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TU Berlin

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Innenansichten

Sieben Zeichen pro Sekunde

Montag, 19. Mai 2008

Wie vor 50 Jahren mit der Installation des Z 22/1 an der TU Berlin das digitale Zeitalter begann

echniker Horst Hantke am Z 22/1
1958 an der TU Berlin: Techniker Horst Hantke am Z 22/1
Lupe

1956 - das war noch die Röhrenzeit - trat der junge Rundfunk-und-Fernseh-Techniker Horst Hantke bei der Firma des Computerpioniers Konrad Zuse in Neukirchen ein. Er verstand etwas von Röhren, deshalb durfte er alsbald an der geplanten Entwicklung des Röhrenrechners Z 22 mitarbeiten. In einem zum Labor ausgebauten ehemaligen Stall arbeitete man an etwas ganz Neuem, etwas unglaublich Aufregendem, an einer elektronischen Rechenanlage - das Wort Computer war damals noch nicht erfunden.

Endlich rechnet die Maschine
Endlich rechnet die Maschine
Lupe

Auf den Feierabend achtete man kaum in dieser Zeit. "Häufig saßen wir auch spät am Abend noch hinter dem ersten Modell der Maschine zwischen großen Schaltbildern im DIN-A1-Format und hinter Messgeräten vergraben", erzählt der heute 71-jährige Rentner Horst Hantke, "doch wir wurden auch belohnt: Irgendwann im Herbst 1957 begann der Z 22 zu leben." Das erste Grundprogramm - heute würde man sagen "Betriebssystem" - und die ersten Testprogramme wurden eingelesen. Das war auch höchste Eisenbahn, denn der Liefertermin der ersten Anlage stand kurz bevor. Empfänger: die Technische Universität Berlin. Begleiten sollte die Montage und Inbetriebnahme in Berlin der junge Techniker Horst Hantke, der noch nie vorher in einer Großstadt gewesen war, geschweige denn eine Universität betreten hatte. Welche Aufregung, als er am 9. Januar 1958 mit dem Interzonenzug am Bahnhof Zoologischer Garten eintraf! Um Probleme mit den DDR-Behörden zu vermeiden, hatte man dem Z 22/1 einen Flug spendiert.

Am TU-Recheninstitut fühlte Hantke sich allerdings vom ersten Tag an wohl, viele junge Leute arbeiteten dort, oft noch Studenten, und das Universitätsleben hatte er sich nicht so ungezwungen vorgestellt.

Ungeduldig standen die ersten Anwender Schlange während des Aufbaus und wollten schon ihre Lochstreifen abholen, die beim Z 22 als Programmträger dienten. Doch irgendwann elektrisierte weithin durch die Räume das laute, mechanische "tack-tack" die Wartenden: Der Rechner las das Grundprogramm von einem Kilobyte ein. Sieben Zeichen pro Sekunde konnte der Lochstreifenleser erfassen, das dauerte etwa eine halbe Stunde! Das größte Problem, das sich von nun an auftat und das die Geduld aller Beteiligten oft auf die Probe stellte, waren die Trommelspeicher, die einen sehr ungleichmäßigen Schreib-/Lese-Kopf besaßen. Jedes Mal ging etwas Speicher verloren. Nach einigen Wochen war es dennoch geschafft: "Zum Schluss hatte ich ein eigenes Testprogramm entwickelt", schmunzelt Horst Hantke. "Es hieß ‚Freier Fall’ und lief fehlerfrei. Die Z 22/1 war an der TU Berlin zum Leben erwacht, zwar nur mit vier Kilobyte Wörtern, aber sie lief." Leider nur kurz. Der Fahrstuhl, der am gleichen Netzstrang hing, nahm zu viel Strom in Anspruch. Er wurde kurzerhand mit einem "Außer Betrieb"-Schild versehen, und siehe da, der Rechner lief wieder - bis die Studenten den Schmus erkannten und wieder Fahrstuhl fuhren. Doch die Studenten revanchierten sich und führten den jungen Techniker, der kaum mal seinen Rechner allein lassen mochte, in das Berliner Nachtleben ein. Im Jahr darauf erlitt die Firma Zuse einen Verlust: Der junge Techniker Horst Hantke verließ Neukirchen Richtung Berlin und schrieb sich an der TU Berlin für Nachrichtentechnik ein.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 5/2008
Horst Hantkes Erinnerungen und die einiger anderer Pioniere der Firma Zuse sind in dem Buch "Als die Computer laufen lernten" von Günther Mußtopf (ISBN 3-89171-025-9) nachzulesen, in dem amüsante Geschichten aus der Frühzeit des Rechnerzeitalters gesammelt sind. Die Autoren sind ehemalige Mitarbeiter der Zuse KG. Das Buch ist zwar derzeit vergriffen, es gibt aber für Liebhaber noch einige auf dem Markt.
Das 4. Zuseaner-Treffen findet am 31. Mai 2008 um 16.00 Uhr in Haunetal (ehemals Neukirchen) im Bürgerhaus statt. Aktuelle Informationen gibt Dr.-Ing. Horst Zuse.
Tel.: (030) 8 81 59 88
www.zuseaner.de

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