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Präsidentschaftswahl an der TU Berlin

Emporstrebende Forschungs- und Bildungsstätte in der Hauptstadt

Freitag, 11. Dezember 2009

Der Kandidat Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach stellt sich vor

Warum haben Sie sich für das Amt des TU-Präsidenten beworben? Welche Motivation haben Sie?

Lupe

Ich möchte die TU Berlin, meine Alma Mater, im neuen Jahrzehnt gestalten! Unsere Universität hat in den letzten zehn Jahren einen starken Abbau an personellen und strukturellen Ressourcen erfahren müssen. Dieser Prozess war von einem fast vollständigen Generationenwechsel begleitet. Es ist Zeit, dass die neue Generation mehr Verantwortung übernimmt. Mein Ziel ist es, die TU zu einer modernen Universität zu gestalten, die sich den gesellschaftlichen Herausforderungen stellt und die die Besonderheit einer technischen Universität in Berlin als Chance begreift. Gesellschaftliche Prozesse sind aus dem Bildungsauftrag heraus durch exzellente Forschung ökologisch, technologisch ausgereift und innovativ zu lösen. Ich bin überzeugt, dass dies nur unter Beteiligung aller Mitglieder der Universität erfolgreich gelingt.

Nennen Sie Ihre drei wichtigsten Ziele, die Sie als Präsident für die TU Berlin erreichen wollen.

  1. Die TU Berlin soll in Reputation und Leistung unter die Top 5 aller technischen Universitäten in Deutschland gelangen. Das hohe individuelle Potenzial und Engagement aller etablierten und neuen Professoren/Professorinnen soll durch inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit sowie in Interaktion mit der außeruniversitären Forschung optimal genutzt werden.
  2. Kreativität und Mut zur Risikoforschung müssen belebt werden. Dabei gilt es, sich budgetärer Steuerung durch das Land zu entziehen und Freiräume für eigene Zielsetzungen zu erarbeiten.
  3. Exzellente Studienbedingungen und aktive Nachwuchsförderung bei steigenden Studierendenzahlen sollen zu unserem Markenzeichen werden. Lehre und Forschung in ihrer Einheit müssen sich an den Bedürfnissen der neuen Generation ausrichten. Unsere Universität muss in respektvollem Miteinander ihre eigene Identität finden.

Wie wollen Sie die Universität im Bereich der Forschung weiterentwickeln? An welche Wissenschaftsfelder, Strukturen und Förderinstrumente – auch im Hinblick auf die Exzellenzinitiative – denken Sie dabei?

Zwischen Individual- und Verbund- sowie angewandter und Grundlagenforschung ist Ausgewogenheit erforderlich. Die Forschungsprofilierung begann mit der Identifizierung von Schwerpunktfeldern und ist weiter zu schärfen. Jedes Innovationszentrum ist regelmäßig zu evaluieren, um anderen vielversprechenden Initiativen die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen zu können. Zentrale Aufgabe wird die Einwerbung von Sonderforschungsbereichen (SFB) sein, die unter Nutzung der Erfahrungen DFG-drittmittelstarker Fakultäten und in Kooperationen gebildet werden können. Die 1. Vizepräsidentin wird die Initiativen zur Bildung von Verbünden durch geeignete Anreizsysteme begleiten, wobei hier Bonussysteme in der internen Forschungsförderung effizienter sind als Anschubfinanzierungen. Mehr Flexibilität in der Verwaltung soll garantieren, dass sowohl bestehende Verbünde besser agieren können als auch Risiko- und explorative Forschung möglich werden. In Vorbereitung auf die Exzellenzinitiative (s. Beitrag U. Woggon) wurden hier vom Kollegen Köppel aufwändige Vorarbeiten geleistet, auf denen mein Team unmittelbar aufbauen kann.

Die TU Berlin hat von 2006 bis 2008 in einem Sonderprogramm rund zehn Millionen Euro in die Lehre investiert. Beim Exzellenzwettbewerb Lehre konnte sie leider nicht punkten und die aktuellen Streikaktionen benennen Defizite. Worin besteht Ihr Konzept für Lehre und Studium? Was muss sich ändern?

Gute Lehre ist erreicht, wenn Lehrende für ihr Fach begeistern, Motivation zum Selbstlernen von Studierenden entsteht und als Resultat die Abschlussquoten steigen. Ich möchte, dass Engagement in der Lehre anerkannt wird. Das Team steht für eine Integration von Forschungsergebnissen und die Einführung von problem-/projektorientierten Veranstaltungen, um sie universitär zu gestalten. Kontinuierliche Verbesserung durch Nutzung von Evaluationsergebnissen und verstärktes Workload Monitoring sowie verbesserte infrastrukturelle Voraussetzungen sind weitere Maßnahmen.

Ein Teil der Klagen von Studierenden über heutige Studiengänge ist berechtigt. Diese Defizite sind durch Überarbeitung weitgehend korrigierbar. Wichtig ist mir dabei, die Kultur im Umgang mit Studierenden, das heißt, ihre Argumente und Anregungen aufzunehmen und zu verdeutlichen, dass wir unsere Verantwortung ihnen gegenüber wahrnehmen.

Skizzieren Sie bitte kurz Ihre internationale Strategie für die TU Berlin.

Es ist zwischen dem europäischen Raum, in dem die Akquise von Drittmitteln und die Kooperationen in der Lehre von besonderer Bedeutung sind, und dem außereuropäischen Raum zu unterscheiden. Hier sollten wissenschaftliche Kooperationen die Forschungsschwerpunkte inhaltlich vervollständigen. Auf Basis dieser bi-/multilateralen Zusammenarbeit einzelner Mitglieder der Universität müssen sich weitergehende Aktivitäten, zum Beispiel Joint-Degree-Programme, ergeben. Die Internationalisierung wird von regional zugeordneten Mitgliedern des Präsidiums unterstützt und begleitet.

Wie möchten Sie die Autonomie der Hochschule gegenüber der Politik stärken?

Ziel ist, das Berufungsrecht zu erhalten. Das derzeitige Verfahren ist eine bürokratische Hürde, die die Konkurrenzfähigkeit unserer Universität behindert. Im Gegenzug müssen sich alle Mitglieder unserer Universität über die damit verbundene höhere Verantwortung zur Sicherstellung der notwendigen Qualität im Klaren sein.

Welche Verbesserungen möchten Sie für den wissenschaftlichen Nachwuchs erreichen und durch welche Maßnahmen?

Ich messe dem Nachwuchs hohe Bedeutung bei. Dieses kommt durch ein eigenständiges und von einer Angehörigen dieser Statusgruppe wahrgenommenes Ressort zum Ausdruck. Die Arbeitsbedingungen für junge Wissenschaftler/-innen werden kontinuierlich evaluiert und verbessert. Die wissenschaftliche Unabhängigkeit von Juniorprofessuren soll durch eigene Ressourcen und den Zugang zur Infrastruktur eines exzellenten Kollegiums gewährleistet werden.

Die Sonstigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in den vergangenen vier Jahren besonderen Belastungen ausgesetzt, um die Sparvorgaben vom Land Berlin zu erreichen. Wofür setzen Sie sich ein und wie wollen Sie die Beschäftigten "mitnehmen"?

Unsere technischen Mitarbeiter/-innen, Facharbeiter/-innen und Verwaltungsangestellten stellen unverzichtbare Mitglieder in Forschung und Lehre dar. Die fachliche Wertschätzung muss wieder einen höheren Stellenwert bekommen und sich finanziell bemerkbar machen. Neuberufene müssen sich bereit erklären, übernommenes Personal durch Weiterbildung an neue Technologien heranzuführen. Die Personalkürzungen im Verwaltungsbereich ohne kompensierende technische Unterstützung haben zu Frustration der Betroffenen und zur Unzufriedenheit der Servicenehmer geführt. Hier ist schnell Abhilfe zu schaffen.

Welches Profil und welche Reputation soll Ihrer Meinung nach die TU Berlin im Jahr 2014 – am Ende der Amtszeit des neuen Präsidenten – haben?

Die TU wird 2014 als emporstrebende Forschungs- und Bildungsstätte in der Hauptstadt wahrgenommen. Schüler/-innen bevorzugen die TU, um Teil der modernen Universität zu werden. Frauen schätzen die verbesserte Chancengleichheit. Für Wissenschaftler/-innen wird ein Ruf an die TU Berlin zu einem überdurchschnittlichen Gewinn an persönlichem Prestige führen. Die Forschungsleistungen werden durch mehr DFG-Drittmittel gewürdigt. Die Politik nimmt 2014 die TU als zunehmende Quelle für gute Beratung und innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wahr. Die inhaltliche Ausrichtung und die Kultur des Umgangs miteinander führen dazu, dass die Mitglieder der TU Befriedigung empfinden und Freude daran haben, Teil des neuen Ganzen zu sein.

Für welchen Führungsstil stehen Sie und warum sollte man Sie wählen?

Wir treten als Team mit gutem Beispiel für kooperativen und kollegialen Führungsstil an. Der Meinungsaustausch zwischen Präsidium und allen Statusgruppen ist gefragt. Mein Leitungsstil soll von erworbener und nicht von durch Wahl verliehener Autorität geprägt sein.

Mein Team und mich qualifiziert einerseits das Detailwissen um unsere Universität aufgrund der Durchführung von mehr als 200 Berufungsverhandlungen, der interuniversitären Strukturabsprachen 2004, der Ausstattungsplanung 2006 sowie des internationalen Engagements in führenden Funktionen von Forschung und Lehre. Von diesem Wissen und der in acht Jahren Vizepräsidentschaft erworbenen Erfahrungen kann die TU Berlin sofort profitieren. Andererseits stehen wir für die neue Generation mit einer weit über eine Amtsperiode hinausreichenden Perspektive und Kontinuität. Wir stehen für ungeteilte Identifikation mit der TU Berlin und stellen uns mit vollem Engagement in ihren Dienst.

Die Fragen stellten Dr. Kristina R. Zerges und Stefanie Terp / Quelle: "TU intern", 12/2009

Zur Person

Der 1956 in Berlin geborene Jörg Steinbach studierte von 1975 bis 1981 an der TU Berlin Chemie, promovierte dort 1985 mit dem Thema "Untersuchung der Sicherheit indirekt gekühlter Semibatch-Reaktoren" und habilitierte sich 1994 an der TU Berlin in "Technischer Chemie". Von 1985 bis 1996 arbeitete er bei der Schering AG in Berlin, unter anderem als Fachgruppen- und Sektionsleiter und ab 1992 als Referatsleiter Anlagensicherheit in der Hauptabteilung Zentrale Sicherheit. Während seiner Schering-Tätigkeit verbrachte er vier Monate in den USA und Mexiko. 1996 wurde er auf die Professur "Anlagen- und Sicherheitstechnik" an die TU Berlin berufen. Er war Prodekan, Dekan, Studiendekan und seit 2002 begleitet er das Amt des 1. Vizepräsidenten der TU Berlin mit den Aufgabengebieten Lehre und Studium sowie Berufungsangelegenheiten. Er ist Mitglied zahlreicher DECHEMA-Arbeitsgruppen. Er ist bekannt gegebener Sachverständiger nach §29a des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Er ist Vorstandsvorsitzender von Uni-ASSIST, vom "Akkreditierungsverbund für Ingenieurstudiengänge" und der "Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik". Von 2007 bis 2009 war er Präsident der Europäischen Gesellschaft für Ingenieur-Ausbildung (SEFI). Er ist verheiratet und hat drei Söhne.

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