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Neues Profil: Die TU Berlin 2000 – 2010

Ein Jahrzehnt Studium und Lehre an der TU Berlin

Montag, 22. Februar 2010

Veränderungen, Herausforderungen und Zukunftsaufgaben

Von Jörg Steinbach

Der Bologna-Prozess hat auch in der Studienstruktur der TU Berlin große Veränderungen bewirkt
Lupe

Die vergangenen zehn Jahre Studium und Lehre an der TU Berlin gehen mit zehn Jahren Bologna-Prozess und seiner Umsetzung in den verschiedenen Fachdisziplinen einher. Hinzu kommt das Zehn-Millionen-Projekt "Offensive Wissen durch Lernen" (OWL). Und es endet mit dem Versprechen, eine "Reform der Reform" durchzuführen.

Wie alles begann …

Zur Jahrtausendwende stand der Bologna-Prozess an seinem Anfang. Die allgemeine Unsicherheit, mit Begriffen wie Modul, ETCS, "berufsbefähigender Abschluss" – eine heute noch genauso falsche Terminologie wie das englische "employability" – umzugehen, war groß. Die zusätzliche, auch emotional stark besetzte Frage, ob der Abschied vom klassischen Abschluss "Diplom-Ingenieur" nicht ein Fehler per se sein würde, wurde heftig diskutiert. Der Kollege Professor Jürgen Sahm, damaliger Vizepräsident für Lehre, tat das einzig Richtige. Er ließ im Februar 2000 TU-spezifische Leitlinien für die Studiengangsentwicklung erarbeiten und vom Akademischen Senat verabschieden. Die wichtigsten Aussagen waren:

Die Studiengänge

  • basieren auf der Einheit von Forschung und Lehre,
  • zielen auf hohe fachliche und soziale Kompetenz,
  • verfolgen TU-spezifische Studienziele,
  • bieten Chancengleichheit,
  • sind gut studierbar,
  • zeichnen sich durch Internationalität aus,
  • enthalten überfachliche Studienanteile,
  • sind praxisorientiert,
  • sind modular aufgebaut und integrieren moderne Lehr- und Lernformen
  • und werden durch qualitätssichernde Maßnahmen begleitet.

Diese Grundsätze sind 2010 noch genauso aktuell wie damals. Und wären sie konsequenter beachtet worden, hätte man sich das eine oder andere Problem ersparen können. 2002 übernahm ich ein gut bestelltes Haus, das es mir leicht machte, zunächst eine flächendeckende Evaluation aller Studiengänge mit den Studienbüros der Fakultäten und schließlich Modularisierung und Umstellung auf das Bachelor-Master-System zu steuern. 2003 wurden die Richtlinien aktualisiert und an die gemeinsame Position der TU9, des Zusammenschlusses der größten technischen Universitäten Deutschlands, angepasst. Wesentliche Ergänzungen waren:

  • Ein primäres Bildungsziel ist die Schaffung konkurrenzfähiger, qualitativ hochwertiger und transnational anerkannter Studienprogramme. Ihre Qualität soll durch Akkreditierung sichergestellt werden.
  • In den an der TU Berlin vorhandenen Studienprogrammen sollen die Studierenden in der Regel eine Bildung bis einschließlich zum 2. Zyklus (Master) erhalten.
  • Die Studiengänge der TU Berlin sollen in ihrem Ergebnis auf dem Erreichen von Kompetenzzielen aufgebaut sein und in der Regel dem "3+2-Prinzip" (drei Jahre Bachelor und zwei Jahre Master) folgen.

Das bisher Erreichte

Mit dem Wintersemester 2007/08 war die Umstellung des gesamten Lehrangebots bis auf einen letzten Staatsexamensstudiengang auf das gestufte Bachelor-Master-System erfolgt. In diesen Tagen werden Bachelorabsolventinnen und -absolventen der ersten Jahrgänge fertig. Fast alle setzen die Ausbildung in einem Masterstudiengang fort. Zirka 75 Prozent aller neuen Studiengänge wurden erfolgreich akkreditiert. Die Ingenieurstudiengänge haben alle gleichzeitig das EUR-ACE-Zertifikat erhalten, das den Alumni die Europäische Anerkennung ihrer Abschlüsse garantiert.

„Offensive Wissen durch Lernen“ und Qualitätssicherung

Die Ergebnisse der flächendeckenden Evaluation, die auf der Grundlage der Hochschulverträge von 2003 bis 2005 durchgeführt wurde, zeigten klar die Stärken und Schwächen der Lehre an unserer Universität.

Kürzere Studienzeiten, bessere Betreuung, moderne Labore und didaktisch versierte Hochschullehrer – das waren die Ziele, die es nun zu erreichen galt und die eine nachhaltige Verbesserung in der Lehre realisieren sollten.

"Mit vier Einzelinitiativen wollen wir einen großen Schritt in Richtung Studienreform gehen. Herzstück ist unser neues Zehn-Millionen-Programm ,Offensive Wissen durch Lernen‘. In den nächsten drei Jahren wollen wir damit Geld für mehr Tutoren, eine bessere Geräteausstattung in den Laboren, für Weiterbildungsprogramme im Bereich Didaktik und innovative Studierendenprojekte gezielt an die Fakultäten vergeben", erläuterte TU-Präsident Prof. Dr. Kurt Kutzler bei der Vorstellung der Initiative im Jahre 2006. Mehr als 150 TU-Projekte wurden gefördert. 32 Prozent der Mittel flossen in die Finanzierung von Praktika und allein 18 Prozent in die Tutorenausstattung, um die Betreuungsrelation für unsere Studierenden zu verbessern.

In den nächsten Wochen wird der Abschlussbericht veröffentlicht. Besonders gelungene Projekte sollen zusätzlich noch überregional veröffentlicht werden.

Zeitgleich – und auch teilweise aus OWL finanziert – wurden verschiedenste Projekte zur Qualitätssicherung etabliert. Im Focus standen dabei die systematische Berücksichtigung von Lehrveranstaltungs-Evaluationen, die Unterstützung Outcome-orientierter Studiengangsgestaltung und die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems zur Vorbereitung einer Systemakkreditierung.

Die "Reform der Reform" oder: Was steht für die Zukunft an?

In wenigen Tagen findet in Budapest die Konferenz anlässlich des 10. Geburtstages der Bologna-Erklärung statt. Es war ein Jahrzehnt des Baus von Prototypen gestufter Studiengänge und ihres ersten Praxistests. Nun sind Bachelor und Master flächendeckend eingeführt und es gilt, Bilanz zu ziehen, ggf. mehr Flexibisierung zu ermöglichen, Nachteile zu beheben und genau zu sehen, wo und auch auf welche Weise nachgebessert werden muss, und schließlich auch neue Wege zu gehen. Ein weiteres Thema, das sich in der Folge der Einführung der neuen Studiengänge und Abschlüsse ergeben hat, ist die unterschiedliche Anforderung der Promotion zum Dr. oder PhD. Hier gilt es, die Vielfalt unterschiedlicher Wege zur Promotion an einer technischen Universität zu verteidigen.

Ein Wort zum Schluss …

Acht Jahre haben Sie, lieber Herr Kutzler, der Abteilung Studierendenservice, den zuständigen Stabsstellen, der Kommission für Lehre und Studium, den Referaten für Studium und Lehre, den Studiendekanen und mir weitestgehenden Freiraum zur Gestaltung der Lehre an der TU Berlin gelassen. In dieser Zeit ist es uns gelungen, den Bologna-Prozess zu gestalten. Nicht alles ist gleich 100-prozentig gelungen. Aber nicht zuletzt Ihre Bereitschaft, das Zehn-Millionen-Programm OWL und das MULF-Projekt für E-Learning und Multimedia mit drei Millionen Euro durchzusetzen und mit zu tragen, hat dazu geführt, dass die TU Berlin auch im Bereich Lehre und Studium auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken kann.

Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach ist der 1. Vizepräsident der TU Berlin, ab April 2010 TU-Präsident. / Quelle: "TU intern", 2/2010

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