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TU Berlin

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Innenansichten

Mit Gebärdensprache zum Wunschberuf

Montag, 25. Januar 2010

Die TU Berlin bildet eine gehörlose Chemielaborantin aus

Der Beruf der Chemielaborantin bietet der gehörlosen Anna Paliszewska gute Zukunftschancen
Lupe

Im Chemielabor von Professor Reinhard Schomäcker diskutiert eine zierliche blonde Frau heftig gestikulierend mit einem Mann. Bei oberflächlichem Hinsehen stellt sich die Frage, wieso Chemie die Gemüter so erhitzen kann. Schaut man genauer hin, sieht man, dass die beiden sich in Gebärdensprache unterhalten.

Anna Paliszewska befindet sich in der Ausbildung zur Chemielaborantin an der TU Berlin und ist seit ihrer Geburt gehörlos. In ihrem Arbeitsalltag wird sie immer von einem Gebärdendolmetscher begleitet. Denn gehörlose Menschen stoßen auf eine Sprachbarriere, da sie gesprochene Worte nicht oder nicht ausreichend wahrnehmen und verarbeiten können, während umgekehrt die hörende Mehrheit in der Regel nicht über Kenntnisse der Gebärdensprache verfügt. Somit sind beide Seiten auf einen Sprachmittler angewiesen. Die Finanzierung der beiden Dolmetscher Anett Küttner und Fred Mitschke, die Anna begleiten, erfolgt über das Integrationsamt. Auf die Frage, ob es Unterschiede in der Übersetzung gibt, meint Anna Paliszewska schmunzelnd: "Ich merke an Kleinigkeiten, wer sich mehr für die Chemie interessiert."

Dass es gerade eine Ausbildung zur Chemielaborantin wurde, begründet die Auszubildende damit, dass der Beruf sich gut für Gehörlose eigne, weil er wenig Kommunikation erfordere, Arbeitsanweisungen erfolgen meist schriftlich. "Sie hat sich ganz normal um einen Ausbildungsplatz beworben", erzählt der Chemie-Ausbilder der TU Berlin, Andreas Eckert. "Und nach dem gängigen Auswahlverfahren setzte sie sich mit vier anderen Bewerbern gegen 500 durch." Die TU Berlin schlug ein 14-tägiges Praktikum vor, um sicherzugehen, dass auch sie als Arbeitgeber den Anforderungen gewachsen ist. Bisher lagen keine Erfahrungen mit der Ausbildung von Gehörlosen vor. Andreas Eckert: "Frau Paliszewska stellte sich von Anfang an sehr geschickt an … und wir uns auch. Besonders angetan von diesem Verfahren war auch unsere Kanzlerin Dr. Ulrike Gutheil. Sie hat das Zustandekommen des Ausbildungsvertrages sehr unterstützt."

Zunächst arbeitete Anna bei der Umgestaltung des Praktikumssaals für die Anforderungen des neuen Bachelorstudienganges mit. Dabei musste sie immer wieder die großen Handschuhe ausziehen, damit der Dolmetscher ihre Gebärden verstehen konnte.

In der Berufsschule, die sie montags besucht, steht ihr ein Stützlehrer zur Seite, der die Mitschriften vornimmt. Auch für das Berufsleben wird Anna Paliszewska von einer Arbeitsassistenz begleitet werden müssen, denn viele Chemielabore arbeiten zweisprachig, aber nicht jedes kann von sich behaupten, dass dort in Laut- und in Gebärdensprache gearbeitet wird. Um das zu sehen, muss man allerdings schon genauer hinschauen.

Nadja Zivkovic / Quelle: "TU intern", 1/2010

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