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TU Berlin

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Innenansichten

"Wir küren nicht die Nummer 1"

Freitag, 14. Oktober 2011

"U-Multirank" soll für mehr Transparenz im internationalen Vergleich sorgen

Gero Federkeil
Der Diplom-Soziologe Gero Federkeil koordiniert bei der gemeinnützigen CHE Centrum für Hochschulentwicklung GmbH als Projektmanager die internationalen Ranking-Aktivitäten sowie das U-Multirank-Projekt
Lupe

Herr Federkeil, CHE und weitere Partner haben kürzlich das multi-dimensionale Hochschulranking "U-Multirank" vorgestellt, das weltweit Transparenz über die Leistungsfähigkeit der Hochschulen schaffen soll. Es gibt bereits etwa zehn internationale Rankings. Warum scheint Ihnen ein weiteres Ranking aus europäischer Sicht notwendig?

Wir glauben, dass die existierenden Rankings, insbesondere auch die maßgeblichen drei - das Shanghai Ranking, das QS Ranking und das Times Higher Ranking - gravierende methodische Schwächen haben. Das führt dazu, dass sie nur sehr begrenzt aussagefähig sind und auch falsche politische Signale setzen. Es geht bei U-Multirank nicht primär darum, dem eine europäische Perspektive entgegenzusetzen, in der die europäischen Hochschulen besser abschneiden; es geht vielmehr darum, ein sinnvolles Konzept für internationale Rankings zu entwickeln, das der Vielfalt und Komplexität des Hochschulsystems gerecht wird.

Wie sieht das Konzept konkret aus?

Es grenzt sich in mehreren Punkten von den bestehenden Rankings ab, obwohl diese infolge der positiven öffentlichen Resonanz auf das U-Multirank-Konzept bereits kleinere Veränderungen in ihrer Methodik vorgenommen haben. Der Name deutet schon an, dass es sich um ein multidimensionales Ranking handelt, das mehr als nur Leistungen von Hochschulen in der Forschung einbezieht: Neben Studium und Lehre, der Forschung und dem Wissenstransfer sind dies die internationale Orientierung und das regionale Engagement der Hochschulen. Damit kann U-Multirank die Vielfalt der Leistungen von Hochschulen sichtbar machen und der einseitigen Fokussierung auf die Forschungsexzellenz entgegenwirken. Zudem steht das "U" in U-Multirank nicht nur für "university", sondern auch für "you" - die Entscheidung über die Relevanz der einzelnen Indikatoren wird den Nutzern überlassen, da diese unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was "gute Qualität" einer Hochschule ausmacht. Sie können sich daher die Ranking-Indikatoren nach ihren Präferenzen zusammenstellen. In U-Multirank gibt es keinen Gesamtwert, der aus einer Gewichtung der Einzelindikatoren berechnet wird und eine komplexe Organisation wie Hochschulen mit einer einzigen Zahl beschreibt. Für die Gewichte der einzelnen Indikatoren gibt es weder theoretische noch empirische Gründe. In Deutschland kennt man das schon aus dem CHE-Ranking, im internationalen Kontext ist dies aber neu.

Weiter wird U-Multirank keine Rangliste mit einzelnen Rangplätzen ähnlich einer Bundesligatabelle erstellen, sondern - wie im CHE-Ranking - die Hochschulen bei jedem Indikator in eine bestimmte Zahl an Gruppen einteilen. Das ist methodisch sauberer als Ranglisten, in denen häufig ein kleiner Unterschied im Indikatorwert zu großen Unterschieden in den Rangplätzen führt. Das heißt, wir küren nicht die "Nummer 1"! Und last but not least stehen bei U-Multirank fachbezogene Rankings weitaus stärker im Vordergrund als bei den existierenden Rankings.

Kann in diesem Ranking der viel zitierte Vergleich von Äpfeln mit Birnen vermieden werden?

Das ist genau einer der grundlegenden Ansprüche von U-Multirank. Die existierenden globalen Rankings beziehen faktisch nur einen Typ von Hochschule ein: die international orientierte Forschungs(voll)universität - sie sagen dies aber nur selten explizit. Die implizite Botschaft der existierenden Rankings ist: Die Birnen, die wir gar nicht betrachten, sind schlechter als die Äpfel, die wir bewerten. Hochschulen mit einer fachlichen Spezialisierung außerhalb der Naturwissenschaften und Hochschulen mit einer stärkeren Konzentration auf die Lehre haben keine Chance, dort aufzutauchen, auch wenn sie mit Blick auf ihre Ziele noch so gut sein mögen. U-Multirank will auch andere Profile und Typen von Hochschulen einbeziehen, um auf einer breiten Basis Transparenz zu schaffen. Natürlich kann man aber eine Kunsthochschule oder eine deutsche Fachhochschule nicht mit Harvard vergleichen. Daher umfasst die Logik von U-Multirank zwei Schritte: In einem ersten Schritt wählt der Nutzer oder die Nutzerin anhand einer Reihe von Kriterien, die aus dem "U-Map"-Projekt zur Klassifizierung der europäischen Hochschulen stammen, ein bestimmtes Profil von Hochschulen aus, die dann im zweiten Schritt im Ranking miteinander verglichen werden. So werden die Früchte zuerst sortiert und dann Äpfel mit Äpfel und Birnen mit Birnen verglichen.

Wie ist das Feedback von den Hochschulen?

Wir erhielten eine überwiegend sehr positive Resonanz. Das führen wir darauf zurück, dass wir sehr ausführlich die Expertise nicht nur von Hochschulen, sondern auch einer Vielzahl von Organisationen wie internationalen Studierendenorganisationen einbezogen haben. Vor allem auch Hochschulen bewerten das Verfahren positiv, die keine Chance haben, in den auf Forschung beschränkten Rankings sichtbar zu werden. Die bestehenden Rankings suggerieren, dass diejenigen, die nicht unter den ersten 500 auftauchen, schlechter sind als die, die es geschafft haben. Die meisten sind aber schlichtweg anders, haben andere Profile und andere Ziele. Bei den Studierenden, die wir auch befragt haben, stießen unter anderem besonders die Möglichkeit ihrer flexiblen und nutzerfreundlichen Auswahl auf positive Resonanz.

Wie wurde der Machbarkeitstest durchgeführt?

Rund 150 Hochschulen unterschiedlichen Profils nahmen an der Pilotstudie teil, rund zwei Drittel aus Europa und ein Drittel aus anderen Teilen der Welt. Es wurden Daten zu den Hochschulen und zu den Pilotfächern Wirtschaft/Management sowie Maschinenbau und Elektrotechnik erhoben. Außerdem haben wir erstmalig überhaupt in diesem globalen Vergleich die Sichtweise der Studierenden einbezogen.

Wie sind die Chancen, dass ein europäisches Ranking weltweit gleichrangig mit den "etablierten" Rankings behandelt wird?

Das muss sich in der Tat zeigen. Wir sind aber überzeugt, dass wir ein solideres und aussagekräftigeres Konzept entwickelt haben, das viele Schwächen der bestehenden Rankings vermeidet. Weltweite Akzeptanz wird U-Multirank aber nur finden, wenn nicht der Eindruck entsteht, es gehe dabei um eine Initiative zur positiveren Darstellung der europäischen Hochschulen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2011

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