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TU Berlin

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Familie in der Hochschule

Bewusstsein für Familien schaffen

Montag, 19. Mai 2008

Eltern in der Uni müssen sich meist ihr privates Netzwerk schaffen

Einige Maßnahmen hat die TU Berlin schon getroffen, um Beschäftigten und Studierenden mit Familienanhang das Leben zu erleichtern: Kita, Kinderzimmer, Wickelräume, die Gewährung von Elternzeit. Doch zu einem familiengerechten Betrieb gehört noch viel mehr. Nun strebt die TU Berlin die Zertifizierung als familiengerechte Hochschule an und begibt sich dafür in ein Auditierungsverfahren (s. Artikel TU intern 5/08). Dort wird sie Handlungsfelder für weitere Maßnahmen ergründen und sich Ziele zur Verbesserung der Situation ihrer Mitglieder, die Familie und Beruf vereinbaren müssen, setzen. Was gefällt nun den TUlern und was vermissen sie, um Familie und Studium/Arbeit leichter unter einen Hut zu bringen?

Michael Müller studiert Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitet als studentische Hilfskraft im Institut für Mathematik

Michael Müller
Michael Müller
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Alexander ist acht Monate alt. Die Eltern-Kind-Zimmer im EB-Gebäude sind für das Alter eine große Hilfe! Das Kind kann in großzügig angelegten Räumen in Ruhe spielen, essen oder schlafen und die Eltern können hier - wenn es das Kind zulässt - prima arbeiten. Außerdem ist die Kita "Villa March" auf dem Campus natürlich eine große Erleichterung. Dort ist unser großer fünfjähriger Sohn Adrian untergebracht. Schön wären noch ein kleiner Kinderspielplatz auf dem Campus außerhalb der Kita und mehr Wickelmöglichkeiten in den TU-Gebäuden. Leider trifft man im Eltern-Kind-Zimmer noch zu selten andere Familien. Deshalb wäre auch eine aktiv vermittelte Plattform, zum Beispiel im Internet, für Eltern mit Kind an der TU Berlin sinnvoll. So könnte man gegenseitig auf die Kinder aufpassen, während der andere ein Seminar oder Ähnliches besuchen kann.

Dr. Hans-Dieter Nägelke, Leiter des Architekturmuseums

Dr. Hans-Dieter Nägelke
Dr. Hans-Dieter Nägelke
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Mein Sohn ist jetzt zweieinhalb Jahre, und seit er da ist, müssen wir uns schon stärker organisieren, da meine Frau auch berufstätig ist. Etwas kritisch sind eigentlich nur die Urlaubsabsprachen, weil wir mehrere Kolleginnen und Kollegen mit kleinen Kindern haben, und wenn die Kita Ferien macht, muss man zwangsläufig auch Urlaub nehmen. Ansonsten haben wir hier ausreichende Freiheiten. Insbesondere, weil die Unibibliothek, an der das Architekturmuseum angesiedelt ist, jetzt auch an der Dienstvereinbarung zur "Flexiblen Arbeitszeit" teilnimmt. So habe ich mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Funktionszeiten festgelegt. Darin ist eben auch enthalten, dass man im Bedarfsfall mal um 14 Uhr das Kind aus der Kita holen kann. Und auch die Arbeitzeitkonten bieten bei Bedarf noch Freiräume.

Michaela Müller-Klang vertritt den Personalrat in der Familienaudit-Kommission

Michaela Müller-Klang
Michaela Müller-Klang
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Mir ist wichtig, dass die Angebote, die es bereits gibt, durch das Familienaudit bekannter werden. Aber natürlich gibt es auch noch vieles zu verbessern. Es müssen klare und verbindliche Regelungen her, die es ermöglichen, Freiräume zu nutzen wie zum Beispiel die Elternzeit. Alle Beteiligten müssen konditioniert werden auf die Tatsache, dass Beschäftigte und Studierende mit Familienverantwortung Unterstützung finden. Hier braucht es eine größere Akzeptanz. Bei den Arbeitszeiten und auch Arbeitsorten, insbesondere bei den WiMis, gibt es Wildwuchs, der dringend beseitigt werden muss. Mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten haben wir ja schon einiges erreicht. Nun müssen wir schauen, wie weit die Möglichkeiten auch schon gelebt werden können.

Nadine Oswald studiert Physik im 10. Semester

Nadine Oswald
Nadine Oswald
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Ich habe beide Kinder während des Studiums bekommen. Mein kleiner Sohn Timm, sieben Monate alt, ist in der Uni immer mit dabei. Deshalb genieße ich das Kinderzimmer sehr. Auch das Projekt "Zielgerade", das Studentinnen beim Studienabschluss unterstützt, finde ich gut. Ich arbeite dort selbst mit und betreue dort Mütter, die Hilfe bei der Studienplangestaltung brauchen. Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel in der Kita "Villa March", haben mich nicht überzeugt. Allerdings waren die Bring- und Abholzeiten gut mit meinem Stundenplan zu vereinbaren. Auch der Kindergartenplatzpreis von 48 Euro ist für Studierende zu hoch! Die Zeit zum Arbeiten neben dem Studium ist mit Kind noch geringer als sonst schon.

Prof. Dr. Bénédicte Savoy lehrt Kunstgeschichte

Meine beiden Kinder, drei und vier Jahre alt, sind in der TU-Kita wunderbar aufgehoben. Die Erzieherinnen sind sehr sympathisch und machen gute Arbeit. Schon das Haus kann den Kindern ein geborgenes Raumgefühl geben, wie in einem kleinen Schloss. Die dankenswerterweise verlängerten Öffnungszeiten hatten allerdings leider zur Folge, dass weniger Ausflüge gemacht werden, weil das Personal nicht gleichzeitig aufgestockt wurde. In meinem Institut habe ich auch Glück, da mein Chef selbst Kinder und Enkelkinder hat und deswegen Verständnis für die organisatorischen Schwierigkeiten, die man mit Kindern nun mal manchmal hat. Bei Veränderungen und Einrichtungen in der Uni sollte man grundsätzlich aber nicht nur die Frauen im Auge haben, sondern vor allem auch junge Männer. Denn wenn es den Männern leichter gemacht wird, sich um ihre Kinder zu kümmern, hilft das auch den Frauen. Da ist vor allem ein Bewusstseinswandel nötig. Ich versuche immer den Studenten mit Kindern zu zeigen, dass sie eine wichtige und schöne Aufgabe erfüllen und dass sie bei uns auf Verständnis und Unterstützung zählen können.

Prof. Dr. Frank Dziock,Fachgebiet Biodiversitäts-dynamik terrestrischer Ökosysteme

Prof. Dr. Frank Dziock
Prof. Dr. Frank Dziock
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Mir ist der Gleichbehandlungsgrundsatz wichtig. Gerade an der Universität sind es heute eben nicht mehr nur die Frauen, die Unterstützung in Familiendingen brauchen. Ein aktueller Fall in meinem Institut zeigt das drastisch. Ein Doktorand unterstützt derzeit seine Frau, die gerade ein Kind bekommen hat und selbst momentan in Prüfungen steckt. Dadurch verliert er natürlich wertvolle Zeit, nicht nur für seine Dissertation, sondern auch von seinem Stipendium. Ein Promotionsabschluss-Stipendium, das ihm später aus der Patsche helfen könnte, gibt es aber nur für Frauen. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Frauenförderung muss stärker als Familienförderung gestaltet werden, um auch Männern zu ermöglichen, sich ohne Verlust der Familie zu widmen. Da ich selbst auch zwei kleine Kinder habe, kann ich mich in seine Situation hineinversetzen und versuche ihm Freiräume zu verschaffen, aber das ist keineswegs in jedem Institut selbstverständlich.

 

Quelle: "TU intern", 5/2008

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