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TU Berlin

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EIN-Blick für Journalisten

Konsum – Retter oder Totengräber?

Montag, 28. September 2009

Medieninformation Nr. 232/2009

Wolfgang König untersucht den Konsum als Lebensform der Moderne und beschreibt seine Grenzen

"Die Banken- und Wirtschaftskrise rückt den Konsumenten ins Blickfeld. Von ihm scheint Wohl und Wehe der Weltwirtschaft abzuhängen. Shopping soll der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Die Kauflaune wird in den einzelnen Ländern durch Maßnahmen gefördert, wie die deutsche Abwrackprämie für Altautos. Was die Banker vermasselt haben – so die Botschaft –, soll der Konsument wieder richten", sagt Wolfgang König, Professor für Technikgeschichte an der TU Berlin.

Wolfgang König hat die Konsumgesellschaft untersucht und eine "Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft" geschrieben. Ausgehend vom Konsum als menschheitsgeschichtliches Phänomen und den Voraussetzungen für die Konsumgesellschaft (Zeit und Geld), über die Frage, wofür die Menschen Geld ausgeben, bis hin zur Rolle von Individualisierung und Globalisierung in der Konsumgesellschaft beschreibt König den Konsum als Lebensform der Moderne.

Der Wissenschaftler plädiert dafür, dass Konsum und die Konsumgesellschaft über die Tagesaktualität hinaus zu einem zentralen Thema der Wissenschaft werden sollte. "Konsumgesellschaft ist gerade in Deutschland ein junges Pflänzchen", sagt König. "Eine solche, die der älteren amerikanischen gleichkam, bildete sich in der Bundesrepublik erst im Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit heraus."

In mancherlei Hinsicht scheint sie aber bereits in den letzten Jahrzehnten an Grenzen geraten zu sein. Für die Mehrheit der Arbeitenden sei die Zeit der großen Reallohnsteigerungen seit geraumer Zeit vorbei und es herrsche allgemeine Übereinstimmung darin, dass der konsumtive Lebensstil der Wohlstandsminderheit nicht auf die gesamte Welt übertragen werden könne. "Die zusätzlichen Umweltbelastungen könnte die Erde nicht verkraften", sagt Wolfgang König.

Seine Analyse endet mit der Feststellung, dass diese Lebensform an einem Scheideweg steht. Denn ein Viertel der Weltbevölkerung verbrauche drei Viertel der Ressourcen und erzeuge drei Viertel des Abfalls und der Emissionen. Ein solcher Lebensstil, so König, lasse sich nicht universalisieren. "Die Welt befindet sich in einer aporetischen Situation. In den Wohlstandsländern ist kaum der Wille zu erkennen, das Konsumniveau zu reduzieren. Bereits stagnative Tendenzen rufen Verteilungskämpfe, politische Proteste und soziale Verwerfungen hervor. Ebenso ist die Bereitschaft der sich entwickelnden Länder gering, durch Konsumverzicht die Lasten der von anderen verursachten globalen Umweltkrise zu schultern", urteilt König und fährt fort: "Die Welt ist an den Grenzen der Konsumgesellschaft angelangt. Es ist noch nicht zu erkennen, was hinter diesen Grenzen liegt."

  • "Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft. Konsum als Lebensform der Moderne", Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2008, 294 Seiten, 24,90 Euro
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Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:

Prof. Dr. Wolfgang König
TU Berlin
Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte
Fachgebiet Technikgeschichte
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Tel.: 030/314-24068, -24844

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