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TU Berlin

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20 Jahre Frauenbeauftragte

"Frauen wurden gar nicht erst eingeladen"

Donnerstag, 17. Februar 2011

Die erste Frauenbeauftragte der TU Berlin erzählt, wie alles begann

Frau Strate, vor zwanzig Jahren traten Sie als erste Frauenbeauftragte der TU Berlin ihr Amt an. Wie kam es dazu, dass es dieses Amt plötzlich in den Universitäten gab?

Ulrike Strate
Lupe

Das kam keineswegs „plötzlich“. Wir mussten viele Jahre hart dafür kämpfen. Heute ist es selbstverständlich, dass wir eine Kanzlerin haben oder eine Vizepräsidentin. Als ich 1980 an die TU Berlin als wissenschaftliche Mitarbeiterin kam, war die Luft für Frauen in den oberen Etagen auch im Wissenschaftsbetrieb extrem dünn. Doch es gab an der TU Berlin sehr engagierte Professorinnen und Frauen im Mittelbau, die sich mit Frauenforschung und so auch mit der Frage der gesellschaftlichen Partizipation von Frauen beschäftigten. Ich selbst arbeitete mit in der Arbeitsstelle für sozial-, kultur- und erziehungswissenschaftliche Frauenforschung. Auf politischer Ebene war es Carola von Braun, seit 1984 die erste Frauenbeauftragte des Berliner Senats, die Pionierarbeit leistete und uns unterstützte.

Das Hochschulgesetz schrieb eine Frauenbeauftragte für die Universitäten bereits 1986 fest. Wieso trat erst 1991 die erste Frauenbeauftragte an der TU Berlin ihr Amt an?

Zunächst mussten Strukturen geschaffen werden. Natürlich stießen wir auch auf massive Widerstände. Eine Einrichtung „TU-Frauenbeauftragte“ wurde schlicht als überflüssig angesehen. Schließlich wurden aber dann doch etwa zeitgleich an allen Berliner Hochschulen die haupt- und nebenamtlichen Frauenbeauftragten gewählt. Das war auch ein Verdienst der guten, hochschulübergreifenden Vernetzung der engagierten Frauen aller Statusgruppen.

Was haben Sie als Erstes in Angriff genommen?

Die erste Infobroschüre
Lupe

Unser wichtigstes Ziel war es, den Anteil von Frauen in den Bereichen zu erhöhen, in denen sie unterrepräsentiert waren. Hier hatte sich seit den Fünfzigerjahren fast nichts bewegt. Wir hatten jetzt das Recht, an den Gremien und an allen Berufungs- und Einstellungsverfahren teilzunehmen. Frauen wurden insbesondere in den höheren Positionen trotz exzellenter Bewerbungsunterlagen oft gar nicht zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Wesentlich war auch das Vetorecht der Frauenbeauftragten, wodurch diskriminierende Entscheidungen neu überprüft werden mussten. Dies hatte zumindest eine aufschiebende Wirkung und eröffnete eine weitere Handlungs- und Einflussmöglichkeit. Eine weitere Aufgabe war die Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Frauen. Es gab entsprechende Weiterbildungsangebote, Frauenforschungsprojekte und ein „lila Vorlesungsverzeichnis“, das Vorlesungen und Seminare zu feministischen Fragestellungen anbot. Und es gab spezielle Frauen-Tutorien wie die „Meßtechnische Übung – Ein Lehrgang für Frauen in der Werkstatt“. Es zeigte sich übrigens, dass auch die Studenten gerne daran teilgenommen hätten, da eben nicht nur den Studentinnen die praktische Erfahrung fehlte. Zur Vernetzung und zum besseren Erfahrungsaustausch wurde außerdem die „Landeskonferenz der Frauenbeauftragten der Berliner Hochschulen“ (LAKOF) und später die entsprechende Bundeskonferenz gegründet (BUKOF).

Welche besonderen Schwierigkeiten gab es?

Es hat durchaus Energie gekostet, das in vielen Bereichen stark vorherrschende männerbündische Denken aufzubrechen. Aber es war eine Zeit des Aufbruchs und es hat auch Spaß gemacht. So wurde der erste Frauenförderplan zum Beispiel im AS als „Machwerk“ verunglimpft. Daraufhin habe ich mich gemeinsam mit Frauen aus meinem Beirat mit AS-Vertretern zusammengesetzt, um die Bedenken gegen den Frauenförderplan auszuräumen. Und das ist gelungen. Wir waren die einzige Berliner Universität, die einstimmig den Frauenförderplan verabschiedet hat. Ein wichtiges Instrument waren auch zusätzliche Mittel vom Berliner Senat, um Frauen in der Habilitationsphase zu fördern. Besonders in Naturwissenschaften und Technik bildete das einen Anreiz für die Einstellungen von Frauen. Es hat sich gezeigt, dass Frauenförderung nicht zum Null-Tarif zu bekommen ist.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 2/2011

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