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Forschung

Völlig neue Geschäftsmodelle

Montag, 29. Juli 2019

Die „Token Gallery“ visualisiert erstmals Strukturen in der Welt von digitalen Zahlungsmitteln und anderen Blockchain-Transaktionen

Die Galerie bietet bislang einen Überblick über 49 verschiedene Ethereum-Tokens. Sie zeigen Vernetzungen innerhalb von Com-munitys an, die Anzahl der Teilnehmenden, die Anzahl der Transaktionen und vieles mehr
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Die Revolution begann vor zehn Jahren: „Bitcoin“, die erste Kryptowährung, das erste vollständig dezentrale digitale Zahlungsmittel, wurde geboren. Verwaltet wird sie per Blockchain-Technologie. Diese ermöglicht den gleichzeitigen Zugriff vieler Teilnehmer auf aktuelle und verlässliche Daten aus dem dezentralen Kontosystem. Im Lauf der Zeit kamen sowohl weitere dezentral geführte Buchungssysteme hinzu, die Distributed Ledgers (DL), als auch weitere Ersatzwährungen, die inzwischen nicht mehr nur Zahlungsmittel sind, sondern viele weitere Funktionen aufweisen: die Tokens. Sie geben Auskunft über Unternehmensanteile, über den Besitz digitaler Gegenstände, über Abstimmungsrechte innerhalb einer Community und mehr. Diese virtuelle Welt ist in Bewegung, es gibt vielfältige Kontakte zwischen Menschen, die sich persönlich gar nicht kennen, Geldüberweisungen, Rechtezuweisungen und viele weitere Transaktionen. Wie funktioniert dieses Netzwerk? Wie sehen die Transaktions-Strukturen aus? Das war bislang weitgehend unbekannt. Forscher*innen des TU-Fachgebiets Service-centric Networking (SNET) von Prof. Dr. Axel Küpper am Institut für Telekommunikationssysteme haben diese Token-Transaktionen erstmals umfassend analysiert – und fanden dabei zahlreiche Hinweise auf bislang unbekannte Strukturen. Aus Hunderten Millionen von Datenpunkten ermittelten sie Wege und Kontakte, über die der Austausch von Geld und anderen Waren weltweit funktioniert. Um auch der Öffentlichkeit ein Erklärungsmodell anzubieten, haben sie diese Transaktions-Netzwerke nun in ihrer neu eröffneten interaktiven „Token Gallery“ visuell dargestellt.
„Neue Anwendungen und Funktionen der Tokens werden über ‚Smart Contracts‘ geregelt. Das sind kleine Computerprogramme, die nur auf einer Blockchain ausgeführt und von Rechte­inhabern geändert werden können“, erklärt Informatiker Dr. Peter Ruppel, Postdoc im Fachgebiet SNET. Er hat die „Token Gallery“ zusammen mit seinem Kollegen, dem Doktoranden Friedhelm Victor, entwickelt. „Ein verbreitetes System für ‚Smart Contracts‘ wiederum ist die Blockchain-Technologie ‚Ethereum‘, die als interne Kryptowährung den ‚Ether‘ benutzt“, erläutert er. Zum Beispiel griffen Start-ups gern darauf zurück, um die Verteilung von Unternehmensanteilen, digitalen Gegenständen oder Abstimmungsrechten durch Tokens abzubilden. „Statt an einer klassischen Börse werden die Tokens oft dezentral durch sogenannte Initial Coin Offerings, ICOs, ausgegeben“, berichtet Peter Ruppel. Der „Smart Contract“, auf dem der Handel basiert – das Versteigern, das Überweisen von einer Blockchain-Adresse zur anderen, das Abfragen aktueller Kontostände oder Zugriffsregelungen für Dritte bei bestimmten Konten –, besteht aus einem Programmcode. „Unsere ‚Token Gallery‘ visualisiert durch Farbgebung und Verbindungslinien unter anderem sehr deutlich Kontakte innerhalb der der Community oder Besonderheiten bei der Verteilung von Tokens. Dazu gehört auch das Verschenken von Tokens an bestimmte Blockchain-Adressen bei sogenannten ‚Airdrops‘. Gründer*innen nutzen die ‚Airdrops‘, in der Hoffnung, das Interesse an ihrem Token in der Community zu steigern und damit dessen Wert“, so Peter Ruppel. „Wir haben es hier mit neuartigen Netzwerk-Strukturen zu tun, die sich erheblich von den typischen Strukturen sozialer Netzwerke oder von Kommunikations- und Transportnetzen unterscheiden.“ Die „Token Gallery“ der beiden TU-Wissenschaftler lässt die Wege von 1000 der am häufigsten transferierten Ethereum-Tokens erkennen. Viele Nutzungsmuster sind neu. „Oft stehen dahinter völlig neue dezentrale Anwendungen und Geschäftsmodelle“, vermutet Peter Ruppel. Erste Ergebnisse wurden bereits auf der Fachkonferenz „Financial Cryptography and Data Security“ vorgestellt.

https://tokengallery.net  
www.snet.tu-berlin.de 

Patricia Pätzold, "TU intern" Juli 2019

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