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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Ein großer Wurf

Montag, 09. Februar 2009

Die neue Stiftungsprofessur "Analytische Röntgenphysik" ist in der deutschen Hochschullandschaft etwas Besonderes

Herr Dr. Broich, Herr Dr. Haschke, eine Stiftungsprofessur ist in der Wissenschaftslandschaft nichts Außergewöhnliches mehr. Die Stiftungsprofessur, die nun an der TU Berlin auf dem Gebiet der Röntgenanalytik eingerichtet wird, ist es aber schon. Was unterscheidet sie von anderen Stiftungsprofessuren?

Dr. Bruno Broich, Hauptamtlicher Vorstand der TSB Technologiestiftung Berlin
Dr. Bruno Broich, Hauptamtlicher Vorstand der TSB Technologiestiftung Berlin
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Dr. Bruno Broich: Das Besondere dieser Stiftungsprofessur ist, dass sie von einer Vielzahl von Stiftern aus dem In- und Ausland getragen wird, von denen die meisten zu den sogenannten kleinen und mittelständischen Unternehmen zählen. Normalerweise gibt es einen Stifter, und meistens ist es ein Großunternehmen. Diese Stiftungsprofessur aber wird von 13 kleinen und mittelständischen Unternehmen, von denen einige hier in der Region Berlin/Brandenburg ansässig sind, finanziert. Da es zu den Kernaufgaben der Technologiestiftung Berlin gehört, die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in Berlin und den Technologietransfer zwischen diesen beiden Bereichen zu organisieren und Innovationen anzubahnen, ist den Akteuren - also den Stiftern, der TU Berlin und der TSB - ein großer Wurf gelungen. Schließlich wird durch dieses Modell der vielen Stifter der Technologietransfer viel breiter gestreut.

Dr. Michael Haschke, Sprecher des Stiftungsrates und Global Product Manager der Bruker AXS Microanalysis GmbH, Berlin
Dr. Michael Haschke, Sprecher des Stiftungsrates und Global Product Manager der Bruker AXS Microanalysis GmbH, Berlin
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Dr. Michael Haschke: Für mich ist das Herausragende, dass 13 Firmen, die alle untereinander im Wettbewerb stehen, sich einigen konnten, Geld in die Forschung auf dem Gebiet der analytischen Röntgenphysik zu investieren mit dem Ziel, sowohl Fragen der Grundlagen- als auch der angewandten Forschung zu bearbeiten. Enorm wichtig ist den Firmen aber auch, mit dieser Professur die Lehre auf diesem Gebiet voranzutreiben, um hervorragend ausgebildete Fachkräfte zu haben.

Von wem ist die Initiative für diese Stiftungsprofessur ausgegangen?

Dr. Haschke: … im Wesentlichen von den Unternehmen.

Und was war hier das entscheidende Motiv?

Dr. Haschke: Die 13 Stifter stehen vor neuen und komplexen Fragen, die ihre eigenen Forschungskapazitäten sprengen. Die zu lösenden Probleme machen so tief gehende Forschungen notwendig, wie sie nun einmal nur an Forschungseinrichtungen wie der TU Berlin möglich sind.

Wenn das Markenzeichen dieser Stiftungsprofessur die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind, die als Stifter fungieren, welches Signal soll dann von dieser Professur ausgehen?

Dr. Broich: Dass große Konzerne mit technischen Universitäten kooperieren, ist bekannt. Dass jedoch kleine und mittelständische Unternehmen aus eigener Initiative auf Universitäten zugehen und eine langjährige Forschungspartnerschaft anbieten - das ist neu. Die Signalwirkung, die wir uns erhoffen, ist, dass kleine und mittelständische Unternehmen auch auf anderen Gebieten diesem Modell einer nicht rechtsfähigen Stiftung unter dem Dach der Technologiestiftung folgen und in Zukunft mit der TU Berlin verstärkt zusammenarbeiten. Die Unternehmen zeigen mit diesem Engagement, dass sie ihren Beitrag leisten wollen, damit an den Universitäten bestimmte Wissenschaftsdisziplinen weiterentwickelt werden. Insofern ist diese Stiftungsprofessur für die Technologiestiftung Berlin das zukünftige Modell einer engen Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft hier in der Region Berlin/Brandenburg.

Die unabhängige Expertenkommission Forschung und Innovation EFI, die die Bundesregierung auf diesen Gebieten berät, machte im vergangenen Jahr darauf aufmerksam, dass die Forschung und Entwicklung in den kleinen und mittelständischen Unternehmen besorgniserregend rückläufig sei. Inwiefern kann durch eine solche Initiative dieser Trend umgekehrt werden?

Dr. Broich: In der Hauptstadtregion gibt es etwa 3000 kleine und mittelständische Unternehmen, die ausgesprochen technologie- und innovationsorientiert sind. Ihr Forschungsbedarf ist enorm hoch, die eigenen Ressourcen dafür sind jedoch sehr knapp. Mit dieser Art der Kooperation kann garantiert werden, dass ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeit erhalten bleibt. Außerdem können sie sich auf diesem Wege eine gewisse Art der Grundlagenforschung leisten, da es ihnen ermöglicht wird, die Forschungsressourcen einer so großen Wissenschaftseinrichtung wie der TU Berlin zu nutzen.

Dr. Haschke: Die Unternehmen werden die Einrichtung des "Berlin Laboratory for Innovative X-Ray-Technologies" an der TU Berlin unterstützen. Dort werden sie Gerätetechnik bereitstellen, die genutzt werden kann, um Ideen auszuprobieren, Tests auszuführen und grundsätzliche Entwicklungen anzuschieben. Das alles verdeutlicht, wie wichtig diesen Firmen Forschung und Innovation sind. Denn sie wissen, dass sie nur auf diesem Wege wettbewerbsfähig bleiben.

Das Gespräch führte Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 2/2009

13 Stifter sollt ihr sein

13 Unternehmen haben sich zu einer gemeinnützigen Stiftung "Analytische Röntgenphysik" zusammengeschlossen und sie mit 650 000 Euro ausgestattet. Über diese Stiftung wird die gleichnamige Stiftungsprofessur finanziert. Von 2009 bis 2011 wird die Stiftung zusätzlich von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen unterstützt. Die TSB Technologiestiftung Berlin, die die Stiftung treuhänderisch verwaltet, wird sich von 2012 bis 2016 mit einer Zuwendung engagieren. Ab 2017 soll die Stiftungsprofessur dann in eine Regelprofessur umgewandelt werden. Das haben die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und die TU Berlin vereinbart. Die Stiftungsprofessur ist an der Fakultät II Mathematik und Naturwissenschaften angesiedelt.

Die 13 Stifter sind: Axo Dresden GmbH; Bruker AXS GmbH (Karlsruhe); Bruker AXS Microanalysis GmbH (Berlin); GE Inspection Technologies (Ahrensburg); Helmut-Fischer-Stiftung (Sindelfingen-Maichingen); IFG - Institute for Scientific Instruments GmbH (Berlin); Incoatec GmbH (Geesthacht); Prof. Dr. N. Langhoff (Berlin); Optigraph GmbH (Berlin); Panalytical BV (Almelo, Niederlande); Panalytical Research Centre, University of Sussex (England); rtw Röntgen-Technik Dr. Warrikhoff GmbH & Co. KG (Neuenhagen); Spectro Analytical Instruments GmbH & Co. KG (Kleve).

sn / Quelle: "TU intern", 2/2009

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