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TU Berlin

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Hochschulpolitik

Erfolgreiche Hochschulen machen es vor

Montag, 18. Juni 2007

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist keine Privatsache - Stifterverband gibt Empfehlungen

Dr. Christoph Schneider
Dr. Christoph Schneider war langjähriger Leiter der Abteilung "Fachliche Angelegenheiten der Forschungsförderung" in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und hat an der Stifterverbandsstudie maßgeblich mitgewirkt
Lupe

Herr Dr. Schneider, der Schlüssel zur Verbesserung der deutschen Innovationsfähigkeit liegt in einer engeren Zusammenarbeit von Unternehmen mit Hochschulen und Forschungsinstituten - das ist die Kernaussage der kürzlich vom Stifterverband veröffentlichten Studie "Innovationsfaktor Kooperation". Welches sind Ihre wichtigsten Empfehlungen?

Aus meiner persönlichen Sicht sind es folgende. Erstens: die Abschaffung des sogenannten Vergaberahmens in der Besoldung. Das ist eine Art Zwangskartell der Länder und Hochschulen mit der Grundintention, dass Professoren überall gleich wenig finanzielle Anreize erhalten. Ein Wettbewerb der Hochschulen mit der Wirtschaft ist damit ebenso ausgeschlossen wie mit dem Ausland. Diese unsinnige Vorschrift sollte fallen. Zweitens: Mehr und vor allem konzentriertere Förderung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft durch die öffentliche Hand. Drittens: Die Hochschulen müssen sich auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen besser einrichten. Unter anderem brauchen sie, nahe der Leitungsebene, Spezialisten, die sich mit der Kooperation und ihren Randbedingungen auskennen.

Warum tun sich deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen bisher so schwer mit solchen Public-Private-Partnerships?

Eine Anzahl von ihnen tut sich gar nicht so schwer. Aber Hochschulen und Forschungseinrichtungen wissen zu wenig voneinander; die Einsicht, dass man von den Erfolgreichsten lernen könnte, wächst langsam. Es liegt wohl auch daran, dass Zusammenarbeit mit Unternehmen lange als eine Art Privatsache einzelner Hochschullehrer angesehen wurde, mit der die Hochschulleitung nichts zu tun hatte. Bis heute sind solche Kooperationen in Nebentätigkeit zahlreich, auch wenn sie für die Hochschule wichtig sind.

Welche Rahmenbedingungen muss die Politik schaffen, um gewinnbringende Kooperationen zu unterstützen?

Ein zusammenhängendes, substanziell dotiertes und öffentlich gut sichtbares Förderprogramm für die Kooperation würde viel bewegen. BioRegio oder die Exzellenzinitiative sind solche Beispiele. Das Programm sollte Zusammenarbeit nicht nur in Forschung und Entwicklung, sondern auch in der Lehre und der Weiterbildung unterstützen. Ganz wichtig wären auch international konkurrenzfähige steuerliche Rahmenbedingungen für forschungsintensive Unternehmen - vor allem natürlich in der Gründungsphase - sowohl für die Unternehmer als auch für Investoren. Die Hochschulen selbst dürfen schon alles, was sie tun müssten.

Wo müssen sich die Hochschulen also ändern?

Sie sollten die Kooperation in Lehre, Weiterbildung und Forschung so wichtig nehmen, wie sie es verdient, und sich an das Beispiel der darin erfolgreichsten Hochschulen - zum Beispiel der TU Berlin - halten. Partnerschaften mit Unternehmen sind "Chefsache"; sie brauchen langen Atem und eine kohärente, nach innen und außen verständliche Politik der Hochschulleitung.

Das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren eher argwöhnisch beäugt. Hat sich das Klima hier gewandelt? Welche Berührungsängste gibt es noch?

Das Klima ist dabei, sich zu ändern. Kooperation wird in den Medien positiv kommentiert. Immer mehr Hochschulverwaltungen sind unterwegs, die Mechanismen zu verstehen und zu beherrschen. Ich sehe - außer in Disziplinen, von denen eine Kooperation mit Unternehmen nicht verlangt werden darf - weniger Berührungsängste als Schwierigkeiten bei der Herstellung wechselseitigen Vertrauens. Das braucht, so verschieden, wie Unternehmen und Hochschulen nun einmal sind, viel Mühe und Sorgfalt und etwas, was in Hochschulen besonders kostbar ist: Zeit.

Die Fragen stellte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 6/2007

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