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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Gebündelt, geprüft und zugelassen

Montag, 14. April 2008

Wie die neue Stiftung für Hochschulzulassung die Studienplatzvergabe optimieren soll

Ulf Bade ist Direktor der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS)
Ulf Bade ist Direktor der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS)
Lupe

Herr Dr. Bade, nach dem Abschluss des neuen Staatsvertrages mit dem Inhalt, eine "gemeinsame Einrichtung für Hochschulzulassung" zu schaffen, wird die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, kurz ZVS, aufgelöst beziehungsweise in eine andere Rechtsform überführt. Diese Service-Agentur soll die Form einer Stiftung haben, wie von der Hochschulrektorenkonferenz vorgeschlagen. Was ändert sich konkret durch diese neue Rechtsform und wer sind die Träger?

Träger der neuen - übrigens vermögenslosen - Stiftung sind die Bundesländer und die Hochschulen zu gleichen Teilen. Während die alte ZVS nur staatliche Aufträge umgesetzt hat, wird die neue Stiftung zweigleisig fahren: Neben der im staatlichen Auftrag durchgeführten Studienplatzvergabe beispielsweise für die medizinischen Studiengänge wird sie Serviceleistungen im Auftrag der Hochschulen erbringen; sie wird sich also flexibler auf die Wünsche der Hochschulen einstellen.

Warum ist diese Umstrukturierung notwendig und welche Maßnahmen sind nun bei der ZVS nötig, um diese Aufgabe wahrzunehmen?

Nun, die Zulassungssituation ist in den letzten Jahren immer komplexer und intransparenter geworden, für die Studieninteressierten wie für die Hochschulen. Die Folgen sind zu jedem Semesterstart zu beobachten: mehr Zulassungsbeschränkungen, mehr unkoordinierte Mehrfachbewerbungen, Zulassungen, die nicht zur Einschreibung führen, eine Vielzahl von Nachrückverfahren, Exmatrikulation von bereits Eingeschriebenen, weil diese ein "besseres" Studienangebot erhalten haben, und zum Semesterbeginn noch freie Studienplätze.

Ist ein Start der Service-Agentur bereits 2009 realistisch und welche Zwischenschritte sind bis dahin notwendig?

Die neuen Serviceleistungen erprobt die ZVS bereits seit dem Wintersemester 2006, zuerst nur für nordrhein-westfälische Hochschulen, ab dem Wintersemester 2008 auch bundesweit für Rechtswissenschaft sowie für Bachelorangebote in Betriebswirtschaft und Psychologie. Bis die rechtlichen Grundlagen - also der neue Staatsvertrag und das Stiftungsgesetz - von allen 16 Landesparlamenten genehmigt sind, werden allerdings erfahrungsgemäß 18 Monate vergehen.

Können die Hochschulen wählen, ob sie ihr Auswahlverfahren an die Service-Agentur abgeben, oder ist es vorgesehen, dass sich alle Studieninteressierten nur noch bei der Servicestelle bewerben?

Der Service der neuen ZVS ist ein Angebot an die Hochschulen. Er wird umso besser funktionieren, je mehr Hochschulen ihn nutzen. Die Berliner Hochschulen haben sich leider noch nicht dazu entschließen können. Ich höre immer wieder Sätze wie: "Wir würden ja gerne … aber nur, wenn auch die anderen sich beteiligen." Gerade die Berliner Hochschulen könnten aus dem Service-Verfahren großen Nutzen ziehen, wenn sie sich auf eine einheitliche Haltung verständigen könnten.

Mehr als 50 Prozent der Studiengänge sind derzeit bundesweit mit einem NC belegt. Ist das mit dem Verfassungsrecht vereinbar? Derzeit ist ebenfalls unüberschaubar, wie viele Studienplätze nach dem Zulassungsmarathon bundesweit frei bleiben, wofür es aber Bewerber gäbe. Könnte man diese Probleme mit der neuen Stiftung lösen?

Das Bundesverfassungsgericht hat 1972 in seiner ersten Numerus-clausus-Entscheidung festgelegt, dass Zulassungsbeschränkungen nur dann grundgesetzkonform sind, wenn die Ausbildungsmöglichkeiten der Hochschulen vollständig ausgeschöpft werden. Ein koordiniertes Bewerbungsmanagement stellt sicher, dass rechtzeitig vor Semesterbeginn alle Studienplätze, für die eine Nachfrage besteht, besetzt sind.

Wie soll das Verfahren ablaufen und was sind die bedeutsamsten Neuerungen gegenüber der alten ZVS, sowohl als Service für die Studierenden als auch für die Hochschulen?

Die neue ZVS wird - wie bisher - ein Informationsportal für die Studieninteressierten sein, das über Studienangebote, über Auswahlverfahren und Bewerbungsmodalitäten informiert. Sie wird zweitens ein Bewerbungsportal sein, das online die Studienwünsche der Bewerber registriert. Die Bewerber senden ihre Unterlagen an die Servicestelle, die diese prüft und die Daten den Hochschulen für deren Auswahlentscheidung zur Verfügung stellt. Falls gewünscht, kann die neue ZVS die Hochschulen beim Auswahlverfahren technisch unterstützen.
Den entscheidenden Mehrwert für Hochschulen und Bewerber bietet die dritte Funktion der neuen ZVS: Die Ergebnisse der einzelnen Hochschulentscheidungen werden zentral zusammengeführt und abgeglichen. Statt vieler unkoordinierter Einzelzulassungen wird nur eine einzige Zulassung - und zwar in der für den Bewerber optimal möglichen Präferenz - im Auftrag der Hochschule versandt. Alle übrigen für einen einzelnen Bewerber möglichen Studienangebote stehen dann unmittelbar wieder anderen Interessenten zur Verfügung.
Die neue ZVS bündelt die örtlichen Auswahlverfahren der Hochschulen. Die Auswahlentscheidung bleibt vollständig in der Hand der Hochschule. Die neue ZVS liefert dazu den organisatorischen Rahmen in einem koordinierten Verfahrensablauf.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 4/2008

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