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TU Berlin

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EIN-Blick für Journalisten

Forschen, wo andere Ferien machen – Auf den Spuren der Mönche von Naxos

Montag, 30. März 2009

Medieninformation Nr. 79/2009

Drei Absolventinnen des TU-Masterstudiengangs Denkmalpflege haben ein noch unbekanntes byzantinisches Kloster erforscht

Touristen kommen gern im Sommer auf die griechische Insel Naxos: Das azurblaue Mittelmeer verspricht Abkühlung, der Strand Erholung. Dass es im August 2008 drei Master-Studentinnen der Technischen Universität Berlin auf die Insel zog, um aus eigenem Antrieb zu arbeiten, hat die Einheimischen allerdings erstaunt. "Dass drei junge Frauen mitten in den Ferien jeden Tag in die uralte Kirche gegangen sind, fanden die Leute spannend", erzählt Maria Kostakopoulou.

Die Archäologin aus Griechenland, die aus Syrien stammende Architektin Mayssoun Issa und die deutsche Restauratorin Katharina Rütten widmeten ihre Abschlussarbeit im Masterstudiengang Denkmalpflege dem Kloster Agios Demetrios. "Wir hatten nach einem Thema gesucht, das für uns alle spannende Aspekte beinhaltete. Allerdings wollten wir erst eine Kirche untersuchen, die sich dann vor Ort als ungeeignet für eine Masterarbeit erwies", berichtet Mayssoun Issa. Gemeinsam mit der Antikenverwaltung von Naxos fiel die endgültige Wahl dann auf das Kloster, das wegen seines relativ unberührten Zustandes und mehrerer Bauphasen genügend Forschungsmaterial für die drei Studentinnen bot.

Zwei Monate lebten die drei Frauen in einer kleinen Wohnung, die ihnen die Kulturverwaltung des kleinen Ortes Koronos zur Verfügung gestellt hatte. Um 5.30 Uhr klingelte am Morgen der Wecker. "Wir wollten vor der Mittagshitze zwischen 12.00 und 15.00 Uhr schon möglichst viel schaffen", erzählt Maria Kostakopoulou. Gegen die glühende Hitze halfen danach nur eine ausgiebige Siesta und Sonnenschirme. In dem unwegsamen Gelände abseits der Touristenpfade war außerdem kreative Inspiration gefragt: Um eine Richtschnur zum Vermessen einer Mauer befestigen zu können, wurde kurzerhand der Geländewagen eines Schäfers okkupiert. Zugesetzt hat den Frauen eine Fliegeninvasion: "Zwei der Klosterzellen wurden von den Einheimischen als Stall für ihre Esel benutzt. Durch unsere Arbeit konnten wir auch dazu beitragen, dass sie den Wert des Klosters nun höher einschätzen", sagt Architektin Issa.

Zunächst dokumentierten die angehenden Denkmalpflegerinnen den Zustand des alten Gemäuers mit einer Bauaufnahme. Außerdem untersuchten sie die Wandmalereien, kartierten Schäden und erarbeiteten Vorschläge, wie das Denkmal mit ersten Maßnahmen vor dem weiteren Verfall geschützt werden könnte. Während ihrer Nachforschungen vor Ort fanden sie heraus, dass es bereits im 9. Jahrhundert eine kleine Kirche und eine Siedlung an diesem Ort gegeben haben muss, die im 15. Jahrhundert verlassen wurde. "Um 1770 kamen dann Mönche als Flüchtlinge nach Naxos und haben mit den Steinen der verlassenen Siedlung rund um die Kirche die Klosterzellen gebaut", erläutert die Archäologin Maria Kostakopoulou. Außerdem gebe es Indizien dafür, etwa den Namen des Klosters, dass es an dieser Stelle bereits einmal einen Tempel für die Göttin Demeter gab.

"Ich dachte immer, in Griechenland sind alle Denkmäler erforscht. Das gilt allerdings nicht für die kleineren Objekte, deren Geschichte nicht minder spannend ist. Es gibt mehr als 500 byzantinische Denkmäler auf den Kykladen allein auf Naxos über 150", sagt Mayssoun Issa. So haben die drei Frauen Hinweise auf eine geheime Schule gefunden und würden gern auch den Hofbereich noch genauer unter die Lupe nehmen. Wie hoch die Insulaner die Arbeit der TU-Studentinnen einschätzen, bewiesen sie kürzlich bei der Präsentation der Masterarbeit in Berlin: Mehrere Mitglieder des Kulturvereins Kinidaros waren extra angereist.

"Die Ergebnisse unserer Arbeit spiegeln 1000 Jahre Geschichte in verschiedenen Bauphasen wieder. Unser Ziel ist es jetzt, gemeinsam mit dem Kulturverein Kinidaros Geld aufzutreiben, um diesen bisher unentdeckten Schatz nicht länger dem Verfall preiszugeben", sagt Maria Kostakopoulou. Im Kloster müssen Kuppel und Gewölbe abgestützt werden und man könnte das Kloster Agios Demetrios sicher auch als spannenden Ort für die Touristen etablieren, die auf Naxos noch mehr erleben wollen als azurblaues Meer und einladende Strände.

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Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:

Mayssoun Issa - Maria Kostakopoulou - Katharina Rütten
Absolventinnen des Masterstudiengangs Denkmalpflege der TU Berlin
oder
Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack
Institut für Architektur
Fachgebiet Historische Bauforschung
Masterstudiengang Denkmalpflege
Tel.: 030/314-79611

baugeschichte.a.tu-berlin.de/hbf-msd/index.html

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