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TU Berlin

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Innenansichten

"Uneitel und entschieden in der Sache"

Montag, 25. Januar 2010

Zum Abschied der Zentralen Frauenbeauftragten der TU Berlin zieht eine Kollegin Bilanz

Als Zentrale Frauenbeauftragte hat Heidi Degethoff de Campos viele Maßnahmen initiiert, um Schülerinnen den Spaß an Technik zu vermitteln. Hier beim Girls' Day an der TU Berlin
Lupe

Ende 2009 hat Heidi Degethoff de Campos ihre Tätigkeit als Zentrale Frauenbeauftragte der TU Berlin beendet. Die erste ihrer insgesamt vier Amtsperioden begann 1993, kurz nach meinem eigenen Amtsantritt als Zentrale Frauenbeauftragte der Humboldt-Universität. Im Unterschied zu mir, die ich von außen kam, war sie von Anfang an gut mit der hiesigen Frauenszene vernetzt und von den selbstbewussten Ansprüchen der Berliner Frauenpolitik geprägt. Sie war auf dem zweiten Bildungsweg Ende der 70er-Jahre zum Studium an die TU gekommen, wo sie anschließend fünf Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle Sozial-, Kultur- und Erziehungswissenschaftliche Frauenforschung mitarbeitete.

In den folgenden 16 Jahren haben wir bei vielen Gelegenheiten eng zusammengearbeitet, vor allem in der Landeskonferenz der Frauenbeauftragten an Hochschulen in Berlin (LaKoF), aber auch in der Bundeskonferenz der Frauenbeauftragten und Gleichstellungsbeauftragten (BuKoF). Dabei hatte ich immer wieder Gelegenheit, ihre Energie, Kreativität und Hartnäckigkeit und ihre eminent politische Herangehensweise an die Aufgaben einer Frauenbeauftragten zu beobachten. An den Aktivitäten der LaKoF zu effektiveren Regelungen zur Gleichstellung in den zahlreichen Novellierungen des BerlHG hat sie ebenso mitgearbeitet wie an unseren erfolgreichen Bemühungen um die Integration des Faktors Gleichstellung in die leistungsbezogene Mittelvergabe im Zuge der Hochschulverträge oder an der Gestaltung des Berliner Programms zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Lehre, wo sie seit 2001 Mitglied der zuständigen Landeskommission war. In der BuKoF war sie seit 1996 Sprecherin der Kommission Personalstruktur, in der wir die entsprechende Bundesgesetzgebung begleitet haben, von der Verbesserung der Verlängerungsmöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen mit Kindern bis zur Einführung der Juniorprofessur. Auch eine bundesweite Umfrage zur Dual-Career-Problematik unter allen Frauenbeauftragten haben wir 2005 gemeinsam veranstaltet und Empfehlungen der BuKoF dazu vorbereitet, ebenso wie zur Nutzung des Bologna-Prozesses zur besseren Integration von Genderaspekten in die Lehre.
Die Zusammenarbeit mit ihr war nicht immer nur einfach, sie hatte ihre Ecken und Kanten, aber vom Ergebnis der gemeinsamen Arbeit her betrachtet war sie eine ausgesprochen gute Teamarbeiterin: effektiv, zuverlässig, uneitel in Bezug auf Formulierungen, aber entschieden in der Sache, unterstützend und frei von Konkurrenz.

Die Gleichstellungsbilanz der TU Berlin kann sich als Ergebnis vor allem auch ihrer Tätigkeit im überregionalen Vergleich sehr gut sehen lassen, vom Professorinnenanteil über die Doktorandinnenförderung bis zu den erfolgreichen Bemühungen um die Gewinnung von Frauen für technische Studiengänge. Ich wünsche ihrer Nachfolgerin, dass sie mit der gleichen Effektivität und Kreativität die Arbeit fortsetzen kann, und Heidi Degethoff de Campos wünsche ich viel Erfolg in ihrem neuen Betätigungsfeld als Gender-Controllerin.

Die Autorin, Marianne Kriszio vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität, war 1993–2009 Zentrale Frauenbeauftragte der HU Berlin und 1997–2009 im Vorstand der Bundeskonferenz der Frauenbeauftragten und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (BuKoF).

Goldene Ehrennadel für Frauenbeauftragte

"Mit großem Elan und hohem Engagement hat sich Frau Degethoff de Campos unbeirrt für mehr Geschlechtergerechtigkeit an der Technischen Universität und darüber hinaus im Land Berlin eingesetzt. Streitbar, aber immer zu fairen Lösungen bereit, hat sie in besonderer Weise die Interessen der Frauen an der TU Berlin gefördert und wichtige Programme zur Chancengleichheit landesweit initiiert." Mit diesen Worten überreichte TU-Präsident Kurt Kutzler Heidemarie Degethoff de Campos zum Abschied aus dem Amt der Zentralen Frauenbeauftragten Anfang Januar 2010 die Goldene Ehrennadel der TU Berlin. Heidi Degethoff habe durch ihr mittlerweile 16-jähriges Wirken in diesem Amt den Grundstein für mehr Chancengleichheit an der Universität gelegt. Präsident Kutzler erinnerte an viele Programme und Konzepte, Struktur- und Entwicklungspläne oder Zielvereinbarungen, die ihre kompetente und kritische Handschrift trügen. Heute – nach dem tief greifenden strukturellen Wandel von 2004 – liege die Frauenquote bei nun vorherrschend ingenieur- und naturwissenschaftlicher Ausrichtung bei 35 Prozent von 28 000 Studierenden. Dies sei ein großer Erfolg, der erst durch von ihr entwickelte, innovative Programme wie die Schülerinnen-Technik-Tage, den Girls' Day an der TU Berlin oder den Techno-Club möglich geworden sei. Auch der Professorinnenanteil läge inzwischen bei 15 Prozent, während er 2003 nur sieben Prozent betrug. An ihr erfolgreiches, facettenreiches Wirken für Wissenschaftlerinnen, zum Beispiel durch die Schaffung von Gastprofessuren, erinnerte die dritte Vizepräsidentin Dr. Gabriele Wendorf. Eine der größten Anerkennungen ihres "Gesamtwerkes" sei die Verleihung des Total-E-Quality-Awards 2008 an die TU Berlin.
Zum 1. Januar 2010 übernahm Dr. Andrea Blumtritt das Amt der Zentralen Frauenbeauftragten der TU Berlin. Sie war im November vom TU-Frauenbeirat in dieses Amt gewählt worden.

pp / Quelle: "TU intern", 1/2010

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