschulen dienen, ihnen Planungssicherheit für die Sanierung ihrer Gebäude geben, ihnen mehr Spielraum als eigene Bauherren einräumen und eine individuelle Entwicklungsplanung ermöglichen.

Insgesamt wurde der Sanierungsbedarf auf 3,2 Milliarden Euro beziffert, jährlich also etwa 213 Millionen Euro über 15 Jahre. Über eine Milliarde Euro davon entfallen auf die TU Berlin. Ein „6-Punkte-Sofortplan“ zeigt, wie ernst es allen damit ist, mit einem solchen Investitionsprogramm den Wissenschaftsstandort Berlin zukunftssicher zu gestalten.

„An diesem Gutachten haben wir insgesamt rund zwei Jahre gearbeitet. Neu ist die gebäudescharfe Abbildung des tatsächlichen Sanierungsbedarfs“, erklärt Martin Schwacke, der Leiter der Bauabteilung der TU Berlin, dem die Koordination auf Seiten der Universitäten oblag. „Das Ergebnis ist ein Gebäudeatlas von rund 1800 Seiten. Auf je vier Seiten gibt er Aufschluss über den Zustand jedes einzelnen Gebäudes.“ Diese Genauigkeit hat zu einer hohen Akzeptanz des Ergebnisses geführt. Das Gutachten, nach einer europaweiten Ausschreibung und einem aufwendigen Auswahlverfahren im Auftrag der Hochschulen von externen Gutachtern der Firma rheform GmbH durchgeführt, ist nun anerkannt als Grundlage für Anmeldungen zu Landesbaumaßnahmen und für Priorisierungen.

Übereinstimmend in Politik und Wissenschaft wird das Gutachten als historische Chance gewertet. Es bietet nämlich noch eine weitere wichtige Neuerung. „Bislang lag bei Anmeldungen zum Landeshaushalt nicht immer der Fokus auf dem Erhalt der Gebäudesubstanz und dem Abbau des Sanierungsstaus. Neuausrichtungen von Fachgebieten und die Einwerbung von Drittmitteln verdrängten angesichts der ohnehin knappen Ressourcen oft den erforderlichen Instandsetzungsbedarf“, blickt Martin Schwacke zurück.

Mit dem Gutachten wurde eine Objektivierung geschaffen, die nun als Grundlage für die Einrichtung eines Baukorridors dienen soll. Mit einer verbindlichen Zusage über einen Zeitraum von 15 Jahren soll den Hochschulen Planungssicherheit für die Bauplanungen gegeben werden. Mit festen Jahresscheiben soll die Flexibilität gewährleistet werden, um gegebenenfalls die Prioritäten eigenverantwortlich überprüfen zu können. Dieser „Baukorridor“ ist Teil des 6-Punkte-Plans und wurde vom TU-Kanzler Dr. Mathias Neukirchen ins Spiel gebracht.

Neben dem Baukorridor soll den Hochschulen auch für große Maßnahmen mehr Verantwortung in der Bauherrenrolle übertragen werden.

„Wir werden wesentlich flexibler“, freut sich Martin Schwacke, „denn wir kommen von den Anmeldungen der Einzelmaßnahmen weg und können Prioritäten nach dem tatsächlich vorhandenen Bedarf setzen.“

Und auf der TU-Liste stehen bereits mehrere große Vorhaben, die als Nächstes umgesetzt werden sollen. Einige davon sind bereits in den Landesbaumaßnahmen angemeldet, innerhalb des Investitionspakts Wissenschaftsbauten: Auf dem Ostgelände entstehen die beiden Neubauten Mathematik- und IMOS-Forschungsneubau. Dem aus den 70er-Jahren stammenden Physik-Neubau (Eugene-Paul-Wigner-Gebäude) steht eine Grundsanierung bevor. Für circa 30 Prozent der hoch technisierten Flächen muss allerdings vorher ein Ersatzneubau auf dem Ostgelände stehen, da vieles davon nicht im laufenden Betrieb saniert werden kann. Dann steht die Sanierung des Mathe-Gebäudes an der Straße des 17. Juni an, in dem gleichzeitig auch Ersatzflächen für die langfristig abzumietenden Gebäude in der Hardenberg- und in der Fraunhoferstraße oder, alternativ, Interimsflächen für Sanierungen geschaffen werden sollen. Bereits im kommenden Jahr wird die Fassadensanierung der Technischen Chemie in Angriff genommen. Auch das Gebäude-Ensemble F (Flugtechnische Institute) ist ein dringender Sanierungsfall. Für Aus- und Umbau sowie Sanierung des Campus Seestraße wird der TU Berlin in Kürze die Bauherrenrolle übertragen.

So viel Bautätigkeit erfordert natürlich auch mehr Personal. Dieses soll aber gemäß 6-Punkte-Plan, zumindest teilweise, aus Projektmitteln finanziert werden.

Schneller bauen für die Wissenschaft, darüber sind alle Beteiligten nun sehr froh. Und der nächste Schritt ist auch schon in Arbeit – eine Hochschul-Standortentwicklungsplanung als Anschlussprojekt, kurz HSEP. Darin sollen besonders die eigenen Ziele der Universitäten betrachtet werden, ebenfalls wieder auf Landesebene harmonisiert. Alle Hochschulen werden aufgefordert, eine solche zu erarbeiten, die jede Hochschule für sich verantwortet. Martin Schwacke: „Auch dieses hochambitionierte Projekt ist mit externer Begleitung geplant und daher direkt beim TU-Kanzler, Mathias Neukirchen, für den dieses Projekt höchste Priorität besitzt, angesiedelt.“

Patricia Pätzold

Mehr Eigenverantwortung: Was der „6-Punkte-Sofortplan“ beinhaltet

Basierend auf dem „Gutachten über den Instandsetzungsbedarf an den Berliner Hochschulen“ (siehe Text oben auf dieser Seite) haben die Senatskanzlei Wissenschaft und Forschung und die Berliner Hochschulen einen gemeinsamen Maßnahmenplan veröffentlicht – den sogenannten „6-Punkte-Sorfortplan“. Das Gutachten weist einen mittelfristigen Investitionsbedarf für alle Hochschulen, ohne die Charité-Universitätsmedizin, in Höhe von 2,28 Milliarden Euro aus, zu dem noch eine Pauschale für Projektkosten in Höhe von 0,91 Milliarden Euro hinzugerechnet wird. Nicht enthalten sind zum Beispiel laufende Instandhaltungskosten in den kommenden Jahren, neu entstehender Sanierungsbedarf, Anpassungen an künftige fachliche Bedarfe oder Preissteigerungen. Das Gutachten hat festgestellt, dass der bauliche Zustand der staatlichen Berliner Hochschulgebäude sehr unterschied-lich ist. So werde eine jeweils eigene Immobilienstrategie erforderlich. Da dieser Prozess eine längere Planungsphase erfordere und mittelfristig anzugehen sei, wurden nun, um ein kurzfristiges weiteres Vorgehen sicherzustellen, folgende Maßnahmen in dem Sofortplan benannt.

  1. Bauherrenschaft für Berliner Hochschulen ausweiten: Bislang liegt die Verantwortung bei der Durchführung von großen Bauvor-haben von vier beziehungsweise fünf Millionen Euro bei der Senatsverwaltung. Hier wird geprüft, ob und mit welcher Ausstat-tung den Hochschulen mehr Verantwortung übertragen werden kann.
  2. Anmeldungen für die Investitionsplanung sowie Entwicklung einer Sanierungs- und Baustrategie: Die dringendsten Sanierungs- und Neubauprojekte für die Investitionsplanung 2019–2023 müssen zeitnah angemeldet werden (Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds SIWANA).
  3. Einführung von Baukorridoren für jede Hochschule: Mit dem Investitionspakt Wissenschaftsbauten 2017–2026 im Jahre 2015 wurde erstmals Planungssicherheit im Hochschulbau geschaffen. Hier sollen künftig für jede einzelne Hochschule Etats gebildet und ein Konzept zur Ausgestaltung der Baukorridore erarbeitet werden.
  4. Personalmehrbedarf: Die Hochschulen legen hierzu eine Personalbemessungsprognose vor.
  5. Schneller bauen: Verfahrensabläufe für Wissenschaftsbauten beschleunigen: Es wird angestrebt, die Prüfschritte im Planungsab-lauf zu verringern. Auch hier wird die Möglichkeit sondiert, den Hochschulen mehr Eigenverantwortung zu übertragen.
  6. Bundesförderung einfordern: Angedacht ist, eine Initiative beim Bund zu platzieren, um für die Abarbeitung des Sanierungs- und Modernisierungsstaus die notwendigen Mittel bereitzustellen.
Patricia Pätzold "TU intern" Oktober/November 2018

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