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TU Berlin

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Forschung

„Wir müssen über Mauern reden“

Freitag, 25. Oktober 2019

Auch in der Natur sind bis heute Narben der Geschichte zu sehen

Zunächst unauffällig, der Waldweg in Brandenburg – westlich von Berlin –, doch bei genauerem Hinsehen zeigt die unterschiedli-che Vegetation: Hier verlief die Grenze zur DDR
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Elsa Anderson
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Welchen Einfluss hatten der Mauerbau und die Zeit der Teilung Berlins auf die Waldvegetation rund um die Stadt? Haben sich hier andere Arten angesiedelt als in den durchgängig bewaldeten Arealen in Brandenburg? Und was davon ist heute noch sichtbar? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Dr. Elsa Anderson, Biologin von der University of Illinois in Chicago, die sich als Stipendiatin der Fulbright-Stiftung zehn Monate lang im Institut für Ökologie der TU Berlin bei Prof. Dr. Ingo Kowarik aufhielt.
„Meine Untersuchungen haben gezeigt, dass die Naturumgebung uns viel über die Geschichte eines Areals erzählen kann“, sagt Elsa Anderson. „Soziopolitische Traumata hinterlassen, wie die veränderte Landnutzung rund um Grenzen und Mauern zeigt, ökologische Narben.“ Für ihre Fallstudie wertete sie unter anderem Luftaufnahmen von einen 500 Meter breiten Waldstreifen aus den Jahren 1928 – also rund 30 Jahre vor dem Mauerbau – und 2018 – rund 30 Jahre nach dem Mauerbau – aus und verglich sie mit Aufnahmen von ähnlich breiten Waldstreifen am Ostrand der Stadt, wo es keine Grenze gab. Sie identifizierte alle Pflanzenarten einschließlich der Bäume. „Natürlich haben sich die bewaldeten Areale außerhalb der Metropole Berlin im Verlaufe des 20. Jahrhunderts verändert“, so die Biologin. „Und nicht alle haben etwas mit dem Mauerbau zu tun.“ Eindeutig ist, dass der Flächenanteil von Bäumen enorm zugenommen hat, was unter anderem mit der Umwandlung von Landwirtschaftsflächen in Wohngebiete zu tun hat. Doch Elsa Anderson fand auch eindeutige Spuren der Berliner Mauer in der Vegetation. Zum Beispiel sind zwei der drei typischen Baumarten sehr viel häufiger auf der Brandenburger Seite anzutreffen als auf der Berliner Seite. Anderson schließt daraus, dass gerade der brandenburgische Wald in diesem Areal sich über die letzten wenigen Dekaden hinweg deutlich verändert hat, von offenen Arealen hin zu dichten Wäldern. Ein Grund hierfür ist wohl, dass zu Zeiten der DDR Sicherheitsaspekte beim Waldmanagement wichtiger waren als ökologische Gesichtspunkte. Das Poster über ihre Forschung, das sie „We need to talk about Walls“ genannt hatte, konnte Elsa Anderson auf dem Welt-Kongress der Landschafts­ökologie (International Association for Landscape Ecology) im Juli dieses Jahres in Mailand präsentieren. „Ich stieß damit auf sehr großes Interesse, sodass viele interessante Kontakte zustande kamen“, so Elsa Anderson. Die Reise nach Mailand war finanziell von der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e. V. unterstützt worden. Mit dieser neuen Erfahrung und guten Kontakten zur TU Berlin ist Elsa Anderson nun schon wieder auf und davon – an das renommierte Cary Institute of Ecosystem Studies in New York, wo sie Anfang Oktober eine Postdoc-Stelle angetreten hat, um weiter zu Landschaftsökologie, Nachhaltigkeit, historischer Ökologie und ökologischer Rekultivierung zu arbeiten.

Patricia Pätzold

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