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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Studierendengewinnung auf sicherer Datenbasis

Montag, 25. Januar 2010

Eine CHE-Studie gibt Hochschulen Hinweise, wie sie den demografischen Wandel nutzen können – TU intern-Gespräch mit Gunvald Herdin, einem der Autoren der Studie

Gunvald Herdin
Lupe

Herr Herdin, Ihre Analysen haben gezeigt, dass sich bundesweit zunehmend Studienanfängerinnen und -anfänger für die Ingenieurwissenschaften interessieren. Von den Förderinitiativen der sogenannten MINT-Fächer sowie vom BMBF wurde das als Erfolg der Kampagnen gegen den befürchteten Fachkräftemangel in diesen Fächern gewertet. Allerdings scheinen die Interessenten aus dem Kreis derer zu stammen, die sich sonst für ein naturwissenschaftlich-mathematisches Studium entschieden hätten. Insgesamt ist der Anteil derer, die sich für ein MINT-Fach interessieren, kaum gestiegen, nämlich um weniger als ein Prozent. Kann man eine idealtypische Strategie ableiten, um das Interesse auch derer zu erregen, die ein MINT-Fach eigentlich gar nicht in Betracht ziehen?

Aus welchen Landkreisen die Studierenden der TU Berlin stammen
Lupe

Studienberechtigte bevorzugen in den Regionen tatsächlich unterschiedliche Fächer. Diese Vorlieben differieren auch regional. Eine erste Konsequenz in Hinblick auf die Planung von Studierendengewinnung der verschiedenen Akteure ist, dass diese belastbare empirische Daten benötigen. Die regionalen Unterschiede geben unter anderem Hinweise darauf, inwieweit noch präferenzsteigernde Maßnahmen angesetzt werden können. Zum Beispiel können geschlechtsspezifische Präferenzen Hinweise ergeben, mit welchen Strategien möglicherweise mehr Frauen für die MINT-Fächer begeistert werden können. Die intensive Analyse von Regionen mit einer hohen Nachfrage von Frauen in einer bestimmten Fächergruppe kann Hinweise auf Erfolgsfaktoren von Förderinitiativen oder auf die Erfolg versprechende Gestaltung des Angebots- oder Studienorganisationsportfolios geben. Beispiele sind spezielle „Frauenstudiengänge" oder Mentorenprogramme. Die Breite des Studienangebots und dessen unterschiedliche Auslastung zeigen deutlich, wo der Engpass liegt: Ist die Nachfrage zu stimulieren oder ist sie zwar hinreichend vorhanden, aber es mangelt an Studienangeboten, sodass die Region für ein Studium verlassen werden muss?

Lupe

Mit 24,5 beziehungsweise 21,0 Prozent Interessenten für Ingenieurwissenschaften liegen Sachsen und Bayern vorn. Berlin liegt mit 15,1 Prozent dagegen am unteren Rand des bundesweiten Vergleichs. Auffällige Zunahmen in diesem Bereich zeigen auch Niedersachsen und Thüringen. Was machen die anderen besser?

Lupe

Wir beobachten, dass dort, wo ein besonders hohes Angebot ingenieurwissenschaftlicher Berufe vorherrscht, die Neigung, ein ingenieurwissenschaftliches Studium aufzunehmen, ebenfalls besonders hoch ist. Dies gilt für Teile Bayerns oder Baden-Württembergs. Die Wirtschaftsstruktur wirkt sich also auf die Studienwahl aus. Andererseits sehen wir auch, dass sich das Angebot der Hochschulen auf die Studienwahl der Hochschulzugangsberechtigten auswirkt. Ein Beispiel ist Sachsen. Hier können Hochschulzugangsberechtigte gleich unter mehreren Hochschulen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt wählen. Nicht jeder Studienanfänger kann es sich leisten, für ein Studium umzuziehen. Analysen der Mobilität von Studienanfängerinnen und -anfängern zeigen, dass eine gewisse Nähe des Studienortes zum Heimatort erwünscht ist. Das schränkt natürlich die Optionen des individuell möglichen Fächerspektrums ein. Maßnahmen dürfen nicht nur ein allgemeines Technikinteresse wecken. Es müssen auch sehr früh Berufschancen und -bilder sowie Karrierewege vermittelt werden. Die Wahl des Studienfachs hängt bedeutend davon ab, inwiefern die Studieninteressierten sich einen Beruf in dem jeweiligen Bereich vorstellen können.

Bis 2020, so zeigen die Daten, wird die Altersgruppe der 17- bis 21-Jährigen in Berlin um rund 30 Prozent sinken, in München nur um rund sechs Prozent. Welches Risiko und welche Chancen liegen darin für die Hochschulen?

Mit einem Rückgang von rund 30 Prozent in dieser Altersklasse ist Berlin verglichen mit vielen Kreisen in den östlichen Ländern noch vergleichsweise schwach vom demografischen Wandel betroffen. Eine derartige Schrumpfung der Altersgruppe kann dazu führen, dass die Studienplätze nicht mehr gefüllt werden können. Berlin ist jedoch als Studienstandort sehr attraktiv. Die doppelten Abiturjahrgänge betreffen in den nächsten Jahren viele Länder, was zu einer höheren Mobilität führen wird, sodass offene Studienplätze in Berlin nicht vermehrt auftreten sollten. Außerdem werden derzeit große Anstrengungen unternommen, die Akademikerquote weiter zu erhöhen.

Die Fragen stellte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 1/2010

Die Centrum für Hochschulentwicklung Consult GmbH (CHE) in Gütersloh hat einen Datenatlas für das deutsche Hochschulsystem herausgegeben (Arbeitspapier Nr. 127, ISBN 978-3-939589-96-9). Er analysiert auf der Grundlage von umfangreichen bundesweiten Datenvergleichen aus den Jahren 2006 und 2007 die Risiken des demografischen Umbruchs und bietet Grundlagen für die Bewertung der Marketingchancen für Hochschulen. Das Papier enthält ausführliches Kartenmaterial zu Einzugsstrukturen, Marktanteilen oder demografischen Entwicklungen. Zeitgleich haben die Autoren der Studie, Gunvald Herdin, Markus F. Langer und Thimo von Stuckrad, als Erweiterung des Datenatlas ein Arbeitspapier entwickelt, das die Fächerpräferenzen von Studienanfängerinnen und -anfängern untersucht, regionale und geschlechtsspezifische Muster herausarbeitet und insbesondere die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) berücksichtigt (Arbeitspapier Nr. 126, ISBN 978-3-939589-95-2). Beide Studien sind auch als PDF-Download erhältlich.
www.che-consult.de 

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