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TU Berlin

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Innenansichten

Hilfe für Menschen mit Handicaps

Montag, 19. November 2012

Auf dem TU-Campus wurden viele neue Maßnahmen zur Barrierefreiheit angestoßen – doch es bleibt noch viel zu tun

„In den meisten Hörsälen gibt es ausgewiesene Plätze für Behinderte, die mit dem Rollstuhl erreichbar sind“, sagt Ibrahim-Halil Öner, der bei der TU-Beauftragten für Studierende mit Behinderten und chronischen Krankheiten mitarbeitet, „doch der Weg dorthi
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„In der Cafeteria kommt man mit dem Rollstuhl nicht durch die Tür, der Tresen ist zu hoch, die Preise klein gedruckt, auf dem Parkplatz ist das Behindertenschild verrostet – es sind tausend Kleinigkeiten, die Behinderten die Teilnahme am Alltagsleben vergällen“, sagt Ibrahim-Halil Öner. „Und es gibt viele Studierende mit studienerschwerenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen an der TU Berlin. Nicht jede Behinderung ist sofort sichtbar.“

Der 23-jährige Chemie-Student im 7. Semester steht seit Mai 2012 als studentischer Mitarbeiter der Diplompsychologin Mechthild Rolfes zur Seite, die im vergangenen Jahr offiziell zur TU-Beauftragten für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten gemäß dem neuen Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) bestellt wurde. Gemeinsam wollen sie die Umwelt für die Belange behinderter Menschen sensibilisieren.

Unter anderem konnte bereits der Arbeitskreis „Barrierefreies Bauen“ neu belebt werden, der nun neue Projekte anstößt und begleitet. „Es gibt doch überraschend viele Barrieren für Menschen mit Handicap auf dem Gelände der TU Berlin“, sagt Mechthild Rolfes. „Das zeigte im vergangenen Jahr eine groß angelegte Studie meiner langjährigen Mitarbeiterin Jana König“ (siehe Text unten).

Inzwischen ist einiges auf dem Wege. Zum Beispiel vermaßen Studierende der Geoinformatik in ihrem „Master-Web-Kurs“ den Campus Charlottenburg und erstellten erste Karten. Ziel ist die Entwicklung eines intelligenten Routingsystems, das Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Informationen bereitstellt und auch auf Seh- und Hörbeeinträchtigte ausgedehnt werden soll. Aktualisierbare Karten sollen später durch das IT-Servicecenter „tubIT“ in die „tub2 go“-Web-App integriert werden. Auch die Markierung von Stufen ist ein Thema. Die Abteilung Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz untersuchte die Sicherheit von Verkehrswegen und erarbeitet gemeinsam mit der Bauabteilung einen Plan: Als erste Maßnahme werden im Hauptgebäude etwa 500 Stufen, jeweils die erste und die letzte eines Absatzes, markiert. Wichtig ist gerade für Studierende natürlich auch ein barrierefreier Zugang zu den neuen Räumen des AStA im TK-Gebäude (Thermodynamik und Kältetechnik). Hier hat die Bauabteilung einen seitlichen Zugang mit einer Steigung von nicht mehr als vier Prozent gebaut sowie einen Fahrstuhl im Gebäude. „Gerade bei solchen Maßnahmen zeigt sich auch, wie wichtig es ist, das große Ganze im Blick zu haben“, sagt Mechthild Rolfes. So sei zum Beispiel diskutiert worden, ob eine extra Schließung für den Behindertenaufzug notwendig sei. „Ich bin der Meinung, dass so ein Aufzug auch zum Beispiel für Eltern mit Kinderwagen zugänglich sein muss, ohne dass man dafür einen Schlüssel beantragen oder abholen muss.“

Auch der Zugang zum Hauptgebäude soll erleichtert werden. So wurde eine unfallträchtige Holzrampe am Hintereingang entfernt und wird durch eine bauliche Abflachung des Gehweges ersetzt. Am Eingang Ost wird eine Bordsteinabsenkung durchgeführt werden. Sein geschultes Auge wirft nun auch Ibrahim-Halil Öner auf die Rollstuhlgerechtigkeit von Hörsälen, Aufzügen und Behindertentoiletten sowie auf die Barrierefreiheit der Website. Gerade besuchte er Erstsemesterveranstaltungen, um die Anwesenden für das Thema zu sensibilisieren und Betroffene über ihre Rechte und Beratungsmöglichkeiten zu informieren.

„Ich will nicht ausschließlich auf den Studienabschluss fokussiert sein“, sagt er zu seiner Motivation. „Mir ist das soziale Engagement ebenso wichtig.“ Er kam über den Umweg der Sprache zur Beschäftigung mit der Behindertenthematik. Neben seinen Muttersprachen Deutsch und Türkisch spricht der gelernte chemisch-technische Assistent auch Englisch und Spanisch und kennt sich ein wenig mit arabischer Schrift aus. „Aus Interesse habe ich dann angefangen, die Deutsche Gebärdensprache zu lernen, die von Hörbeeinträchtigten viel benutzt wird.“

Ein ganz großes Anliegen ist dem Team um die Behindertenbeauftragte für die Zukunft wichtig: der vorzeitige behindertengerechte Umbau des U-Bahnhofs Ernst-Reuter-Platz. Unterstützt vom TU-Präsidium wurde bereits die BVG kontaktiert.

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

Was noch zu tun ist

Im Sommer 2011 wurden 48 Gebäude der TU Berlin auf Barrierefreiheit untersucht. Nur sechs davon sind vollständig selbstständig berollbar, 17 weitere sind erschlossen und – teils allerdings kompliziert – zu erreichen. Bei anderen benötigt man Hilfe, von sieben weiteren ist nur das Erdgeschoss erreichbar, zwölf sind überhaupt nicht rollstuhlzugänglich. Das Letztere trifft auch auf 14 von 90 Hörsälen zu. Ein durchgängiges Leitsystem fehlt, Ausschilderungen sind ausschließlich an gut sehende Fußgängerinnen und Fußgänger angepasst. Es gibt nur sehr wenige Beschilderungen in Brailleschrift, ausgewiesene Notausgänge sind ebenfalls meist keine barrierefreien Wege und Ausgänge. Die Selbstrettung im Brandfall wird hier erschwert. Von den 27 Behindertenparkplätzen sind viele oft von Liefer- und Baufahrzeugen zugeparkt. Der Hauptcampus ist am besten vom weiter entfernten S-Bahnhof Tiergarten zu erreichen, der mit Fahrstuhl ausgestattet ist. Der näher gelegene U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz ist nicht behindertengerecht. Im Internet ist der vollständige Bericht downloadbar.
www.tu-berlin.de/?id=40950

pp / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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