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Hochschulpolitik

Langsamer, teurer und komplizierter

Montag, 28. Januar 2008

Das neue Urheberrecht behindert die Verbreitung von Wissen

Universitätsbibliothek
Lupe

"Für die Bibliotheken und Wissenschaftsbetriebe ist das, was die Justizministerin als Aufbruch in das digitale Zeitalter bejubelt, ein Rückschritt", klagt Dr. Wolfgang Zick. Der Leiter der Universitätsbibliothek der TU Berlin hat an dem neuen Urheberrecht zu knabbern, das am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist. Dieser sogenannte "Zweite Korb" der Urheberrechtsreform werde den Austausch und die Verbreitung von wissenschaftlichen Texten und damit die Vermittlung von Wissen auch an die Studierenden langsamer, teurer und komplizierter machen. "Leider konnten sich die Vertreter der Verlage im Justizministerium stärker durchsetzen als wir", so Zick. Die Bibliotheken hofften nun auf den "Dritten Korb", der die Belange der Wissenschaft besser berücksichtigen soll. Die Verlage dagegen können jubilieren. Ihnen winken beträchtliche Einnahmen, auch im Internet.

Digital darf die Bibliothek nur noch solche Bücher zur Verfügung stellen, die in ihrem eigenen Bestand vorhanden sind, und auch die nur in beschränkter Zahl und an bestimmten Plätzen. Ein Wissenschaftler muss nun in bestimmten Fällen eigens in die Bibliothek kommen, um dort elektronische Texte an speziellen Terminals zu lesen. Braucht er ein Dokument aus einer anderen Bibliothek und möchte sich dieses in digitaler Form übersenden lassen, ist dies in Zukunft nicht mehr möglich, wenn das Dokument beim Verlag elektronisch verfügbar ist. Dies hat zur Folge, dass zunächst in einem aufwendigen Verfahren geprüft werden muss, welcher Verlag welches Dokument liefern kann. Lediglich Post- und Faxversand durch die Bibliotheken sind immer noch möglich. "Das ist ein Rückfall ins Zeitalter vor Einführung der EDV", so Zick. Eine Reihe von Dokumentenliefereinrichtungen hat ihren Versand daraufhin bereits eingestellt; als Folge davon kann die UB ihre gut genutzte Dienstleistung "Express-Fernleihe" nicht mehr anbieten. Selbst Hochschullehrer können in der Regel ihre eigenen Verlagspublikationen nicht mehr ohne Weiteres zwecks E-Learning ins Internet stellen, da sie die Rechte dafür an den Verlag abgetreten haben. Derzeit ist noch gar nicht zu übersehen, welche finanziellen Folgen das für die Hochschulen haben wird.

Der Ausweg für die Forscher, nur über den hochschuleigenen Server in "Open Access"-Magazinen zu veröffentlichen, ist für die meisten Wissenschaftler keine Alternative. Aus Karrieregründen sind sie darauf angewiesen, in renommierten Verlagsmagazinen wie "Science" oder "Nature" zu veröffentlichen.
Dabei wäre eine so weitreichende Verschärfung gar nicht nötig gewesen, so Wolfgang Zick. Argument für die Reform sei nämlich die Anpassung der deutschen Regularien an europäisches Recht. Doch dies ist nicht in allen Fällen so weitgehend wie das neue deutsche Urheberrechtsgesetz. "Zumindest muss der digitale Dokumentenversand möglich gemacht werden und ein Zugang zu den Ressourcen der eigenen Bibliothek von allen Arbeitsplätzen einer Hochschule aus erlaubt sein", fordert Bibliotheksleiter Zick. "Wir können nur hoffen, dass es uns gelingt, zu zeigen, dass die derzeitigen Regelungen die Wissenschaft massiv behindern."

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 01/2008

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