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TU Berlin

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Innenansichten

TU-Präsident Jörg Steinbach im Gespräch

Freitag, 20. Januar 2012

Anstoß zur weiteren Profilschärfung

Lupe

Strategiepapier für die TU Berlin stellt Maßnahmen zur strategischen Entwicklung vor

Im Dezember hat das Präsidium ein Strategiepapier zur Strukturentwicklung für die Universität vorgelegt. Es bezieht sich auf einen Entwicklungshorizont bis zum Ende des Jahrzehnts. Welche Beweggründe gab es für das Papier?

Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach: Um unserem Anspruch an eine wettbewerbsfähige und moderne Universität gerecht zu werden, sind kontinuierlich selbstkritische Einschätzungen notwendig. Ebenso müssen wir unsere akademischen und verwaltungstechnischen Prozesse ständig anpassen und verbessern. Das schlägt sich in regelmäßigen Evaluierungsprozessen nieder. Einen solchen wollen wir mit dem vorgeschlagenen inhaltlichen Konzept anschieben. Dafür hat das Präsidium Eckpunkte für die drei Haupthandlungsfelder Forschung, Lehre und Verwaltung/Dienstleistung aufgestellt. Und uns treibt noch ein weiterer handfester Grund: Treffen wir jetzt keine Gegenmaßnahmen, so wird sich das Defizit in unserem Haushalt bis zum Jahr 2018 auf rund 30 Millionen Euro erweitern.

Können Sie das konkreter fassen?

Schaut man sich den TU-Haushalt nüchtern an, so erkennt man, dass der Anteil der Personalkosten von derzeit 80 Prozent bei Fortschreibung dieses Haushalts in den nächsten Jahren auf über 90 Prozent ansteigen würde. Eine erstrebenswerte Entwicklung für eine handlungsfähige Universität liegt aber bei rund 70 Prozent. Das heißt, wir müssen unbedingt strategisch gegensteuern, und das im Personalkostenbereich.


Wie wollen Sie das nach den Einsparrunden aus dem vergangenen Jahrzehnt konkret bewerkstelligen?

Während bei den Strukturänderungen in den Jahren 1998/2000 sowie 2004/2006 die Hauptlast die Fakultäten getragen haben, wählen wir diesmal einen anderen Weg. Der Schwerpunkt wird in den Bereichen Zentraleinrichtungen und Zentrale Universitätsverwaltung liegen. Konkret geht es um eine Absenkung des Personalkostenanteils von zehn Prozent im Verwaltungsbereich und um 40 Prozent in den Zentraleinrichtungen. Mit diesen Zielzahlen gehen wir erst einmal in das Rennen hinein.


Wie können diese Zielzahlen erreicht werden?

Ganz bestimmt nicht mit dem Gießkannenprinzip. Das zieht Unsicherheiten und Ängste nach sich. Unsere Verwaltungsprozesse und die Prozesse, die in den Zentraleinrichtungen ablaufen, werden einer gründlichen Analyse unterzogen. Ziel ist es, Prozesse zu entschlacken, überflüssige Arbeitsroutinen zu erkennen und, wenn nötig, komplette Aufgaben im Sinne einer Aufgabenkritik in Frage zu stellen. Dabei gehen wir ergebnisoffen vor, denn es gibt auch Bereiche, in denen das Personal heute das Zwei- oder Dreifache im Vergleich zu früher bewältigt. Ein Beispiel dafür ist die Forschungsabteilung, in der die gleiche Anzahl an Mitarbeitern eine in den vergangenen Jahren stark gestiegene Drittmittelzahl bewirtschaftet. Das heißt also auch: Es wird sicherlich Prozesse geben, bei denen ein Personalaufwuchs für das Gelingen der definierten Aufgabe notwendig sein wird.


Schauen wir auf die Fakultäten. Welchen Beitrag sollen sie leisten?


Die Fakultäten haben zwei Probleme; ein konsumtives Problem im Bereich der Personalkosten und ein investives Problem im Bereich der Berufungen. Für mich liegt der Schwerpunkt bei der Lösung des investiven Problems. Wir müssen mit allen Mitteln die Handlungsfähigkeit bei Berufungen der einzelnen Fachgebiete sicherstellen. Wir dürfen nicht in die Situation kommen, einen Berufungsstopp zu erklären. Das wäre fatal für die Außenwirkung.


Welche Lösungen bieten Sie an?

Wir schlagen einen kreativen Weg für die künftige Berufungsstrategie vor. Oberstes Ziel ist es, alle Berufungen gewährleisten zu können und eine willkürliche Streichung von Fachgebieten zu verhindern. Für die TU Berlin haben wir kürzlich das sogenannte Professurenerneuerungsprogramm (PEP) III aufgelegt und fest verankert. Damit stehen uns immerhin jährlich 3,75 Millionen Euro für Berufungen zur Verfügung. Aber: Damit können wir nur 60 Prozent der anstehenden Fachgebiete bis zum Jahr 2018 besetzen und adäquat ausstatten. Deshalb wollen wir bei 40 Prozent der anstehenden Berufungen zeitlich befristete W1- und W2-Stellen einrichten. Wir senken das Entlohnungsniveau und die Ausstattung mit wissenschaftlichem Personal im Vergleich zu den besser ausgestatteten W3-Stellen. So können wir die Personalkosten in den Fakultäten um fünf Prozent verringern. Adäquat entspricht das rund 50 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, denn wir setzen bei diesen Berufungen auf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit großem Elan an ihrer Karriere in Forschung und Lehre arbeiten. Um diese Zielgruppe an unsere Universität zu holen und ihr eine langfristige Perspektive zu eröffnen, wollen wir die betreffenden Stellen mit einem Tenure-Track verknüpfen. Sie erhalten, bei entsprechender Leistung, eine Option auf eine Langzeitprofessur.


Im Strategiepapier werden neue profilbildende Kompetenzfelder für die TU Berlin benannt. Wie geht die Universität damit um. Sind sie jetzt festgesetzt oder stehen sie noch zur Diskussion?

Das Papier ist in seiner Gesamtheit ein offenes Diskussionspapier. Das bezieht sich auch auf die Kompetenzfelder. Im Akademischen Senat oder bei unseren Gesprächen mit unterschiedlichen Gruppen in der Universität gab es dazu konstruktive bis kritische Stellungnahmen. Wir merken daran, dass der Wille da ist, gemeinsam über Fakultäts- und auch Fraktionsgrenzen hinweg an einer Schärfung unseres Profils zu arbeiten. Viele sehen in der nun angestoßenen Diskussion einen wichtigen Schritt. Das begrüße ich sehr, zumal das Papier nicht als "Einsparpapier" gedacht ist, sondern als Ausgangspunkt einer strategischen Weiterentwicklung.


Wie sollen Prozess und Diskussion über das Strategiepapier weitergehen?

Der Akademische Senat hat dem Präsidium grünes Licht gegeben, die Prozessanalysen in den Zentraleinrichtungen und in der Zentralen Universitätsverwaltung anzustoßen. Außerdem werden wir das dringend benötigte Campusmanagement für den Gesamtbereich der Studierendenbetreuung einführen. Künftig soll von der Bewerbung und Immatrikulation über die Modul- und Prüfungsverwaltung bis hin zur Lehrevaluation und Studienverlaufskontrolle der gesamte Prozess damit abgedeckt werden. Rechtliche Rahmenbedingungen, die Prozesserfassung selbst und die geeignete IT-Ausstattung sind dabei zu erarbeiten. Wir wollen Prozesse standardisieren und die bereits vorhandenen IT-Systeme in Studium und Lehre tatsächlich flächendeckend nutzen. Damit beginnen wir jetzt.

Das Gespräch führte Stefanie Terp


Das Strategiepapier ist im TU-Intranet zu finden:
www.tu-berlin.de/?id=112180

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2012

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