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TU Berlin

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Innenansichten

„Der digitale Wandel passiert nicht einfach – er wird von Menschen gestaltet“

Das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft hat seinen Betrieb aufgenommen. Rund 80 Forscher*innen und Mitarbeiter*innen sind bereits an Bord

Nachgefragt bei Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker, TU-Fachgebiet Quality Engineering of Open Distributed Systems, Institut für Telekommunikations­systeme, Institutsleiterin Fraunhofer-Institut für Offene Kommunika­tionssysteme (FOKUS) sowie Gründungsdirektorin des Instituts für die vernetzte Gesellschaft
Lupe

Das Weizenbaum-Institut forscht interdisziplinär in den Bereichen „Arbeit und Innovation“, „Verträge und Verantwortung auf digitalen Märkten“, „Governance und Normsetzung“, „Technikwandel“, „Digitale Bildung“ sowie „Partizipation und Öffentlichkeit“. Was reizt Sie an dieser Aufgabe und was macht sie besonders?
Der digitale Wandel passiert nicht einfach, er wird von Menschen gestaltet und muss daher gezielt gestaltet werden. Das liegt mir sehr am Herzen. Ich selbst habe dazu zum Beispiel in der Forschungsagenda den Forschungsbereich „Technikwandel“ platziert. Die Einzigartigkeit des Weizenbaum-Instituts liegt darin, dass die meisten derartigen Einrichtungen die Themen eher monothematisch/monodisziplinär bearbeiten. Wir dagegen untersuchen erstmalig Querschnittsthemen wie die „Nachhaltigkeit der Digitalisierung“, „Offenheit und Autonomie“ oder eben das Oberthema „Selbstbestimmung“ und andere, die tief in Gesellschaft, Wirtschaft, Arbeit, Bildung und Sozialleben eingreifen. Die digitale Ethik beschäftigt sich zum Beispiel damit, wie unsere jetzigen ethischen Regeln in die digitale Welt übersetzt werden können und ob sie für die vernetzte Gesellschaft zu erweitern sind. Auch die Koordination der vielen Forschungspartner und unserer vielfältigen Netzwerkpartner ist eine Herausforderung. Hier arbeiten wir in konkreten anlassbezogenen Projekten zusammen.

Der Informatik-Pionier Joseph Weizenbaum, Namensgeber des Instituts, warnte die Gesellschaft davor, von der Technik verführt und zu gierig zu werden …
Ja, der digitale Wandel kann von großer Wucht sein. Soziale, normative, kulturelle und politische Innovationen werden notwendig sein, um Digitalisierung, Nachhaltigkeit und menschliche Entwicklung zu verbinden. Wir müssen also analysieren, verstehen, reflektieren und uns unserer Leitplanken bewusst werden. Das betrifft die Automatisierung, zum Beispiel von Entscheidungen in sicherheitskritischen Situationen, beim Fahren, beim Fliegen, im Gesundheitswesen oder Finanzhandel, in der Energiewirtschaft, der Telekommunikation, also in fast allen Bereichen der urbanen Infrastruktur. Das 100 Prozent sichere automatisierte System gibt es hier nicht, und es muss durch passende Bildung, Prozesse und gegebenenfalls Regularien abgesichert werden.

Im September letzten Jahres wurde das Institut eröffnet. Was hat sich seitdem getan?
Unsere frisch renovierten Büros liegen fantastisch, nahe an TU Berlin und UdK Berlin. Mehr als 80 internationale Mitarbeiter*innen sind an Bord, Promovenden, Postdocs, Assistenten, natürlich auch die Verwaltung. Von den 20 geplanten Forschungsgruppen arbeiten bereits 18, fünf neue Professuren an den beteiligten Universitäten werden eingerichtet. Wir als TU Berlin hatten soeben unsere Berufungsvorträge. Die Geschäftsstelle läuft, wir haben mehrere Events organisiert sowie ein erstes wissenschaftliches Symposium hier an der TU Berlin mit rund 200 Fachleuten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Wir nahmen am Science Match teil, wir unterstützen den „Turing-Bus“, ein BMBF-Informatik-Bildungsprojekt für Jugendliche, benannt nach Alan Turing. Erste internationale Research Fellows arbeiten mit uns seit Mai/Juni. Mit ihnen veranstalten wir „Research-Fellow-Talks“ und „Weizenbaum Lectures“. Im September haben wir in Boston eine AvH-Alumni-Tagung, um Werbung für die Rückkehr der besten Köpfe zu machen.

Wie wird das Institut von der hiesigen Politik aufgenommen?
Mir scheint, wir haben bereits eine gute Sichtbarkeit. Ich wurde eingeladen, Ende Juni mit dem Bundespräsidenten in die USA zu fahren, nach Los Angeles, Stanford, San Francisco. Dort haben wir Veranstaltungen zu Fragen von Digitalisierung und Demokratie beigewohnt. Für November 2018 planen wir außerdem unsere „Weizenbaum Research Days“, wo alle Forschenden berichten. Also, es geht zügig voran.

Vielen Dank!

Das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft

Wie verändert sich die Gesellschaft im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung in technischer und sozialer Hinsicht? Dazu wird das Weizenbaum-Institut interdisziplinär in sechs Forschungsbereichen mit 20 Forschergruppen forschen. Ein Konsortium aus FU, HU und TU Berlin sowie UdK und Universität Potsdam, Fraunhofer-Institut FOKUS und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hatte sich in einem bundesweiten Wettbewerb um das „Deutsche Internet-Institut“ durchgesetzt. Das nach dem Informatik-Pionier Joseph Weizenbaum (1923–2008) benannte Institut wird vom BMBF mit 50 Millionen Euro in den ersten fünf Jahren gefördert. Die Kosten für die Immobilie in der Hardenbergstraße 32, 5,2 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, trägt das Land Berlin. Das dreiköpfige Gründungsdirektorium besteht aus den Professoren Martin Emmer (FU Berlin), Axel Metzger (HU Berlin), Ina Schieferdecker (TU Berlin und Fraunhofer FOKUS). Die Koordination hat das WZB übernommen.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold, "TU intern" 25. Juni 2018

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