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Forschung

Mit regionalen Lebensmitteln die Welt retten?

­Welche Kriterien verbergen sich hinter Begriffen wie „regional“ und „nachhaltig“ und wie transparent sind sie? Studierende des BANA-Gasthörerstudiums haben dazu ein Projekt entworfen und Handlungsrichtlinien für nachhaltigen Konsum abgeleitet

Die Mango aus Mexiko, die Erdbeeren aus Ägypten, der Apfel aus Deutschland für den Fruchtjoghurt. Zusammengerührt wird er in einer deutschen Molkerei. Ist es dann ein Joghurt aus der Region?
Lupe [1]

Wer in den Szenevierteln Berlins lebt, kennt diese Frage: „Ist das auch regional?“ Lebensmittel, die unter diesem Schlagwort angeboten werden, gelten als besonders empfehlenswert. Doch stimmt das? Und was heißt das eigentlich: „Regionalität“?

Ein von BANA-Gasthörerstudierenden gemeinsam entwickeltes und durchgeführtes Projekt ging der Frage nach, ob regionale Produkte a priori besser sind oder ob es unter bestimmten Umständen auch ein Apfel aus Neuseeland sein kann. Sie untersuchten, welche Kriterien den Lebensmitteleinkauf bestimmen. Anna Haas, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin der TU-Projektwerkstätten, leitete das Projekt: „Die Studierenden haben Erzeuger von Lebensmitteln um Berlin erst ge- und dann besucht. Aus den Exkursionen entstand eine Studie zur Regionalität von Äpfeln und Kartoffeln.“ Im Mittelpunkt standen die Transparenz der Kriterien und die Möglichkeit, einfache Handlungsempfehlungen für Endverbraucher*innen zu formulieren.

Zur Überraschung auch einiger Studierender hängt der CO2-Abdruck stark von der Jahreszeit ab. Im Frühling können in Deutschland Äpfel aus Neuseeland einen besseren CO2-Abdruck haben als deutsche Äpfel. „Zumindest, wenn der deutsche Apfel den Winter über professionell gelagert wurde“, wie Helmut Kimling betont, einer der Gasthörerstudierenden, die an dem Projekt beteiligt waren. Und seine Kommilitonin Manuela Priebe-Kahlert erklärt: „Der knapp vierwöchige Transport eines Apfels von Neuseeland nach Deutschland verbraucht weniger Energie als die Lagerung eines heimischen über ein halbes Jahr.“

Es ist also nicht so einfach mit den Handlungsempfehlungen, wie auch Dr. Gabriele Schaepers-Feese betont, wissenschaftliche Leiterin des BANA-Gasthörerstudiums: „Wir können nicht sagen, dass regional immer besser ist. Das erschwert es für die Verbraucher*innen.“ Dennoch ließen sich ein paar einfache Faustregeln ableiten: „Bei jahreszeitlich frischen Produkten ist Regionalität eindeutig im Vorteil.“ Oder anders ausgedrückt: „Wer heimische Kräuter im Frühjahr, Kartoffeln im Sommer und Äpfel im Herbst kauft, ist auf der sicheren Seite.“ Wenn das so einfach wäre. Denn die Herkunftsregion der Waren ist nicht immer eindeutig zu bestimmen. So stellten die Studierenden überrascht fest, dass der Begriff „regional“ weder definiert noch gesetzlich geschützt ist. Bei Milchprodukten zählt ohnehin nicht, wo die Kühe grasen, sondern wo die Milch abgefüllt wird. Besonders schwer wird es, wenn Produkte aus vielen Zutaten zusammengesetzt werden. Dann kann in Berlin ein Fruchtjoghurt aus bayerischer Milch und italienischer Fruchtzubereitung als „regional“ angeboten werden.

„Die einfache Wahrheit“ lautet für Schaepers-Feese daher, „dass mit regionalen Lebensmitteln die Welt nicht zu retten ist.“ Allerdings kann man bei Verbraucherinnen und Verbrauchern das Bewusstsein schärfen. Wie das am besten zu bewerkstelligen ist und ob der einzelne Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung Einfluss auf die Hersteller ausüben kann, ist zurzeit Gegenstand eines weiteren BANA-Projekts.

Jochen Müller, "TU intern" Februar 2019
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