direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

100 Jahre Technion Haifa

Facing the World – der Welt ins Auge sehen

Mittwoch, 04. April 2012

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein des Technion in Haifa gelegt

Der Campus liegt stadtnah, nicht weit von der Bucht von Haifa entfernt
Lupe

Als am 11. April 1912 in Haifa, am Karmelberg, der Grundstein für ein Technikum gelegt wurde, konnten sich die Beteiligten in ihren kühnsten Träumen kaum vorstellen, dass 100 Jahre später das „Technion“ nicht nur die älteste Universität des Staates Israels sein würde, sondern dass es auch zu den führenden technischen Hochschulen der Welt gehören und das akademische Zuhause dreier von fünf wissenschaftlichen israelischen Nobelpreisträgern darstellen würde. Während 1912 für den Schulbau alles Know-how aus Europa in das Ödland um Haifa importiert werden musste, ist die heutige technische Universität ein Ort, an dem aus Grundlagenforschung modernste Hightech entsteht. Das „Technion“ erfüllt heute nicht nur die Kriterien akademischer Exzellenz, es ist – angesichts des nahöstlichen Umbruchs – durch sein interkulturelles Selbstverständnis und den praktizierten jüdisch-arabischen Dialog beispielgebend.

Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des „Technion“ führt zunächst nach Berlin. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich unter der jüdischen Bevölkerung des Kaiserreiches ein neues Selbst- und Solidaritätsbewusstsein. Mit der Gründung jüdischer Verbände wurden die staatsbürgerlichen Rechte eingeklagt und Not leidenden Glaubensgenossen wurde Unterstützung gewährt. Das betraf vor allem die jüdischen Einwanderer aus Osteuropa nach Palästina. Der Berliner Journalist und Direktor des 1901 gegründeten „Hilfsvereins Deutscher Juden“, Dr. Paul Nathan, verfasste 1907 nach einer Palästina-Reise ein Memorandum, in dem den jüdischen Siedlern Unterstützung durch Bildungseinrichtungen, insbesondere durch eine technische Schule, zugesagt wurde. Ein Wissens- und Technologietransfer sollte die technische Modernisierung des Landes beschleunigen, eine moderne Infrastruktur ermöglichen und Wohlstand schaffen. Die Wissotzky'sche Familienstiftung Moskau, der deutsch-amerikanische Bankier Jacob H. Schiff und deutsche Spender stellten die Finanzierung des Projekts „Technikum“ sicher. In Berlin wurde das „Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina“ mit einem international besetzten Kuratorium gegründet.

Geistige Entwicklungshilfe von der TH Berlin

Am Technion, das 1912 als Technikschule gegründet wurde, wird heute Hightech-Forschung betrieben.
Lupe

Im wissenschaftlichen Beirat engagierten sich Professoren der TH Berlin, wie Georg Schlesinger und Wilhelm Franz. Viele am Projekt Beteiligte waren Absolventen der TH Berlin. So der Architekt Alexander Baerwald, dessen Technikums-Entwurf moderne Architektur mit der Formensprache des Nahen Ostens verband. 1908 erwarb Paul Nathan in der Hafenstadt Haifa ein geeignetes Baugrundstück von 55 000 Quadratmetern. Viele Schwierigkeiten mussten überwunden werden, bis am 11. April 1912 die feierliche Grundsteinlegung erfolgen konnte. Baubegleitend machten sich die Fachleute des technisch-wissenschaftlichen Beirates Gedanken über das Konzept und die Ausstattung des Technikums. Auf Initiative von Professor Schlesinger wurden die damals modernsten Maschinen und Anlagen für die geplanten Werkstätten und Laboratorien angeschafft. Die Schule, die nicht als Hochschule nach dem Beispiel der TH Berlin konzipiert war, sollte ein Technikum sein, das – praktisch und theoretisch – technische Bildung vermittelt. Hoch- und Tiefbau sowie die Grundlagen des Maschinenbaus sollten unterrichtet werden, also Fachrichtungen, die den unmittelbaren Bedürfnissen vor Ort – Verbesserung der Infrastruktur und Industrialisierung des Landes – entsprachen. Als Unterrichtssprache wurde Hebräisch gewählt, für die technischen Fächer sollte ursprünglich Deutsch Standard sein. Am 1. Januar 1913 wurde auf Empfehlung Prof. Schlesingers Dr.-Ing. Alfons Finkelstein, Absolvent der TH Berlin, zum Direktor der Schule bestellt.

Im Strudel widersprechender Interessen

Geplanter Unterrichtsbeginn war April 1914. Zugleich bildete sich um dieses schulische Entwicklungsprojekt ein vielschichtiges Interessenkonglomerat. Der Zionistische Weltkongress unterstützte wohlwollend die Berliner Pläne. Theodor Herzl versuchte Kaiser Wilhelm II. für die jüdische Einwanderung zu interessieren. Die deutsche Politik erklärte – im Konkurrenzkampf der europäischen Mächte – die Türkei und den Nahen Osten zu ihrem strategischen und wirtschaftlichen Aktionsfeld. Der Kaiser begrüßte zwar das deutsch-jüdische Engagement in Haifa, ordnete es aber dem guten Einvernehmen mit der türkischen Seite unter. Während der Bauphase entbrannte im Kuratorium ein Sprachenstreit, der das Verhältnis zwischen dem „Hilfsverein der Deutschen Juden“ und der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ (ZVfD) belastete. Grund war die Forderung zionistisch eingestellter Mitglieder, nur Hebräisch als Sprache am Technikum zuzulassen. In einem Kompromiss zwischen den Organisationen vom Februar 1914 wurde schließlich die Priorität des Hebräischen als Unterrichtssprache bekräftigt. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges machte den geplanten baldigen Unterrichtsbeginns unmöglich. 1918 ging nach 400 Jahren die türkische Herrschaft in Palästina zu Ende. Haifa wurde von britischen Truppen besetzt. Das Technikum, das während des Krieges vom Militär genutzt wurde, verkaufte der Hilfsverein 1920 an die Zionistische Vereinigung. Am 24. Juli 1922 wurde Palästina nach Völkerbund-Beschluss britisches Mandatsgebiet.

Das Hauptgebäude von Baerwald steht noch heute. Beim Bau wurden damals Kamele eingesetzt.
Lupe

Erst zehn Jahre später als geplant begann im Dezember 1924 das erste Semester am neuen Technion mit 17 Studierenden, darunter eine Frau. Die feierliche Eröffnung fand am 9. Februar 1925 statt. Erster Technion-Direktor wurde der Londoner Pädagoge Arthur Blok. Der Architekt Alex Baerwald und Max Hecker, beide TH-Absolventen, wurden Lehrer am Technion. Aber auch die Berliner „Gründerväter“ unterstützten das Projekt weiterhin ideell und materiell. 1923 hatte Albert Einstein dem Technikum in Haifa eine Visite abgestattet und Ende des gleichen Jahres war unter seinem Vorsitz in Berlin das „Deutsche Komitee für das Technische Institut in Haifa“ entstanden. Doch diese erfolgreiche deutsch-jüdische Kooperation wurde mit dem Beginn der Hitler-Diktatur in Deutschland zerstört. Akademiker jüdischer Herkunft mussten die Hochschulen verlassen und gingen, bedroht an Leib und Leben, ins Exil – wie Albert Einstein und Georg Schlesinger. Einen Mitarbeiter des TH-Instituts für Fabrikwissenschaft, Max Kurrein, erreichte 1933 der rettende Ruf an das Technion, wie das Technikum nun hebräisch genannt wurde. Aber auch viele andere nach Palästina geflüchtete Akademiker und Ingenieure trugen dazu bei, dass sich Ausbildungsqualität und Know-how der Fachschule verbesserten.

Technion und Staatsgründung 1948

Mit finanzieller Unterstützung aus den USA wandelte sich das Technion mehr und mehr zu einer Hochschule. Mit der Gründung des Staates Israel 1948 stieg die Nachfrage nach gut ausgebildeten Technikern. Ministerpräsident David Ben-Gurion regte den Bau eines neuen, größeren und moderneren Campus mit neuen Fakultäten an. Mit der Luftfahrttechnik etablierte Prof. Sydney Goldstein 1954 eine Spitzentechnologie am Technion. Die deutsch-israelischen Beziehungen waren durch die Shoa dagegen schwer belastet. Erst 1965, mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik, begann ein neuer Dialog zwischen Wissenschaftlern beider Staaten.

Vielversprechende Wissenschaftskontakte

Georg Schlesinger, Professor für Werkzeug- maschinen in Berlin, engagierte sich von Beginn an in Haifa
Lupe

1982 wurde die „Deutsche Technion-Gesellschaft“ in Hannover gegründet, um wissenschaftliche Verbindungen zwischen den deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zum Technion in Haifa zu fördern sowie dessen Arbeit ideell und materiell zu unterstützen. Für den Technion-Fachbereich Maschinenbau finanziert die TU Berlin – im Kooperationsvertrag von 1984 formuliert – einen Stiftungslehrstuhl, der nach Georg Schlesinger benannt ist. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Kooperation zwischen der TU Berlin und dem Technion in Haifa erheblich erweitert. Neben einem regen Wissenschaftleraustausch sowie einem einzigartigen universitätsübergreifenden Doktorandenprogramm gibt es heute vielfältige Forschungskontakte in den Bereichen Chemie, Maschinenbau, Mathematik, Nanophotonik und Quantenmechanik. Ausdruck der engen Beziehungen zwischen den beiden technischen Universitäten war der Festakt zum 75. Gründungsjubiläum des Technion 2000 in Berlin: Der damalige Bundespräsident Johannes Rau erhielt für seine Verdienste um die deutsch-israelische Freundschaft eine Ehrendoktorwürde.

Am 22. April findet ein Festakt zum 100. Jubiläum der Grundsteinlegung des Technion und zur Verleihung der Wissenschaftspreise der Deutschen Technion-Gesellschaft in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund in Berlin statt. Die Festrede hält Prof. em. Dr. h. c. mult. Dr.-Ing. Günter Spur, die Laudatio Medizin-Nobelpreisträger Prof. Aaron Ciechanover, Ph.D., vom Technion Haifa. Grußworte spricht die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Prof. Dr. Johanna Wanka. Um Anmeldung wird gebeten.

Tel.: 030/88 55 44 04



Kooperationen TU Berlin – Technion Haifa

Chemie:
Prof. Dr. Drs. h.c. Helmut Schwarz
Physik: Prof. Dr. Dieter Bimberg
Mathematik: Prof. Dr. Volker Mehrmann, Prof. Dr. Olga Holtz, Prof. Dr. Jean-Dominik Deuschel, Prof. Dr. Peter Bank
Strömungsmechanik: Prof. Dr.-Ing. Oliver Paschereit
Maschinenbau: Prof. Dr.-Ing. Günter Seliger
Energietechnik: Prof. Dr.-Ing. Felix Ziegler
Prozess- und Verfahrenstechnik: Prof. Dr.-Ing. Günther Wozny
Bauingenieurwesen: Prof. Dr.-Ing. Stavros Savidis
Informatik: Prof. Dr. Marc Alexa
Verkehrs- und Maschinensysteme: Prof. Dr.-Ing. Rainer Stark
Werkstofftechnik: Prof. Dr. Claudia Fleck
Technischer Umweltschutz: Prof. Dr.-Ing. Martin Jekel
Lebensmitteltechnologie: Prof. Dr.-Ing. Dietrich Knorr

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2012

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.