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TU Berlin

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Neues Profil: Die TU Berlin 2000 – 2010

Hochschule mit Zugbrücke – es ist etwas passiert in diesem Land

Montag, 22. Februar 2010

Ein Jahrzehnt Wissenschaftskommunikation in Deutschland und an der TU Berlin

Von Günter M. Ziegler

Eine Wissenschaftsshow zum Erstsemestertag an der TU Berlin kommuniziert statt trockener Theorie den Spaß an Wissenschaft
Lupe [1]

Im Jahr 1986 wurde der damalige Bundeswirtschaftsminister von einer großen Fernsehzeitschrift gefragt, wie viele Nullen denn eine Milliarde habe – und der wusste es nicht. Im Jahr 2000 prahlte der deutsche Bundeskanzler auf einer „Jugend forscht“-Preisverleihung, als Schüler unterdurchschnittlich in Mathe gewesen zu sein – und war sich des Beifalls seiner Umgebung sicher. Ende 2008, auf der Abschlussveranstaltung des Jahres der Mathematik, versuchte die Bildungsministerin aus Nordrhein-Westfalen dasselbe wie der Altkanzler noch einmal – und wurde vom Publikum ausgebuht und von der Bundesministerin für Bildung und Forschung getadelt. Das kleine Beispiel zeigt: Es ist etwas passiert in diesem Land. Im Spitzentrio bei der Internationalen Mathematikolympiade 2009 gewann eine 16-jährige Schülerin aus Dresden Gold – und die Kamera der Tagesschau war dabei; beim Mathe-Adventskalender der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) und des Forschungszentrums MATHEON, bei dem es täglich eine Matheaufgabe statt Schokolade gibt, nahmen im Advent des Vorjahres 48 000 Schülerinnen und Schüler teil. Beim Känguru-Wettbewerb 2009 knobelten mehr als 800 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an deutschen Schulen an Matheaufgaben – und das freiwillig!

Bis zu diesen Erfolgen war es ein weiter Weg; und natürlich sind wir noch nicht am Ziel. Dennoch bleibt festzuhalten, dass wir auf ein sehr erfolgreiches Jahrzehnt der Wissenschaftskommunikation in Deutschland zurückblicken. Ohne Garantie auf Erfolg haben vor rund zehn Jahren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – um ein Bild von Hans Magnus Enzensberger zu gebrauchen – die Zugbrücke herabgelassen und ihre sichere Burg der Erkenntnis verlassen, haben Wissenschaftsorganisationen die PUSH-Initiative gegründet (heute bekannt als "Wissenschaft im Dialog", kurz WiD) und haben universitäre Pressestellen neue Kommunikationsformate entwickelt, wie zum Beispiel die "Lange Nacht der Wissenschaften". An vorderster Front der Kommunikationsoffensive mit dabei: Die TU Berlin, in der Gründungsphase von WiD vertreten durch Dr. Kristina R. Zerges, die langjährige Leiterin der Pressestelle der TU Berlin. In den folgenden Wissenschaftsjahren sollte die TU Berlin regelmäßig Exponate für Wissenschaftssommer und Wissenschaftsschiff, die Präsentationsformate von WiD, beisteuern. Im Wissenschaftsjahr 2008, dem Jahr der Mathematik, stand dann der Autor, Mathematik-Professor der TU Berlin und damals Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, an der Spitze der Fachgesellschaften, die das Wissenschaftsjahr inhaltlich und darüber hinaus prägten. Für den großen Erfolg des Jahres der Mathematik – und für andere neue Formate der Wissenschaftskommunikation, wie das "Science Café" an der Berliner Urania – wurde der Autor vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem Communicator-Preis ausgezeichnet. Der Auftrieb, den die Mathematiker bei der öffentlichkeitswirksamen Präsentation ihres Fachs 2008 gewannen, wirkt bis heute nach. Seit dem Jahr der Mathematik befindet sich das "Medienbüro Mathematik" der Deutschen Mathematiker-Vereinigung an der TU Berlin, welches die Medien regelmäßig mit vielfältigen Themen aus der Welt der Mathematik versorgt. Seit Februar 2010 ist zusätzlich das "Netzwerkbüro Schule-Hochschule" der DMV an der TU Berlin beheimatet, das auf Mathematiklehrerinnen und -lehrer zugehen und sie in einem neuen Lehrerforum in der DMV betreuen wird.

Für ihre Vorreiterrolle in der Wissenschaftskommunikation erhielt die TU Berlin zahlreiche Auszeichnungen. So bekam die TU-Pressestelle im Jahr 2005 von der Hochschulrektorenkonferenz und "Die Zeit" den ersten Preis für Hochschulkommunikation für das beste Publikationskonzept; im Jahr 2007 den zweiten für den besten Internetauftritt deutscher Hochschulen. Bereits 2001 hatte die TU Berlin für ihre PR-Arbeit im Internet unter 324 ausgewerteten Online-Angeboten der deutschen Hochschulen den ersten Rang belegt. Auch das Konzept zur Betreuung deutscher Absolventen, das vom Presse- und Informationsreferat entwickelt wurde und betreut wird, konnte sich 2001 beim bundesweiten Wettbewerb "Alumninetzwerke" des Deutschen Stifterverbandes unter den Top Ten platzieren.

Seit Jahren ist die TU Berlin während der "Langen Nacht der Wissenschaften", dem größten Wissenschaftsevent in der Hauptstadtregion, die meist besuchte Einrichtung. 2009 zählten die 30 geöffneten Wissenschaftshäuser der Universität 66 000 Besuche – eine Steigerung um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das "Haus der Ideen" (TU-Hauptgebäude) erzielte mit fast 18 000 Besuchen erneut den größten Zuspruch in Berlin und Potsdam.

Auch bei der Begrüßung ihrer Erstsemester setzte die TU Berlin Trends: Seit 2003 werden die Erstsemester zu Beginn des Wintersemesters mit einer Wissenschaftsshow im Audimax begrüßt – organisiert von der Pressestelle. Das Konzept: Ein bekannter TV-Moderator führt durch die Forschung an der TU Berlin; einer davon, Karsten Schwanke, erhielt kürzlich die Goldene Kamera für seine Wissenssendungen. Für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der TU Berlin bietet die Pressestelle ganztägige Seminare für Wissenschaftskommunikation an. So ist auch der Nachwuchs erfolgreich: 2009 erhielt der Informatiker Christian Fleischer für eine Darstellung seiner Dissertation den "Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft".

Zahlreiche Abteilungen und Fakultäten der TU Berlin haben neue Veranstaltungsformate aufgelegt, um Schüler und insbesondere Schülerinnen für ein Studium an der TU Berlin zu begeistern: den Techno-Club, die Kinder-Uni, den Girls’ Day und so weiter. Zur Vermittlung von Wissenschaft und als Werbung für MINT-Fächer werden jedes Jahr Hunderte von Schülerinnen und Schülern in die Uni eingeladen: Die Zugbrücke ist also wieder in Betrieb und wird vor allem auch in die andere Richtung, nämlich in die "Wissensburg" TU Berlin hinein, genutzt, immer mit Unterstützung des Präsidenten Kurt Kutzler. Ich wünsche der TU Berlin und ihrer Pressestelle weiterhin viel Kreativität und Schwung bei ihren Kommunikationskonzepten; es wird mir weiter ein Vergnügen sein, dazu Beiträge zu liefern.

Prof. Günter M. Ziegler, PhD, ist Professor am Institut für Mathematik / Quelle: "TU intern", 2/2010

"TU intern" Februar 2010

  • Online-Inhaltsverzeichnis [2]
  • Hochschulzeitung "TU intern" - Februar 2010 [3]
  • Neues Profil: Die TU Berlin 2000 – 2010 (Sonderbeilage) [4]

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