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TU Berlin

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125 Jahre Hauptgebäude der TU Berlin

Der Palast der technischen Wissenschaften

Montag, 16. November 2009

Die Historie hat sich tief in dieses Gebäude eingeschrieben

Metamorphosen eines Gebäudes
Metamorphosen eines Gebäudes: prachtvolle Aula (1884), Kulisse für national- sozialistische Aufmärsche (1939) und Sprengung des Sockelgeschosses (1961)
Lupe

Bücher, sagt man, haben ihr Schicksal. Gilt das auch für Häuser? Der Blick in die Geschichte zeigt, welche erstaunliche Metamorphose diese Immobilie vollzogen hat. Betrachtet man heute ihre Fassade zur Straße des 17. Juni hin, so erscheint sie als ein Bau der architektonischen Moderne: sachlich, funktional, kühl. Doch die Geschichte hat sich tief in dieses Gebäude eingeschrieben. Einst, 1884, wurde es als "Palast der technischen Wissenschaften" feierlich eingeweiht. Nach dem Kölner Dom war es das größte Gebäude Preußens. Im Stil der italienischen Renaissance mit monumentalem Mittelpavillon errichtet, spiegelt es symbolisch den Aufbruch ins technische Zeitalter. 1899 verleiht der Kaiser im luxuriösen Lichthof den technischen Hochschulen im Deutschen Reich das Promotionsrecht. Die Gleichstellung mit den geisteswissenschaftlichen Universitäten ist damit vollendet.

Doch die Technische Hochschule lässt sich als "technisches Leibregiment" der Hohenzollern in die Weltherrschaftspolitik des Reiches einbinden. Im Jahr 1939 ist das Gebäude in die Speer’sche Ost-West-Achse integriert und wird Kulisse für Hitlers Militärparaden. Bald kehrt sich die Gewalt gegen die geistige Waffenschmiede, von der sie einst ausging. Im Mai 1945 liegt das Haus in Trümmern. Es ist das Ende der Technischen Hochschule. Die englische Besatzungsmacht gründet sie im April 1946 als Technische Universität neu und verpflichtet Lehrer und Lernende zu humanistischen Studien.

Die Not der Zeit diktiert die Art des Wiederaufbaus. Bis 1953 werden Teile des Gebäudes im historischen Gewand wieder errichtet. Aber es ist keine bloße Restaurierung. Die zeitgenössische Moderne findet Eingang in Bautechnik und Design. Was aber wird mit der Nordfassade? Sie ist der Ort, wo sich der Bruch mit der Vergangenheit radikal architektonisch vollzieht.

Cafeteria "Wetterleuchten"
Heute präsentiert sich die TU Berlin wieder frisch und modern. Beispiel: die Cafeteria "Wetterleuchten" (Fertigstellung 2008)
Lupe

Seit 1968 verdeckt ein mehrgeschossiger Neubau den Altbau. Das neue Foyer ist ebenerdig, demokratisch, keine Verweise auf Hierarchien und Statussymbole. Eine rote Wand verschließt den Blick ins Innere des Altbaus. Moderne und Traditionen stehen kontrastreich gegeneinander. Seit dem Jahr 2000 wird der historische Gebäudeteil behutsam erneuert. Die trennende Foyer-Wand soll transparent werden, Durchbrüche eröffnen den Blick in den Lichthof. Mehr Licht und Farbe werden die Eingangshalle erhellen.

Hans Christian Förster / Quelle: "TU intern", 11/2009

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