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TU Berlin

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Neues Profil: Die TU Berlin 2000 – 2010

Fakultätsübergreifende Vernetzung als Trumpfkarte

Montag, 22. Februar 2010

Geisteswissenschaften an einer modernen technischen Universität

Von Adrian von Buttlar

Forschung zwischen Kunst und Technik: Gemälde werden auf der Basis wissenschaftlicher Daten beurteilt, zum Beispiel durch Schwingungsmessungen per Laser. Damit sollen Kunstschätze besser geschützt werden
Lupe

Man kennt das Vorurteil, die "exakten" Natur- und Technikwissenschaften seien das "saure Brot des Alltags", die Kultur- und Geisteswissenschaften der "süße Nachtisch für den Feierabend". Mit dem Slogan vom Auseinanderdriften der "zwei Kulturen" warnte C. P. Snow schon 1959 vor dieser Spaltung unseres Erkenntnispotenzials. Gerade weil in den Prozessen der Modernisierung und Globalisierung Konflikte zwischen technischen und kulturellen Faktoren an der Tagesordnung sind, müssen beide Wissenschaftskulturen heute enger denn je zusammengeführt werden. Sie müssen ihren gemeinsamen Ursprung und ihre wechselseitige Abhängigkeit reflektieren und im interdisziplinären Austausch gemeinsam Problemlösungen suchen. Ein solcher Brückenschlag ist zentrale Aufgabe von Geisteswissenschaften an einer modernen technischen Universität.

Als 1946 die TH Charlottenburg als TU Berlin neu eröffnet wurde, ging es darum, technologische Effizienz wieder auf einen humanistischen Wertehorizont auszurichten. Seit 1964 entwickelten sich aus dem humanistischen Begleitstudium eigenständige Studiengänge, und durch die Berufung herausragender Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gewann die Fakultät schnell einen bemerkenswerten Rang in der deutschen Universitätslandschaft. Ausgelöst durch die wachsenden Finanznöte des Landes Berlin und durch den Bologna-Prozess mussten die Berliner Hochschulen 2004 ihr Studienangebot drastisch reduzieren, reformieren und neu profilieren. Die Fakultät I verlor mit der Strukturreform die Hälfte ihrer Fachgebiete und ihres Personals.

Dass die TU Berlin dem Druck zum noch radikaleren Rückbau der Geisteswissenschaften auf wenige „Servicefunktionen“ damals nicht nachgegeben hat, erweist sich heute als Trumpfkarte. Denn der schmerzliche Schrumpfungsprozess war zwangsläufig auch Herausforderung, die Funktion von Geisteswissenschaften an einer technischen Universität erneut zu überdenken und innovative Studiengänge zu entwickeln. Wirft man einen Blick auf die „TU9“ in Deutschland, so findet man dort geisteswissenschaftliche Studienangebote zumeist in bescheideneren Dimensionen als an der TU Berlin. Alleinstellungsmerkmal unserer Fakultät ist jedoch der hohe Grad an Strukturierung, Integration und fakultätsübergreifender Vernetzung des Studienangebotes und der Forschung unter dem gemeinsamen Leitbild "Geisteswissenschaften in der technisch-wissenschaftlichen Welt". Ohne die Rolle eines kritischen Korrektivs aufzugeben, geht es uns darum, Beziehungen und Synergien im Spannungsfeld von kulturellem und natur- und technikwissenschaftlichem Wissen zu erforschen, zukunftsbezogen zu vernetzen und handlungsbezogen zu vermitteln.

Die extreme Nachfrage nach dem interdisziplinären Bachelorstudiengang "Kultur und Technik", die gute Auslastung der lehramtsbezogenen Studiengänge sowie der Erfolg der sieben neuen, die Nahtstellen zu Technik-, Natur- und Planungswissenschaften anpeilenden Masterstudiengänge zeigen, dass unsere Reform zukunftsfähig ist. Die Einheit von Lehre und Forschung wird durch Fokussierung auf vier Schwerpunkte gestärkt, die den Forschungsfeldern der TU Berlin zugeordnet werden können: "Wissensforschung" (federführend im gleichnamigen Innovationszentrum IZW), "Bedingungen von Bildungsprozessen“ mit Schwerpunkten am Institut für Erziehungswissenschaften, "Kulturelles Erbe als Ressource" als Thema der historisch orientierten Fachrichtungen, die technische und künstlerische Artefakte erforschen, sowie natürlich "Interdependenz von Kultur und Technik", wie sie sich beispielhaft etwa in modernen audiovisuellen Medien manifestiert. Die Fakultät I hat heute ein starkes Profil und versteht sich selbst als Alleinstellungsmerkmal der TU Berlin.

Prof. Dr. Adrian von Buttlar ist Dekan der Fakultät I Geisteswissenschaften. / Quelle: "TU intern", 2/2010

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