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TU Berlin

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Innenansichten

Rankings nutzen und verbessern

Montag, 19. November 2012

Patrick Thurian, Gruppenleiter Strategisches Controlling: Qualitätsmanagement, Studienreform und Kennzahlen an der TU Berlin
Lupe

Die TU Berlin hat in verschiedenen Rankings der letzten Zeit gut abgeschnitten. Doch an den Universitäten schwelt Kritik, einige Hochschulen und Fachgesellschaften sind schon aus Rankings und Befragungen ausgestiegen, da sie den Nutzen nicht sehen. Auch an der TU Berlin. Welche Macht haben die Rankings und was wird kritisiert?

Die Anzahl der Befragungen nimmt allgemein stark zu. Wir selbst haben beinahe wöchentlich entsprechende Anfragen. Weil die Beantwortung viel Arbeitskraft bindet, geht der Rücklauf vielfach zurück, vor allem, wenn die gleiche Zielgruppe mehrfach befragt wird. Der verminderte Rücklauf verzerrt das Gesamtbild, denn oft antworten nur noch die extrem Unzufriedenen. Das macht auch ein gutes Instrument letztlich kaputt. Rankings vereinfachen zudem oft stark, denn sie wollen ihrer Zielgruppe schnell verfügbare Informationen bieten, ohne dass diese ein 200-seitiges Wissenschaftsrating lesen muss. Rote, gelbe und grüne Ampelzeichen in den Rankinglisten sind zum Beispiel ein beliebtes Mittel. So finden sie auch in der Öffentlichkeit eine starke Wahrnehmung. Für uns bedeutet das: Wir müssen uns immer wieder mit den aktuellen Ergebnissen auseinandersetzen, um Impulse für die eigene Weiterentwicklung geben zu können.

Natürlich nützen zielgruppengerecht gebaute Rankings den Studierenden durchaus. Das aufwendig gemachte und in Deutschland führende CHE-Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung und der ZEIT ist so ein Beispiel. Das bedienen wir daher, auch wenn man es methodisch kritisieren kann. Bei den internationalen Rankings bestücken wir beispielsweise das QS World Ranking, das allerdings auch methodische Schwächen hat. Die Hochschulen können hier beispielsweise mit der Eingabe ihrer Parameter nur 30 Prozent beeinflussen. Der andere Teil basiert auf Angaben von Lehrenden, Forschenden und Firmen nach der Reputation. Viele weitere internationale Rankings sind für uns gar nicht beeinflussbar und ebenfalls methodisch fragwürdig. Sie bedienen bestimmte Zielgruppen, und auffällig oft liegen immer einzelne Länder oder Hochschulbereiche vorn.


Ein Großteil der Studierenden wählt die favorisierte Universität nach der Nähe zum Heimatort. Welchen Einfluss haben dann die Rankings und wie kommen die häufig schlechten Bewertungen durch Studierende zustande?

Tatsächlich zeigen unsere eigenen Untersuchungen, dass die Studierenden, die an die TU Berlin kommen, nur begrenzt auf Rankings schauen. Entscheidend ist eher das Fächerangebot, die Wohnortnähe, und auch der Berlinfaktor spielt eine Rolle. Bei sehr großen und hoch ausgelasteten Universitäten wie unserer ist es für Studierende besonders am Anfang schwierig, den Studienbetrieb schnell zu durchschauen und Kommilitonen zu finden. Tendenziell kommen besonders große Einrichtungen daher in der Bewertung immer etwas schlechter weg. Hinzu kommt bei uns die Überlast. Wir sind zwar in der komfortablen Situation, dass die Anzahl der Bewerbungen das Studienplatzangebot um den Faktor vier bis fünf übersteigt. Dennoch sollten wir uns Mühe geben, denn wir haben uns auch mit gleichen Fächern am gleichen Ort zu vergleichen und stehen im Wettbewerb.


Wer aus den Rankings aussteigt, schadet seiner Universität, sagen Meinungsmacher in Sachen Bildungspolitik, plädieren jedoch für Änderungen im Verfahren. Welche wären aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Die Kollegen und Kolleginnen sollten in ihren Fachgesellschaften den spezifischen Nutzen der einzelnen Rankings diskutieren und entsprechende Beschlüsse fassen. Wir werden diesem Votum dann wie im Fall der Soziologie und des CHE folgen, denn wir wollen miteinander, nicht gegeneinander arbeiten. Als einzelne Hochschule völlig auszusteigen würde ich dagegen nicht empfehlen. Außerdem liegt ein Beschluss der Berliner Landesrektorenkonferenz vor, das CHE-Ranking sorgfältig anzuschauen und zu entscheiden, ob man weiter mitmachen will. Auch die Stichprobengröße von 15 Rückläufen liegt schon an der Untergrenze und führt sehr leicht zu Verzerrungen. Ich würde mir wünschen, dass seriöse Rankings ihre Methodik und die verarbeiteten Parameter offenlegen, zum Beispiel in einem Methoden-Wiki, und uns anschließend unsere Ergebnisse und Datensätze ohne Komplikationen liefern. Wir könnten, im Vergleich zu den Mittelwerten der anderen, für die eigene Einrichtung spezifische Schlussfolgerungen ziehen und differenziert erkennen, wo es Nachholbedarf und Verbesserungspotenzial gibt. Alles in allem würde ich nicht zum pauschalen Ausstieg raten, sondern empfehlen, Einfluss auf die Methodik und die Abläufe zu nehmen, dann kann so ein Ranking ein sehr wertvolles Instrument sowohl für die Beurteilung von außen als auch für die Optimierung und Wahrnehmung der eigenen Hochschule sein.

Die Fragen stellte Patricia Pätzold

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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