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Die meiste Zeit geht am Anfang verloren

Montag, 18. Mai 2009

Nachwuchsbüro, Einführungsveranstaltungen und ein "Qualifikationsbaukasten" gegen Promotionsprobleme

Die Diskussion um die oft als prekär empfundene Situation von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist in Bewegung geraten. Nachdem die TU Berlin als bisher einzige Universität bundesweit nach 2002 und 2007 bereits zum zweiten Mal in einer Studie die Situation dieser universitären Statusgruppe analysiert und erste Maßnahmen zur Verbesserung der Situation ergriffen hat, legte jetzt auch die Gewerkschaft ver.di ihre sogenannte "Mittelbaustudie" vor.

Dr. Jürgen Rubelt, Leiter der Kooperationsstelle Wissenschaft/Arbeitswelt in der Zentraleinrichtung Kooperation (ZEK) der TU Berlin und Mitautor, stellte diese Ende Februar auf einer erstmals organisierten Tagung zur Situation und Zukunft des deutschen akademischen Mittelbaus vor, bei der es um die, provokant als "wissenschaftliches Prekariat der Hochschulen" bezeichneten, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zwischen Karriere und Ausstieg ging. TU-Vizepräsidentin für wissenschaftlichen Nachwuchs, Prof. Dr. Gabriele Wendorf, ergriff die Gelegenheit, den versammelten jungen Wissenschaftlern, Gewerkschaftern und anderen Hochschulvertretern konkret zu erläutern, welche Maßnahmen die TU Berlin eingeleitet hat oder derzeit plant, um die Probleme von prekären Arbeits- und Vertragsbedingungen, Befristungen, persönlichen Abhängigkeiten und Ehrenautorschaft, hohem Arbeitsdruck, unbezahlter Mehrarbeit, unsicherer Lebensplanung, schlechter Betreuung et cetera in den Griff zu bekommen. "Es fiel übrigens auf", so Gabriele Wendorf, "dass unter den an der TU Berlin befragten Wissenschaftlern eine höhere Zufriedenheit herrschte als unter denen anderer Universitäten." Da die TU Berlin mit ihren Untersuchungen und Maßnahmen zu diesem prekären Problem als Vorreiterin in Deutschland gilt, könnten das bereits die ersten positiven Auswirkungen sein.

Die erste WiMi-Studie 2002 war im Hinblick auf die hohe Zahl der Promotionswilligen entstanden, die die Universität nach Ende der Vertragslaufzeit ohne Doktortitel verlassen. Nur zu 50 Prozent hielten es die WiMis damals für wahrscheinlich, ihre Arbeit innerhalb dieser Zeit abschließen zu können. Es zeigten sich auch deutliche Unterschiede in den Fakultäten. Die Letzteren wurden daraufhin aufgefordert, eigene Maßnahmen zu entwickeln sowie jeweils einen Promotionsbeauftragten zu benennen. Eine Broschüre, die die Promotionswilligen zu Beginn ihrer Tätigkeit in die Hand bekamen und die auch online verfügbar war, sollte Auskunft über die Rechtslage und Tipps zur Weiterbildung geben. Auch beschloss der Akademische Senat der TU Berlin eine regelmäßige Wiederholung im Fünf-Jahres-Rhythmus sowie die Etablierung einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema.

Die zweite Studie 2007 ergab, dass die Ergebnisse sich erstens nicht wesentlich verbessert hatten und zweitens die Maßnahmen noch zu wenig bekannt sind. Jedoch gab es einen geringen Rückgang der Arbeitsstunden sowie eine deutlich gesteigerte Zufriedenheit mit dem wissenschaftlichen Weiterbildungsangebot.

"Daraufhin haben wir das Konzept für ein Nachwuchsbüro entwickelt, das jetzt bereits seit zwei Monaten arbeitet", so Wendorf. Das Büro (TU intern 4/09) stütze sich in seiner Arbeit nicht nur auf die Ergebnisse der beiden WiMi-Studien, sondern auch auf die anschließend als sogenannte Spiegelstudie konzipierte Hochschullehrer-Befragung, die die Betreuungssituation aus Sicht der Professorinnen und Professoren erfasst. Auch sie werden nun vom neuen Nachwuchsbüro mit Information und Beratung unterstützt. Insbesondere ist es die Aufgabe des Büros, ein etwaiges Scheitern schon frühzeitig zu erkennen und zu verhindern beziehungsweise Problempotenzial gar nicht erst entstehen zu lassen. Regelmäßig zweimal jährlich - die meiste Zeit verliere man am Anfang - sollen Einführungsveranstaltungen für junge Doktoranden stattfinden. Die Arbeitsgruppe des Akademischen Senats hat hierfür bereits einige Materialien entwickelt.

Eine ganz wichtige und neue Komponente stellt auch der ebenfalls von der Arbeitsgruppe entwickelte "Qualifikationsbaukasten" dar. Hier werden verschiedene Informations- und Qualifizierungskomponenten für WiMis gebündelt. „Insgesamt haben wir Inhalte für die Bausteine Karriereplanung und Strategie, Vernetzung mit wissenschaftlicher Community, Wirtschaft und Verbänden, Managementkompetenzen, Soft Skills, Fachwissen sowie Zusatzwissen - also Sprachen, interkulturelle und Gender-Kompetenz oder Interdisziplinarität - zusammengetragen“, fasst Gabriele Wendorf zusammen. Ganz besonders stolz ist sie zudem darauf, dass es bereits Anfragen aus dem Ausland nach diesem Baukasten gibt. Vieles sei bereits an der TU Berlin vorhanden, zum Beispiel Weiterbildungsangebote der Zentraleinrichtung Kooperation. Dies sei unter anderem ein wichtiger Grund dafür, dass das hochschulübergreifende Berliner Zentrum für Hochschullehre (BZHL) seinen Sitz an der TU Berlin habe. "Ganz wichtig ist aber nun die kontinuierliche Beobachtung der Erfolge", sagt die Vizepräsidentin. "Ich will das Ganze nicht ,überbürokratisieren‘, doch es sollen regelmäßige Berichte stattfinden, damit wir sowohl mit den Lehrenden als auch mit den Promovenden im Gespräch bleiben."

Qualifikationsbaukasten (schematisch)
Der "Qualifikationsbaukasten" gibt Promovenden und Betreuern einen Überblick und einen Fahrplan für den Weg zur Promotion
Lupe

Die Vorträge der Tagung stellt die ZEK zum Download bereit:
www.tu-berlin.de/zek/koop/kooptag.html

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 5/2009

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