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TU Berlin

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Innenansichten

Erfolg durch Talent, Freiräume und Kapital

Freitag, 12. April 2013

Welche Rolle die TU Berlin in einer nachhaltigen Standortentwicklung spielen kann - Interview mit Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der TSB Technologiestiftung Berlin

Berlin: Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur schaffen einen lebendigen Standort
Lupe

Herr Zimmer, wie können Gründungen aus dem Umfeld der Wissenschaft den Technologietransfer beeinflussen?

Eines der effizientesten Modelle des Technologietransfers ist der „Transfer durch Köpfe“, also im Rahmen von Ausgründungen aus der Wissenschaft: Von Hochschulabsolventinnen und -absolventen sind in den vergangenen Jahren viele erfolgreiche Start-ups gegründet worden. Vor allem das überdurchschnittliche Wachstum im Bereich der „Digitalen Wirtschaft“ ist in weiten Teilen auf diese Aktivitäten zurückzuführen, aber auch auf das gute Angebot an – durch unsere Hochschulen hervorragend ausgebildeten – Fachkräften.

Welche weiteren Anreize können die Standortentwicklung vorantreiben?

In erster Linie ist ein Standort dann erfolgreich, wenn er über die entsprechenden Ressourcen verfügt: Talent, Freiräume und Kapital. Für das Talent ist eine gute Bildungslandschaft, und zwar von der frühkindlichen Erziehung bis zu den Postgraduate Schools, die Basis. Freiräume werden gebraucht, um kreative Ideen entwickeln zu können. Dazu gehört es auch, für Menschen, die etwas unternehmen wollen, ein Klima zu schaffen, das Kreativität und Innovationen unterstützt und fördert, sie möglichst von Bürokratie frei zu halten und ihnen Netzwerke zur Verfügung zu stellen. Und schließlich der Zugang zum Kapital – von der Frühphase bis in die Wachstumsfinanzierung. Das Land Berlin hat hier bereits ein vielfältiges Förderangebot und eine attraktive Venture-Capital-Finanzierung mit der IBB Beteiligungsgesellschaft. Auch internationale Venture-Capital-Fonds finden immer öfter den Weg in die Stadt. Dennoch hat Deutschland insgesamt bei der Erschließung von privatem Kapital noch einen Nachholbedarf im Vergleich zu den USA. Nicht zuletzt heißt nachhaltige Standortentwicklung, die kleinen und mittleren Bestandsunternehmen zu unterstützen, vor allem durch den Zugang zu Innovationen aus der Berliner Wissenschaft und Forschung.

Welches sind die Schwerpunktbereiche für die Berliner Wirtschaft?

Das Land Berlin fokussiert im Rahmen der „Gemeinsamen Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg“ auf fünf Themenfelder: „Informations- und Kommunikationstechnologien, Medien, Kreativwirtschaft“, „Gesundheitswirtschaft“, „Verkehr, Mobilität, Logistik“, „Energie“, „Laser, Optik, Mikrosysteme“. Daran wird deutlich, dass Berlin eine klare Ausrichtung auf technologische Branchen verfolgt. Es wurden Cluster gegründet, um die Wertschöpfungskette von der Idee über den Transfer bis in die Produktion zu schließen. Mit der im Sommer anstehenden Fusion der TSB Innovationsagentur, eines Tochterunternehmens unserer Stiftung, mit der Berlin Partner GmbH, der Berliner Wirtschaftsförderungs- und Standortmarketinggesellschaft, wollen wir diese inhaltliche Verknüpfung auch organisatorisch noch besser begleiten.

Sollen weitere Bereiche hinzukommen?

Grundsätzlich sollten Strategien langfristig angelegt sein, um erfolgreich zu wirken. Aber natürlich dürfen wir die Augen nicht vor den dynamischen Entwicklungen in Gesellschaft und Wirtschaft verschließen, wenn wir im Wettbewerb bestehen wollen. Wir müssen die Möglichkeit haben, auch neue Zukunftsbranchen in der Region anzusiedeln. Ich glaube zum Beispiel, dass neben bestehenden Potenzialen in den Clustern unter der Überschrift „Smart Cities“ auch andere in diesen Kontext gehörende Themen für Berlin weiterentwickelt werden können: „innovative Baustoffe“, „nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“ oder „Kreislaufwirtschaft“.

Welche Rolle spielt die TU Berlin im Hinblick darauf?

Die TU Berlin ist eine der erfolgreichsten Hochschulen in der Region, auch bei Existenzgründungen. Aus gutem Grund ist sie als EXIST-Gründerhochschule vom Bundeswirtschaftsministerium ausgezeichnet worden. Zwei Faktoren sind dafür wesentlich: eine exzellente wissenschaftliche Ausbildung mit gleichzeitig hohem Praxisbezug und eine vorbildliche Betreuung der Gründerinnen und Gründer. Die TU Berlin kann hier wirklich als Best-Practice-Beispiel gelten, auch weil die weitere Entwicklung der jungen Unternehmen durch Evaluation und Optimierung der Unterstützung verfolgt wird. Dazu haben nach meiner Beobachtung viele hoch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, engagierte Hochschullehrerinnen und -lehrer sowie das Präsidium unter der zielstrebigen Führung von Jörg Steinbach beigetragen.

Wie kann man die Zusammenarbeit intensivieren?

Was unsere Stadt so erfolgreich macht, ist die Berliner Mischung aus Kreativität und technologischer Expertise. Genau aus dieser Schnittmenge sind viele der erfolgreichsten Gründungen hervorgegangen. Die Nachbarschaft von TU Berlin und der Universität der Künste Berlin ist geradezu ideal, um darauf aufzubauen. Es gibt ja bereits eine Reihe von Kooperationsprojekten, wie jüngst „UseTree“, bei dem durch die Vermittlung von Kompetenzen im Bereich der Usability ein Mehrwert auch für die kleinen und mittleren Berliner Unternehmen geboten wird. Grundsätzlich sollte aus meiner Sicht die Entwicklung des Campus Charlottenburg als attraktiver urbaner Standort für Gründungen mit Nachdruck verfolgt werden.

Die Fragen stellte Patricia Pätzold

Lupe

Nicolas Zimmer ist seit 1. Januar 2013 Vorstandsvorsitzender der TSB Technologiestiftung Berlin. Davor war er Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2013

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