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Präsidentschaftswahl an der TU Berlin

Bedeutender Treffpunkt im weltweiten Netz der Wissenschaft

Freitag, 11. Dezember 2009

Der Kandidat Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Martin Grötschel stellt sich vor

Warum haben Sie sich für das Amt des TU-Präsidenten beworben? Welche Motivation haben Sie?

Lupe

Meine Motivation ist klar: Ich möchte nicht Präsident von irgendetwas werden, sondern Präsident der TU Berlin, und zwar mit dem Wunsch, etwas Wichtiges zurückzugeben. Ich habe in meiner Karriere von Kollegen und Institutionen in jeder Hinsicht profitiert. Ich bin in einer Lebensphase, in der meine Schüler meine Forschung fortführen, und das ermöglicht es mir, meine umfangreichen Erfahrungen in Forschung, Lehre, Wissenschaftsadministration sowie lokaler und internationaler Wissenschaftspolitik mit voller Kraft für die TU einzubringen. Ich möchte sie nachhaltig auf den Weg zu einer internationalen Spitzenuniversität in Lehre und Forschung bringen. Das Ziel ist, vielen jungen Menschen, gleich welcher Herkunft, eine Chance zu geben, erstklassige Lehre zu erfahren, Top-Forschung mitzuerleben, ihre Talente zu entfalten und ihre Ziele zu erreichen, so wie mir das ermöglicht wurde.

Nennen Sie Ihre drei wichtigsten Ziele, die Sie als Präsident für die TU Berlin erreichen wollen.

  • Ich will die TU zu einer international sichtbaren Spitzenuniversität führen, ihre hervorragenden Potenziale dafür ausschöpfen, sie nach außen und innen kommunizieren und damit die Reputation der TU steigern,
  • ein anhaltendes Feuer für innovative Lehre, Forschung und Verwaltung entzünden und die TU-Netzwerke zwischen Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft ausbauen,
  • alle TU-Mitglieder dafür motivieren, sie aktiv beteiligen und sie auf diesem Weg "mitnehmen".

Wie wollen Sie die Universität im Bereich der Forschung weiterentwickeln? An welche Wissenschaftsfelder, Strukturen und Förderinstrumente – auch im Hinblick auf die Exzellenzinitiative – denken Sie dabei?

Wir möchten Nachhaltigkeit als übergreifendes Leitthema für die Entwicklung in allen Fachgebieten wählen und damit bei der Exzellenzinitiative mit Anträgen zu Clustern, Graduiertenschulen und in der 3. Förderlinie antreten.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird inflationär benutzt, aber selten gut verstanden. Für die TU bietet das Thema eine einzigartige Positionierung und entfacht wunderbare Ideen. Wir wollen Nachhaltigkeit weit denken und neben ökologischen die ökonomischen, sozialen, technologischen und kulturellen Aspekte einbeziehen.

Ich habe darüber mit vielen TU-Mitgliedern gesprochen, auch mit fast allen Dekanen und Leitern von Innovationszentren, und große Zustimmung erfahren. Die wichtigen Strukturen für diese Initiative besitzen wir. Wir wollen inter- und transdisziplinäre Innovation universitär, regional, national und international fördern, professionelle Drittmittelakquise und Administration sowie Anreizsysteme unterstützen.

Berufungen werden in mein Aufgabenfeld fallen, da ich strategische Ausrichtung, Profilbildung und Qualitätssicherung als Chefsache betrachte.

Die TU Berlin hat von 2006 bis 2008 in einem Sonderprogramm rund zehn Millionen Euro in die Lehre investiert. Beim Exzellenzwettbewerb Lehre konnte sie leider nicht punkten, und die aktuellen Streikaktionen benennen Defizite. Worin besteht Ihr Konzept für Lehre und Studium? Was muss sich ändern?

Die Studierenden weisen auf Defizite in der Lehre hin. Die Umstellung auf Bachelor und Master ist unumkehrbar, doch sind in vielen Studiengängen Änderungen notwendig. Auch die 6+4-Semesterverteilung ist zu überdenken. Ich werde studiengangspezifische Arbeitsgruppen einrichten, bei denen Lernende und Lehrende gemeinsam nachhaltige Verbesserungen der Studiensituation erarbeiten. Auch für den Bachelor soll es studierbare forschungsnahe Lehrangebote, eine solide wissenschaftlich-methodische Grundausbildung und nachhaltige Berufsbefähigung geben. Konkrete Maßnahmen erfolgen in Tutorenausstattung, Weiterbildung für Lehrende, Qualitätssicherung, Gleichstellung, Nachwuchsförderung und Internationalisierung, Bereitstellung von Dokumenten im Open Access. Wir möchten so viel qualifizierte Studierende wie möglich zu dem Abschluss führen, den sie anstreben.

Skizzieren Sie bitte kurz Ihre internationale Strategie für die TU Berlin.

Die globale Vernetzung zu verstehen und zu nutzen ist eine Schlüsselqualifikation. Ausgehend vom TU-Potenzial möchten wir eine wohldurchdachte internationale Strategie mit ausländischen Spitzenuniversitäten und mit definierten Schwerpunktländern umsetzen – für die Lehre, um attraktive Austausch- und Dual-Degree-Programme zu entwickeln und um den Bildungsexport zu intensivieren; für die Forschung, um international gemischte Teams mit neuen Themen und Sichtweisen zu initiieren.

Wie möchten Sie die Autonomie der Hochschule gegenüber der Politik stärken?

Die Freiheit von Forschung und Lehre gegenüber staatlichen Eingriffen ist eines der höchsten Güter der Wissenschaft. Das stärkste Mittel gegen unberechtigte Ansprüche von außen sind Sachkenntnis und nachweislicher Erfolg. Wir müssen diese Autonomie bewahren und ihr zusätzlichen Raum verschaffen durch fantasievolle Politikberatung, wissenschaftliche Autorität und Kompetenz in Sachfragen. Zur eigenen Glaubwürdigkeit gehört die Verpflichtung, in Forschung und Lehre Überzeugendes zu leisten.

Welche Verbesserungen möchten Sie für den wissenschaftlichen Nachwuchs erreichen und durch welche Maßnahmen?

Wir verstehen die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Verbesserung seiner Arbeitsbedingungen als wichtige Querschnittsaufgabe und wollen sie auf allen Ebenen voranbringen. Hier ist der Blick über Fakultätsgrenzen hinweg wichtig, Gleichstellung ein entscheidendes Zukunftsthema. Wir werden uns für die Unterstützung von Promovendinnen und Promovenden durch ein uniweites Doktorandennetz einsetzen, das diese Nachwuchskräfte unterstützt, ohne die fachspezifischen Traditionen zu vernachlässigen.

Die Sonstigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in den vergangenen vier Jahren besonderen Belastungen ausgesetzt, um die Sparvorgaben vom Land Berlin zu erreichen. Wofür setzen Sie sich ein und wie wollen Sie die Beschäftigten "mitnehmen"?

Die Sonstigen Beschäftigten sind als Unterstützer für Lehre und Forschung unerlässlich, aber sie bedürfen größerer Wertschätzung. Ich fühle mich verpflichtet, ihren Status durch kontinuierliche Fortbildung zu stärken und ihre Kompetenz für veränderte Arbeitsumfelder nachhaltig zu sichern. Freude über die Bewältigung neuer Herausforderungen muss den Alltag prägen, nicht die Gängelung durch Bürokratie. Die Erhöhung der Gehälter um 65 Euro muss sofort beschlossen werden. Ich werde mich für den Eintritt der TU in den kommunalen Arbeitgeberverband KAV einsetzen, um den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst mit Anpassungsregelungen für die Sparte Wissenschaft wirksam werden zu lassen. Ich unterstütze nachdrücklich die Entwicklung eines leistungsbezogenen Entlohnungssystems. Viele Beschäftigte sind hoch engagiert. Dankesworte genügen nicht, das Engagement muss sich auch in den Geldbörsen zeigen.

Welches Profil und welche Reputation soll Ihrer Meinung nach die TU Berlin im Jahr 2014 – am Ende der Amtszeit des neuen Präsidenten – haben?

Die TU soll 2014 in allen Fächern in Forschung und Lehre sichtbar sein und sich als Universität der Nachhaltigkeit einen Namen gemacht haben. Dies zeigt sich auch in ihrer starken Markenbildung und ihrer von uns allen gelebten Corporate Identity. Sie soll mit hoher Kompetenz wichtige Zukunftsfelder behandeln, ein bedeutender Treffpunkt im weltweiten Netz der Wissenschaft und in einigen Fächern Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung sein. Die Studierenden sollen sich mit Begeisterung auf das Abenteuer Wissenschaft einlassen, um später als Träger des wissenschaftlichen Fortschritts oder als Führungskraft unser Gemeinwesen voranzubringen.

Für welchen Führungsstil stehen Sie und warum sollte man Sie wählen?

Ich war in allen meinen Funktionen ein Team-Player, der für die jeweilige Aufgabe die bestmögliche Gruppe motivierte. Mein Team ist optimal aufgestellt, es harmoniert und sieht sich den Aufgaben gewachsen. Wir repräsentieren einen Neuanfang, unterschiedliche Generationen, schöpfen aus erfolgreichen Erfahrungen und neuen Sichtweisen. Wer mit mir gearbeitet hat, weiß: Ich stehe für offene Kommunikation, Transparenz und Subsidiarität, ich werde bei Entscheidungen alle Betroffenen beteiligen. Besonders wichtig sind mir die Einheit von Entscheidung und Verantwortung auf allen Ebenen und ein starkes Wir-Gefühl. Wir stehen für eine verlässliche und transparente Kooperation mit den Fakultäten, die wir nachhaltig stärken wollen, da sie die Kraftzentren der Universität sind. Ich bringe eine erfolgreiche Wissenschaftlerkarriere und langjährige Erfahrungen in lokalen, nationalen und internationalen Ämtern der Wissenschaftsadministration ein und werde meine Kenntnisse und Netzwerke für die TU einsetzen, um ihr wieder den Rang zu verschaffen, der ihr gebührt. Mein Team hat in seiner Zusammensetzung höchste Kompetenz in allen TU-relevanten Themen und ist die klar bessere Wahl.

Die Fragen stellten Dr. Kristina R. Zerges und Stefanie Terp / Quelle: "TU intern", 12/2009

Zur Person

Der 1948 in Westfalen geborene Martin Grötschel studierte in Bochum Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, promovierte 1977 in Bonn in Wirtschaftswissenschaften und habilitierte sich dort 1981 im Fachgebiet Operations Research, das sich z. B. mit Optimierung und der Entwicklung und dem Einsatz von quantitativen Methoden zur Entscheidungsunterstützung befasst. Bevor er 1991 an die TU Berlin wechselte, war er neun Jahre Professor für Angewandte Mathematik in Augsburg. Seit 1991 ist er auch Vizepräsident des Konrad-Zuse-Zentrums für Informationstechnik Berlin. Grötschel wurden viele Ehrungen zuteil, u. a. wurde ihm der bedeutendste deutsche Wissenschaftspreis, der Leibniz-Preis der DFG, und 2008 der erstmals vergebene Wissenschaftspreis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin verliehen. Martin Grötschel war von 2002 bis 2008 Sprecher des DFG-Forschungszentrums "MATHEON – Mathematik für Schlüsseltechnologien". Als erster Deutscher wurde er 2007 zum Generalsekretär der International Mathematical Union (IMU) gewählt. Er erhielt drei Ehrendoktorwürden, ist Mitglied mehrerer Akademien und Mitherausgeber von 16 wissenschaftlichen Zeitschriften. Er war Dekan und Prodekan einer Fakultät sowie Mitglied eines akademischen Senats. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.

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