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Plädoyer für eine „kritische“ Rekonstruktion

Von Adrian von Buttlar

Großartig, dass der Bund die Mittel für den Wiederaufbau der Bauakademie bereitstellt! Aber nur eine „kritische“ Rekonstruktion kann Schinkels Genius und neuen Nutzungen gerecht werden: An diesem historisch bedeutsamen städtebaulichen Ort ist zwar einerseits keine Willkür erlaubt – es gilt authentische Spuren zu erhalten, das verlorene Meisterwerk ins kollektive Gedächtnis zurückzurufen und für seine Relikte einen angemessenen Schauort zu finden. Andererseits würde Schinkel mit einer „originalgetreu“ rekonstruierten Attrappe geradezu ad absurdum geführt.

Seine künstlerischen Ambitionen waren (in „Kenntniß des ganzen historisch-Vorhandenen“) stets auf die Erfüllung neuer funktionaler, konstruktiver und ästhetischer Ansprüche – auf zeitgemäße Authentizität – ausgerichtet: „Es folgt hieraus schon von selbst, daß das Streben nach dem Ideal sich in jeder Zeit nach den neu eintretenden Anforderungen richten wird […], daß auch neue Erfindungen nothwendig werden […] und daß, um ein wahrhaft historisches Werk hervorzubringen, nicht abgeschlossenes Historisches zu wiederholen ist“ (1833).

Auch heute wieder die Brücke zwischen Rück- und Vorausschau zu schlagen, erfordert Freiheiten in Konzeption und Gestaltung der Aufgaben, denen das Gebäude dienen soll: Zuerst müssen wir uns also einigen, „welche Erfordernisse“ die Neue Bauakademie als Lehr- und Veranstaltungsort, Ausstellungshalle, Museum, internationales Forum und urbaner Hotspot zu erfüllen hat; dann versuchen, unter Rücksichtnahme auf den Genius Loci dafür ein adäquates Gehäuse des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Zwischen den Herausforderungen des historischen Erinnerungspotenzials und den Visionen eines lebendigen Ortes zukunftsfähiger Baukultur liegt ein weites Feld, das einen offenen Wettbewerb und eine besonders sorgfältige Diskussion seiner Resultate erfordert: eine Chance für ein programmatisches Kunststück unserer Zeit – weniger im Stile als im Geiste Schinkels.

Prof. Dr. Adrian von Buttlar, langjähriger Vorsitzender des Berliner Landesdenkmalrates, lehrte bis 2013 Kunstgeschichte an der TU Berlin. Er setzt sich seit langem mit dem Phänomen der Architekturrekonstruktion auseinander.

Adrian von Buttlar, "TU intern" 7. April 2017

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