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TU Berlin

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Forschung

Kosmischer Zoo

Der Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch untersucht die Bedingungen für außerirdisches Leben - und ist überzeugt: Wir sind nicht allein

Venus und Mars in der Hand: Dirk Schulze-Makuch erhielt 2013 einen ERC Grant für seine Forschung
Lupe

"Wir wissen heute, dass alles, woraus wir bestehen, auch auf anderen Planeten und in anderen Sternensystemen im Weltall existiert: Elemente, Minerale, chemische Bausteine und auch Wasser", sagt Dirk Schulze-Makuch. "Warum also sollten sich daraus nicht, unter bestimmten Bedingungen, auch komplexere Lebensformen bilden oder gebildet haben, wie es auf der Erde auch geschehen ist, die sich nur in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden? Auch die Erde hat mehr als vier Milliarden Jahre gebraucht, bis sich in einem winzigen Zeitabschnitt von einigen Hunderttausend Jahren technologisch intelligentes Leben wie der Mensch entwickelte."

Prof. Dr. Dirk Schulze-Makuch ist Astrobiologe. Er beschäftigt sich mit der Bewohnbarkeit marsianischer Umgebungen und untersucht die physiologischen und umweltbedingten Rahmenbedingungen für Leben. Mit einem Advanced Grant vom Europäischen Forschungsrat (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro kam er 2013 an die TU Berlin und forscht seither im Zentrum für Astronomie und Astrophysik. Unter anderem untersucht er zusammen mit Kolleg*innen vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) und von mehreren internationalen Universitäten und Einrichtungen in seinem "Atacama - Dry Limit of Life Project", zu dem in Kürze eine umfangreiche Veröffentlichung erscheinen wird, wo die Grenzen für Leben sind - und was man mithin an Entwicklung von Leben im Weltraum erwarten kann. "Es spricht vieles dafür, dass es parallel zu uns oder auch Jahrmillionen vor uns oder nach uns weiteres Leben, auch intelligentes Leben, in den Weiten des Weltalls gibt, gegeben hat oder noch geben wird. Es gibt viele evolutionäre biochemische Wege, um komplexes Leben, ähnlich wie Tiere oder Pflanzen, hervorzubringen. Irgendwann erscheint dann auch intelligentes Leben, das Technologie benutzen kann. Deren Lebensraum könnte auch so weit entfernt sein, dass wir noch nicht in der Lage sind, sie zu erreichen - oder sie uns. Dass wir sie jetzt nicht finden, heißt nicht, dass sie nicht existieren."

Doch Planeten mit einer habitablen, also bewohnbaren Atmosphäre zu finden, wird nicht leicht. Die meisten der mehr als 4000 momentan bekannten Exoplaneten umkreisen ihren Stern in kürzerer Distanz als die Erde die Sonne, das heißt, viele von ihnen werden zu heiß sein. "Aber natürlich wird es sehr viele Planeten außerhalb dieser Hitzezone geben", ist Schulze-Makuch überzeugt. "Sie sind nur schwerer zu finden, denn der messbare Transit, also der Vorbeizug der weiter entfernten Planeten vor ihren Sonnen, ist natürlich durch die größere Distanz viel schwerer zu detektieren."

Einige Forscher nehmen an, dass unsere Venus zu einer früheren Zeit ein Klima aufwies, das sie durchaus bewohnbar gemacht hätte. Der Meinung ist auch Schulze-Makuch. Es habe Temperaturen ähnlich denen auf der Erde gegeben und Ozeane hätten die Oberfläche überzogen. Das haben bereits in den 1980er-Jahren Messungen der US-Raumsonde "Pioneer" ergeben. Als unstrittig gilt inzwischen, dass es einen rasch fortschreitenden Treibhauseffekt gab, das Wasser in den Weltraum verdampfte und die Venus zu einem glühenden, trockenen und damit unwirtlichen Ort machte, sodass sich komplexes Leben nicht entwickeln konnte. Die dort heute herrschenden Temperaturen von bis zu 400 Grad Celsius könnten - ein gern zitierter Vergleich - Blei zum Schmelzen bringen.

Die Bedingungen für außerirdisches Leben aus astrobiologischer Sicht hat der Astrobiologe in seinem neuen Buch "The Cosmic Zoo: Complex Life on Many Worlds", das im Dezember 2017 erschien, zusammengefasst und in allgemein verständlicher Sprache beschrieben. Sind wir wirklich allein? Eine kosmische Kuriosität? Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen dagegen. 

Patricia Pätzold, "TU intern" 19. Januar 2018

Schulze-Makuch, Dirk/Bains, William: The Cosmic Zoo: Complex Life on Many Worlds (englisch), Springer Verlag, Dezember 2017, ISBN-13: 978-3319620442 (auch als E-Book)

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