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TU Berlin

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Innenansichten

Muss es immer Englisch sein?

Freitag, 16. Dezember 2011

Umfrage zum Thema "Deutsch in den Wissenschaften"

Deutsch spielt seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle in der Wissenschaft. Deutschsprachige Quellen stellen in vielen Fällen Grundlagentexte von Wissenschaftsdisziplinen dar. Mit der wachsenden internationalen Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen ist Englisch als Kommunikationssprache bei den Wissenschaften in den Mittelpunkt gerückt. Trotzdem gibt es in der Hochschulpolitik Tendenzen, das Deutsche weltweit wieder zu fördern. TU intern befragte einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach ihrer Meinung zum Thema.

Prof. Dr. Dorothee Brantz, Leiterin des Center for Metropolitan Studies
Lupe

Wie alle Forschungszentren müssen wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen. Wir sind dabei, Stipendiaten für ein Graduiertenkolleg im Bereich der globalen Stadtforschung auszuwählen, und mussten entscheiden, ob die Kollegsprache Deutsch oder Englisch sein soll. Da wir ein internationales Kolleg mit Partneruniversitäten in New York und Toronto sind und eine breite Gruppe von Doktoranden und Postdocs ansprechen möchten, muss unser Kolleg vorrangig auf Englisch stattfinden, aber Deutsch wird auch eine wichtige Rolle spielen. In Bezug auf Publikationen ist der Druck, auf Englisch zu veröffentlichen, groß, wenn man zu internationalen Debatten beitragen möchte. Da ist man mit Deutsch schnell in einem zu engen wissenschaftlichen Rahmen.

Prof. Dr. Roland Lauster, Leiter des Fachgebiets Medizinische Biotechnologie
Lupe

In der Biotechnologie findet die englische Sprache Anwendung bei referierten wissenschaftlichen Publikationen, auf Kongressen mit internationaler Beteiligung, in wissenschaftlichen Vorträgen und Seminaren sowie in vielen Lehrveranstaltungen in den Master-programmen. Die deutsche Sprache findet Anwendung in populärwissenschaftlichen Darstellungen deutschsprachiger Medien und auf deutschsprachigen Fachtagungen. Als Grundregel gilt, dass, sobald eine Person teilnimmt, die nicht die deutsche Sprache spricht, die Veranstaltung auf Englisch stattfindet. Es wird nicht gefragt, ob jemand kein Englisch spricht. Dies kann dazu führen, dass Studierende, die zum Studium nach Deutschland kommen und die deutsche Sprache erlernt haben, den Vorlesungen nicht folgen können.

Prof. Dr. John M. Sullivan, Leiter des Fachgebiets Mathematische Visualisierung
Lupe

Der Vorteil des Englischen als Wissenschaftssprache ist, dass jeder nur die eine Fremdsprache beherrschen muss. In der Mathematik ist Englisch die Sprache der Forschung. Die deutschen Mathematiker haben dies schon vor Jahrzehnten verstanden und publizieren nur noch auf Englisch, denn manche Fachbegriffe haben keine deutsche Übersetzung. Als ich an die TU Berlin kam und noch nicht so gut Deutsch konnte, wurde mir gesagt, dass ich meine Vorlesungen auf Englisch halten könnte: Dies sei sogar ein Vorteil für die Studierenden, die dabei ihr wissenschaftliches Englisch üben. Inzwischen habe ich 20 englischsprachige Lehrveranstaltungen angeboten und es war nie ein Problem für die deutschen Teilnehmer. Nur einmal hat ein spanischer Student Enttäuschung geäußert: er sei nach Berlin gekommen, um in deutscher Sprache zu studieren.

Dipl.-Ing. Miranda Kahlert, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bauingenieur- wesen
Lupe

Deutsch als Wissenschaftssprache hat eine ganz klare Berechtigung im deutschsprachigen Lehr- und Forschungsbetrieb. Genauso wie jede andere Sprache in ihrem jeweiligen Land. Das gilt jedoch nicht für internationale Veröffentlichungen. Zwischen diesen beiden Punkten sollte unterschieden werden. In technisch orientierten Fächern, bei denen es egal ist, ob diese oder jene Formel in Englisch oder in Deutsch dasteht, ist mit dem Beginn der Einführung der europäischen Normung klar geworden, dass, obwohl es sich um reine Übersetzungen der Fachbegriffe handelt, diese zu Verwirrungen führen können. Es heißt also, eine Sensibilisierung für die Problematik der Mehrsprachigkeit zu fördern.

Dipl.-Ing. Heiko Herzberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lichttechnik
Lupe

Meine Meinung zu dem Thema ist mit der Aussage der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) "Wissenschaft ist ihrem Wesen nach international. Diese Internationalität geht notwendigerweise sowohl mit Multikulturalität als auch mit Multilingualität einher …" sehr gut beschrieben. Im Bereich der Lichttechnik sowie in vielen Bereichen der Forschung ist Deutschland führend. Die meisten Gespräche und Konferenzen zu diesem Thema sind in deutscher Sprache, es hat daher wenig Sinn, sich Dokumente in englischer Form zu übermitteln. Durch die Übersetzungen können schnell Missverständnisse in den Aussagen entstehen, welche in deutscher Sprache besser zum Ausdruck gebracht werden können.

Dr.-Ing. Bernd Stary, Postdoc und Koordinator für den Master- studiengang Geodesy and Geoinformation Science/ Forschungs- plattform Geo.X
Lupe

Es gibt hier eine Tradition, und die deutsche Sprache ist und bleibt unser schützenswertes Kulturgut. Aber die Gegenwart von heute ist die Tradition von morgen. Seit vielen Jahren haben wir uns in den Wissenschaften darauf verständigt, dass Englisch die internationale Sprache der Wahl ist. Englisch ist eine strukturell einfache Sprache, die in fast allen Ländern der Welt gleichermaßen gelehrt wird. So wie wir weltweit die Mathematik als DIE universelle Sprache verstehen, ist der gemeinsame Nenner in der Wissenschaftssprache Englisch. Unser englischsprachiger Studiengang funktioniert, und wir verständigen uns hervorragend, auch ohne dass wir unsere Muttersprache darüber vergessen.

Agnieszka Asemota / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 12/2011

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