direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

20 Jahre Frauenbeauftragte

… und die nächsten 20 Jahre?

Donnerstag, 17. Februar 2011

Das ehemalige "Schmuddelthema" Frauenförderung ist heute zum Prestigethema geworden

Andrea Blumtritt trat im Sommer 2010 als dritte Frauenbeauftragte ihr Amt an der TU Berlin an
Lupe

Vor über 20 Jahren wurde im Berliner Hochschulgesetz die Bestellung von hauptberuflichen Frauenbeauftragten vorgeschrieben. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Arbeit gelten inzwischen seit 2005 unverändert. Seitdem arbeiten die Zentralen Frauenbeauftragten an der Aufgabe, mehr Chancengleichheit für Frauen im Wissenschaftsbetrieb umzusetzen.

Auf den ersten Blick scheint das ein relativ stabiles Szenario zu sein, in dem sich zentrale Arbeitsfelder wie Berufungs- und Einstellungsverfahren oder Gremienarbeit etabliert haben. Doch in letzter Zeit ist wieder viel Bewegung um das Amt entstanden. „Es gibt noch immer zahlreiche strukturelle Barrieren in der Wissenschaft, aber auch unterschwellige Diskriminierungsformen und die Neigung zu homosozialer Kooptation unter vielen meiner Kollegen“, kritisierte der damalige Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Prof. Dr. Peter Strohschneider, als dieser 2007 seine Empfehlungen zur Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern publizierte. Für diese Erkenntnis mögen die offensichtlichen Defizite der Beteiligung von Frauen am Wissenschaftsbetrieb, die in der internationalen Begutachtung der Exzellenzanträge 2006 bemängelt wurden, eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Als dann die Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2008 die Einführung und Umsetzung „Forschungsorientierter Gleichstellungsstandards“ verabschiedete, war endgültig eine neue Dynamik in Gang gesetzt. Die Universitäten – und damit auch die TU Berlin – verpflichteten sich, bei Ungleichheit und diskriminierenden Strukturen Abhilfe zu schaffen.

Das ehemalige „Schmuddelthema“ Frauenförderung, mit dem sich niemand schmücken wollte, ist nun als Prestigethema in den Präsidien angekommen. Derart „geadelt“ wurde es auch im Wahlkampf für das Präsidium der TU Berlin auf die Agenda gesetzt. Der neue Präsident Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach gab hierzu ein entscheidendes Statement ab: Chancengleichheit sollte nun Chefsache werden.

Diese neue Gewichtung des Themas führte zu strukturellen Veränderungen an der Universität: Eine Stabsstelle, das Gender Controlling, erweitert nun die bisherige Controllingstruktur um den Aspekt der Gleichstellung. Und mit der Konstituierung der Plattform zur Umsetzung der Gleichstellungsstandards (PUG) wurden im Herbst 2010 Akteurinnen und Akteure auf dezentraler Ebene verstärkt in die Prozesse zur Umsetzung der Standards eingebunden. Was bedeutet dies alles für die Arbeit der Zentralen Frauenbeauftragten?

Zum einen werden Gleichstellungsdefizite breit diskutiert und sind von der Peripherie ins Zentrum gewandert. Auf den ersten Blick ist das eine wunderbare Gelegenheit, alle Mitglieder der Universität für das Thema zu sensibilisieren und Mitstreiter/-innen für Gleichstellungsaktivitäten zu gewinnen. Argumente für ein stärkeres Engagement in der Gleichstellung von Männern und Frauen, die von außen herangetragen werden, unterstützen die Arbeit der Frauenbeauftragten, auch durch das Maß an Verbindlichkeit, das nun von der Universität erwartet wird. Dass die Arbeit der Frauenbeauftragten dadurch sehr viel einfacher oder künftig sogar überflüssig werden wird, ist allerdings in naher Zukunft wohl nicht zu erwarten. Denn parallel wachsen derzeit auch die zu bewältigenden Aufgaben. Fast jeder Antrag – in Forschung, Landesförderung, Auditierung und anderen Bereichen – muss mit Gleichstellungskonzepten verknüpft werden. Wissen und Sachkompetenz dazu konzentrieren sich jedoch nach wie vor auf wenige Personen, was dem aktuellen Bedarf nicht entspricht. Empfehlenswert wären darum der Aufbau gleichstellungspolitischer Kompetenzen auf breiter Ebene sowie die Bündelung von Sachverstand in einem Expertinnen- und Expertenpool. Die Kooperationsstrukturen zwischen der neuen Stabsstelle und dem etablierten Amt der Zentralen Frauenbeauftragten müssen ebenfalls sinnvoll abgestimmt werden, damit die TU Berlin in Zukunft von den Synergieeffekten profitieren kann und gemeinsam strukturelle Veränderungen für die nächsten Jahre auf den Weg gebracht werden. Dies wird entscheidend sein, um den Kulturwandel an der Universität zu etablieren und die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen: Sei es die Unterrepräsentanz von Frauen auf Leitungsebenen und in Gremien, seien es Fälle sexualisierter Diskriminierung, Desiderate in der Berücksichtigung der Geschlechterforschung oder eine systematische Neuordnung der Gleichstellungsbereiche.

Die Arbeit wird den Frauenbeauftragten an der TU Berlin nicht ausgehen, sie wird jedoch unter neuen Vorzeichen der Kooperation und veränderter Interessenkonstellationen stehen: Eine vielversprechende Ausgangslage für die nächsten 20 Jahre, in denen das Amt der Frauenbeauftragten als unabhängige Beratungsinstanz unverzichtbarer Bestandteil universitärer Gleichstellungspolitik bleiben wird.

Dr. Andrea Blumtritt, Zentrale Frauenbeauftragte der TU Berlin / Quelle: "TU intern", 2/2011

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Auxiliary Functions

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.