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TU Berlin

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Innenansichten

Das kleinere, aber bessere Berlin

Freitag, 17. Mai 2013

Wie die Stadt Charlottenburg eine technische Hochschule bekam

Hauptgebäude der KTH Berlin (Originalzeichnung von Max Lübke, undatiert)
So zeigte sich 1885 das Hauptgebäude der Vorgängerin der TU Berlin, der Königlich Technischen Hochschule zu Berlin (Originalzeichnung von Max Lübke, undatiert)
Lupe

Betrachtet man heute die TU Berlin am quirligen Ernst-Reuter-Platz, zentral in der Berliner City West gelegen, scheint es nur schwer vorstellbar, dass man an dieser Stelle vor rund 150 Jahren eine Naturidylle vorfand, weit entfernt von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung, die der Ort heute hat. Bevor hier eine technische Hochschule entstand, die zum rasanten Aufstieg Charlottenburgs beitrug, mussten einige politische Hindernisse überwunden werden.

"Im Anfang war das Wort", heißt es im Johannesevangelium. In Berlin geht jedem Anfang ein heftiger Streit voraus. Und bevor am Charlottenburger Knie, im Hippodrom, 1878 der Grundstein für das Gebäude des neu zu gründenden Polytechnikums gelegt werden konnte, mussten drei Fragen ausdiskutiert werden: Kann die Bauakademie mit der Gewerbeakademie vereinigt werden? Warum überhaupt ein "Polytechnikum"? Wo soll dasselbe errichtet werden? Ein Zusammenschluss der Berliner Bau-, Berg- und Gewerbeakademie zu einer "École Polytechnique" nach französischem Vorbild stand schon 1828 in Rede. 1862 und 1863 versuchte Rudolf Virchow vergeblich, einen Parlamentsbeschluss herbeizuführen. Bis Mitte der 1870er-Jahre gab es heftigen Widerstand. Diskutiert wurden weitere Fragen: Wie kann man Baubeamte, die dem Staat zu dienen haben, überhaupt mit Technikern, die gewerbliche Zwecke verfolgen, in ein und derselben Hochschule ausbilden? Steht da nicht "selbstloser Staatsdienst" gegen "egoistisches Gewinnstreben"? Doch mit dem Wirtschaftsaufschwung stieg auch die Nachfrage nach gut ausgebildeten Technikern und Baufachleuten. Gewerbe- und Bauakademie platzten aus allen Nähten. Dem Raummangel konnte nur mit Neubauten begegnet werden. Das war eine Chance. Endlich beschloss im März 1876 das preußische Parlament, Bau- und Gewerbeakademie zu vereinigen und eine neue, gemeinsame Ausbildungsstätte zu errichten. Richard Lucae, Leiter der Bauakademie, wurde beauftragt, Baupläne auszuarbeiten. Nur von konservativer Seite gab es noch Widerstand. Der Name "Polytechnikum" schien zu "umstürzlerisch", waren es doch die Sozialdemokraten, die jenes Wort – gotteslästerlich – stets im Munde führten. So einigte man sich auf "Technische Hochschule" – das klang seriös und erzeugte keine Revolutionsängste.

Jetzt aber ging es um den Standort für die Hochschule. Das war eine Interessen- und Prestigefrage. Das Parlament favorisierte die Invalidenstraße – ein Terrain, das in der Nähe von Institutionen der Berliner Universität (Charité und Naturkundemuseum) lag. Aber es waren zugleich die Friedrich-Wilhelm-Stadt – zu jener Zeit ein bedeutender Industriestandort –, die Gegend "Am Urban" und am Zoologischen Garten, in der Nähe der neuen Artillerie-Ingenieurschule, und weitere Orte im Gespräch. Schließlich entschied man sich für das Hippodrom am Charlottenburger Knie, auch weil der Kaiser das Gelände kostenlos zur Verfügung stellte. Bisher war das Areal – unter anderem dank seiner Gasthäuser – Ziel von Sonntagsausflügen der Berliner, die in diesem Naturidyll Erholung suchten. Aber auch die neue Elite des Kaiserreiches – wie der Bankier von Bleichröder, Werner Siemens oder Gelehrte wie Theodor Mommsen – hatte hier ihre Villen mit Gartenlandschaft gebaut. Die Eröffnung der Technischen Hochschule am 2. November 1884 war das gesellschaftliche Ereignis der kreisfreien Stadt Charlottenburg.

Die Hochschule sorgte für einen ungewöhnlichen Aufschwung jener westlich von Berlin liegenden Stadt, die vor dem Ersten Weltkrieg – dem Steueraufkommen nach – zur wohlhabendsten Stadt des Deutschen Reiches aufgestiegen war. Noch heute dokumentiert das im Jugendstil verzierte Charlottenburger Rathaus, das zwischen 1905 und 1913 eingeweiht und erweitert wurde, welchen rasanten Aufstieg die Stadt zwischen 1885 und 1920 nahm. Die Bevölkerungszahl stieg von 42 371 (1885) auf 325 300 (1913). Unternehmen wie Siemens & Halske und Schering siedelten sich hier an. Innerhalb von 20 Jahren rückte Charlottenburg im Rang der großen deutschen Städte vom 30. auf den 11. Platz und ließ Bremen, Halle, Hannover, Magdeburg und Stuttgart hinter sich. Eine "Elektrische" der Firma Siemens verdrängte 1900 die Pferdebahnen. Charlottenburg galt damals als "das kleinere, aber bessere Berlin".

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 5/2013

Universitätsgespenster spuken in der Langen Nacht der Wissenschaften

Bei dem Rundgang "Universitätsgespenster" durchs TU-Hauptgebäude, über den Gartencampus und schließlich bei einer Visite im Alten Physikgebäude, soll an die großen Geister der Vergangenheit erinnert werden. Sie erfahren interessante Geschichten von bedeutenden Forschern an der Technischen Hochschule Berlin, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, wie Franz Reuleaux, Adolf Slaby, Alois Riedler, Heinrich Rubens, Hans Geiger sowie den Nobelpreisträgern Ernst Ruska und Gustav Hertz und vielen anderen. Ungeahnte technische Möglichkeiten taten sich ihnen damals auf. Auch die Kernphysik war Gegenstand von Forschung und Lehre. Aber bis heute halten sich auch viele Legenden. So sollen die TH-Physiker am Bau der "Uranmaschine" und sogar an "Hitlers Atombombe" beteiligt gewesen sein. Was daran Wahrheit, was Fantasie ist, wird Ihnen in historisch authentischer Kulisse von dem Kulturphilosophen Hans Christian Förster erläutert werden.

Zeit: 8. Juni 2013, 21.00–22.30 Uhr
Treffpunkt: Eingangsfoyer im Hauptgebäude, an der Freitreppe
www.lndw.tu-berlin.de

tui / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 5/2013

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