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TU Berlin

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Forschung

Wilde Natur und „Essbare Schule“

Erste europäische Vergleichsstudie zur Bewertung von Artenvielfalt in Städten und der Alltag einer Berliner Schule

Im Schulgarten lernen die Kinder auch die Nützlichkeit der wilden Natur kennen
Lupe

Für die Kinder war die Brache hinter der Caspar-Friedrich-Schule in Marzahn-Hellersdorf ein unbekanntes Paradies. Niemand von ihnen nahm die Wildpflanzen wahr, die dort wachsen und blühen. Erst als Studierende der TU Berlin gemeinsam mit einigen Schülerinnen und Schülern die Pflanzen erkundeten und essbare Pflanzen ernteten, änderte sich ihr Verhältnis zur wilden Natur.

Ein internationales Forschungsteam um Ingo Kowarik, Professor für Ökosystemkunde und Pflanzenökologie, und Stadtökologin Leonie Fischer vom Institut für Ökologie der TU Berlin brachte die Kooperation mit der Sekundarschule im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts „Green Surge“ auf den Weg. Das Team führte zwischen 2013 und 2017 die erste groß angelegte Vergleichsstudie zur Bewertung von Artenvielfalt in städtischen Lebensräumen durch. Sie kombinierten Methoden aus Ökologie und Psychologie und befragten etwa 4000 Menschen in fünf europäischen Städten, darunter Berlin. Dabei ging es darum, wie Stadtbewohner Ausschnitte aus ihrem städtischen Umfeld bewerten, die unterschiedliche Niveaus von Artenvielfalt zeigen, und wie sie Grünflächen nutzen.

Gleichzeitig verbanden sie Forschung und Praxis: Sie unterstützten an der Schule in Marzahn-Hellersdorf urbanes Gärtnern und förderten dabei die Biodiversität. Das Ziel: gesunde Ernährung und gesunde Umwelt zu koppeln. Gemeinsam arbeiteten Universität, Schule, Landschaftsarchitekten, Bezirk und Vereine am Konzept der „Essbaren Schule“ und entwarfen den neuen Schulgarten. „In diesem Zusammenhang erforschten wir die Förderung von Artenvielfalt im Alltagsleben“, sagt Leonie Fischer.
Beete wurden angelegt, Beerensträucher gesetzt und Hochbeete errichtet. Nachdem der Schulgarten fertig war, begann die Gruppe, die benachbarte Brache erlebbar zu machen. Aktionen wie ein Pflanzenquiz, das Schülerinnen und Schüler durch die Brachfläche führt, oder das Identifizieren, Sammeln und Verkosten von Wildpflanzen gehören jetzt zum Schulalltag. So lernen die Schüler*innen neben den Kulturpflanzen aus dem Schulgarten auch essbare Wildpflanzen kennen, die auf der Brache wachsen. Sie ernten Obst und Gemüse im Garten, sammeln Wildkräuter und verarbeiten sie gemeinsam in der Küche zu gesunden Mahlzeiten.

„Hohe Artenvielfalt sowie die wilde Natur auf Brachflächen stoßen generell auf große Zustimmung, und zwar durch alle Gesellschaftsschichten“, fasst Ingo Kowarik die Ergebnisse aus Forschungsumfrage und Praxis zusammen. „Das bedeutet, dass es starken gesellschaftlichen Rückenwind gibt für die Förderung von biologischer Vielfalt innerhalb von Städten.“

Über das Forschungsprojekt hinaus bleiben Schulgarten und wilde Natur der Brache Teil des Curriculums an der Caspar-Friedrich-Schule. Die Kinder lernen weiter im Rahmen der „Essbaren Schule“, ein Bewusstsein für den Nutzen von Stadtnatur zu entwickeln. Sie gehen den Weg weiter, den die TU Berlin mit ihnen bereitet hat. Wie solche Initiativen breiter in Städten etabliert werden können, bleibt eine spannende Forschungsfrage.

Zum Imagefilm „Essbare Schule“: www.youtube.com/watch?v=g8l31_2msvo

Dagmar Trüpschuch, "TU intern" 25. Juni 2018

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