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TU Berlin

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Forschung

Forschen durch Entwerfen

Im Jahr 2016 startete das „Programm Entwurfsbasierte Promotion“, das erste Promotionsprogramm zur entwurfsbasierten Forschung in Deutschland. Ein Gespräch mit den Sprechern Ralf Pasel und Jürgen Weidinger

Ralf Pasel
Lupe

Was ist entwurfsbasiertes Forschen?
Pasel: Eine Forschungsmethode zur Gewinnung von Erkenntnis durch das Entwerfen von räumlichen Artefakten wie Gebäuden oder Freianlagen. Entwerfen alleine reicht aber nicht aus. Der eigene Entwurf muss kritisch mit anderen Entwürfen abgeglichen, ins Verhältnis zu bestehenden Theorien gesetzt und im Diskurs positioniert werden. Deshalb ist nicht jeder Entwurf Forschung. Zur Forschung wird Entwerfen erst, wenn es einen Dialog zwischen Machen und Denken gibt, eine Erkenntnis erzielt und diese auch nachvollziehbar vermittelt wird. Das ist Thema des PEPs, in dem Doktorandinnen und Doktoranden entwerfend forschen.

Warum haben Sie das PEP gegründet?
Weidinger: An Universitäten werden viele Daten über Architektur und Landschaftsarchitektur gewonnen, zum Beispiel Daten über Baustoffe, Klima, Wasser. Aber alleine durch Datenkenntnis entstehen noch keine qualitätsvollen Gebäude und Freiräume. Deshalb wird in Architektur und Landschaftsarchitektur entworfen. Erst im Entwurf werden zahlreiche ethische, funktionale und ästhetische Aspekte zu einem Konzept verwoben und eine räumliche Gestalt entwickelt. An den Universitäten wird diese synthetisierende Arbeitsweise bisher kaum als Forschungsmethode angewendet. Deshalb haben wir das PEP initiiert.

Gibt es vergleichbare Programme an anderen Universitäten?
Weidinger: Ja, aber nur wenige. Das vermutlich erste Programm bot das Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) an. Wir bauen auf diesen Vorarbeiten auf, aber unterscheiden uns auch von ihnen. Unser Entwurfsbegriff ist enger gefasst. Für uns ist Entwerfen die Verkörperung einer Idee in einem räumlichen Artefakt. Darin liegt für uns der erkenntnistheoretische Kern des PEPs. Wenn eine Idee als räumliches Artefakt verkörpert wird, verstehen wir neue Aspekte, die wir durch Denken alleine nicht hätten erkennen können. Ein formaler Unterschied besteht darin, dass in anderen Ländern Gebühren für die Teilnahme an PhD-Schools verlangt werden, das lehnen wir für unsere Initiative ab.

Jürgen Weidinger
Lupe

Was ist die Voraussetzung, um am PEP teilzunehmen?
Weidinger: Für unsere Doktorandinnen und Doktoranden gelten die regulären Voraussetzungen, wie sie in der Promotionsordnung der TU Berlin beschrieben sind. Zusätzlich müssen sie ein Werk vorweisen. Das bedeutet, sie müssen über eine gereifte Entwurfserfahrung verfügen, die durch eine Serie von Entwürfen nachgewiesen wird. In der Regel wird diese Entwurfsreife nach einigen Jahren Berufspraxis in der Architektur- und Landschaftsarchitektur erreicht.

Wo steht Ihr Programm in zehn Jahren?
Pasel: Die zahlreichen Anfragen aus dem In- und Ausland spiegeln den Trend wider, entwurfsbasierte Forschung an Universitäten zu etablieren. Nach unserem Wissensstand haben wir mit dem PEP deutschlandweit das erste Promotionsprogramm zur entwurfsbasierten Forschung initiiert. Viele Kolleginnen und Kollegen an anderen deutschen Universitäten entwickeln aktuell ähnliche Programme. In zehn Jahren wird sich daher nicht nur das PEP, sondern die entwurfsbasierte Forschung allgemein etabliert und die Architekturforschung um einen Baustein erweitert haben. In zehn Jahren werden wir im PEP auch über einen Korpus an Promotionen verfügen, der Leitlinien der Entwurfsforschung in der Architektur und Landschaftsarchitektur aufzeigen wird. Außerdem gehen wir davon aus, dass wir in zehn Jahren weitere Entwurfsdisziplinen im PEP integriert haben, zum Beispiel das städtebauliche Entwerfen.

Die Fragen stellte Sebastian Feldhusen

Zu den Personen

Professor Ralf Pasel leitet das Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion CODE am Institut für Architektur. Professor Jürgen Weidinger ist Leiter des Fachgebiets Landschaftsarchitektur Entwerfen am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. Beide sind Sprecher des PEP.

Über PEP

Das Programm Entwurfsbasierte Promotion (PEP) startete 2016 an der TU Berlin. Heute promovieren in dem Programm 25 Doktorand*innen, vornehmlich aus Architektur und Landschaftsarchitektur. Das Programm wird neben den beiden Sprechern von den Professoren Matthias Ballestrem (HCU Hamburg), Ignacio Borrego (TU Berlin) sowie der Professorin Donatella Fioretti (Kunstakademie Düsseldorf) geleitet. Vom 28. September bis 1. Oktober 2018 organisiert das PEP die Conference for Artistic and Architectural (Doctoral) Research (CA2RE) an der TU Berlin. Erwartet werden mehr als 100 Promovierende aus dem In- und Ausland, die entwurfsbasiert arbeiten. www.pep.tu-berlin.de

Umfrage: Der ideale Rahmen - Was die PEP-Teilnehmenden bewegt

Agata Kycia, Architektin
Lupe

Ich habe fünf Jahre lang als Ar­chitektin gearbeitet und zwei Jahre an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin gelehrt. 2017 habe ich mich entschlossen, am PEP teilzunehmen, weil ich in dem Programm die Möglichkeit habe, praxisorientierte Forschung durchzuführen. Das ist besonders wichtig für mein Thema, denn ich befasse mich mit architektonischen Anwendungen von gestrickten Strukturen. Hier basiert die Forschung auf Experimenten, Prototyping und Design in der Praxis. Den Doktortitel strebe ich an, weil ich meine Karriere in der Architektur akademisch fortsetzen möchte.

Thilo Folkerts, Landschaftsarchitekt
Lupe

Die Recherche innerhalb des Programms zielt für mich darauf, die gestalterische Arbeit zu schärfen, thematische Zusammenhänge im eigenen Werk zu untersuchen und hieraus eine handhabbare Begrifflichkeit für die Entwurfspraxis in der Landschaftsarchitektur zu entwickeln. Den intensiven konzeptionellen Austausch über das landschaftsarchitektonische Arbeiten weiterzuentwickeln, führt hoffentlich zur angemessenen Positionierung gestalterischer Arbeit als Wissensproduktion. Das Promotionsprogramm ist für mich insofern vor allem ein berufs- und hochschulpolitischer Beitrag.

Oliver von Spreckelsen, Architekt
Lupe

Den eigenen Entwurfsprozessen auf den Grund zu gehen, ist ein schwieriges Unterfangen – in Praxis und akademischer Lehre. Auf die Gestaltung von Raum wirken neben rein konstruktiven und funktionalen Anforderungen vielschichtige soziale, rechtliche und ökonomische Aspekte. Räumliches Entwerfen ist Forschen, ist ein reflexiver Prozess, dessen Kern für mich das Bauen und Denken von und mit Modellen ausmacht. Das PEP bietet mir dabei einen idealen Rahmen, aus der täglichen Arbeit als Architekt herauszutreten, um das eigene Tun und Handeln beschreiben, begreifen und bestenfalls verfeinern zu lernen.

"TU intern" 25. Juni 2018

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