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TU Berlin

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Innenansichten

Himmlische und irdische Schätze

Montag, 28. Januar 2013

Wiedereröffnung der Mineralogischen Sammlungen der TU Berlin nach siebenjähriger Bauzeit

Kustodin Susanne Herting-Agthe in der frisch renovierten Schausammlung. Links ein Eisenmeteorit von einer halben Tonne Gewicht
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Steine, edle und alltägliche, umgeben uns überall. Daraus, oder genauer, aus Mineralrohstoffen, werden Farben, Porzellan und Edelstahl hergestellt. Es gibt nur ein einziges echtes Mineral, das naturbelassen für den menschlichen Verzehr geeignet ist: das Steinsalz. Dennoch kann man in den Mineralogischen Sammlungen der TU Berlin demnächst ganz besondere „Steine essen“. Anlass ist die „Woche der Offenen Tür“, mit der eine der fünf größten und bedeutendsten mineralogischen Sammlungen in Deutschland Anfang Februar 2013 wieder für den Publikumsverkehr geöffnet wird.

Sieben Jahre lang wurde das BH-Gebäude (Bergbau und Hüttenwesen) am Ernst-Reuter-Platz asbestsaniert, das Publikum musste draußen bleiben und auch die wissenschaftliche Nutzung war stark eingeschränkt. Dabei stellen die Sammlungen der TU Berlin bereits seit 1781 ein unverzichtbares und weltweit genutztes Archiv der Rohstoff-Forschung dar. „Im Schnitt kommen zwei Anfragen pro Woche, hauptsächlich aus der Geowissenschaft, aber auch von Nutzern aus Archäologie, Materialprüfung und vielen weiteren Bereichen“, erklärt die Kustodin der Sammlungen, Dr. Susanne Herting-Agthe, die die verpackten Schätze die ganzen Jahre über wie ihre Augäpfel gehütet und den Betrieb, wenn auch eingeschränkt, aufrechterhalten hat. Mineralproben müssen für wissenschaftliche Forschungen, für die Lehre und für Publikationen bereitgestellt werden, Exponate für Ausstellungen ausgeliehen, Fachinformationen geliefert, Vorträge auch in der Lehre gehalten und Führungen oder Projektvormittage für Schulen geleitet werden. „Zwar sind viereinhalbtausend Mineralarten heute bekannt“, so Susanne Herting-Agthe, „doch nur 300 sind recht häufig und werden von den Menschen als Rohstoffe verwendet. Die Erdkruste wird sogar zu 97 Prozent von nur zehn von ihnen gebildet. Bis zu 100 neue werden heute noch jährlich entdeckt, ein schier unerschöpfliches Feld für Forschung und Lehre.“

Mit allein 100 000 katalogisierten Stücken kann die TU-Sammlung daher ihren Geowissenschaft-Studierenden die besten Voraussetzungen bieten. „Sie müssen die Rohstoffe erst an Mineral-und Gesteins-Handstücken kennenlernen, bevor sie zur Auffindung und Erkundung von künftigen Lagerstätten ins Gelände gehen können“, so Herting-Agthe.

Und die geowissenschaftlichen Studien haben in Berlin königliche Tradition. 1770 gründete Friedrich der Große die Bergakademie Berlin. Bereits 1781 erwarb der Preußische Staat die umfangreiche Mineralogische Sammlung des Geheimen Bergrats Carl Abraham Gerhard, die nicht nur den Grundstock der heutigen Sammlungen bildete, sondern gleichzeitig der älteste Teil der heutigen TU Berlin ist.

Doch von musealem Moder ist in den frisch renovierten und mit modernen Leitungssystemen ausgestatteten Räumlichkeiten nichts zu spüren. Neue Tageslichtleuchten in den zeitlosen Schauvitrinen von 1959 zeigen sowohl die großen Museumsstücke als auch die nach der Strunz’schen Mineralsystematik geordneten Stücke im besten Licht. Die mineralogischen Tabellen des „Systematik-Papsts“ und langjährigen Ordinarius für Mineralogie und Kristallographie der TU Berlin, Prof. Dr. Dr. Hugo Strunz, wurden in mehr als 70 Sprachen übersetzt und dienen heute weltweit als Ordnungsprinzip der Mineralogie. Und für seine Sammlung gelang ihm einst ein besonderer Coup: Von einer Ostafrikareise brachte er blaue Zoisit-Kristalle auf Muttergestein mit. 1967 waren sie erstmalig als blaue Varietät in Edelsteinqualität gefunden und nach dem Herkunftsland „Tansanit“ genannt worden. Blaue Edelsteine sind generell sehr selten, doch Prof. Strunz konnte sie als „wissenschaftliche Proben“ für die TU-Sammlung sichern. Neben diesen gehören aber weitere, weit auffälligere Sensationsfunde zur Ausstellung, zum Beispiel zwei große Meteoriten – der größte eine halbe Tonne schwer. Ein dritter Eisenmeteorit wurde in Scheiben geschnitten, poliert und geätzt. Das macht die sogenannten Widmannstätten’schen Figuren sichtbar, ein feines Lamellen-Gefüge, das das Stück unzweifelhaft als Meteor-Eisen ausweist: die „Scheibe von Professor Scheibe“, benannt nach einem TH-Mineralogen, der sie 1908 von einer Forschungsreise mitbrachte.

Was es übrigens mit dem „Steine essen“ auf sich hat, erklärt Susanne Herting-Agthe bei einem Besuch der Schausammlung.

www.mineralogische-sammlungen.de 

Festvortrag und „Woche der Offenen Tür“

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Festvortrag von Dr. Susanne Herting-Agthe: Die Mineralogischen Sammlungen der TU Berlin seit 1781, Aufgaben und Ziele. Im Anschluss: Führung und Besichtigung in der Schausammlung, mit „Steine-Essen“ (lassen Sie sich überraschen!). Zeit: Donnerstag, 31. 1. 2013, 15 Uhr

Woche der Offenen Tür: 4.–8. 2. 2013, täglich 9–17 Uhr, Ort: Ernst-Reuter-Platz 1, 6. Etage, Raum BH 609
Vortrag: Hörsaal BH 243, 2. Etage

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2013

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